DSF - wat kost' uns das?

Als in der letzten Saison der Abstieg für den FC St.Pauli immer näher rückte, da machten sich schon sehr frühzeitig wieder die Erinnerungen an das die zweite Liga dominierende DSF breit. Natürlich hatten wir uns auch als Vorreiter der Anti-DSF Kampagnen nicht anders verhalten als andere Aufsteiger. Kaum sind wir in der ersten Liga, schon haben wir vergessen, was Montagsspiele eigentlich bedeuten. Doch kaum waren wir wieder abgestiegen, schaute die ganze Republik, zumindest die, die es interessierte, wieder nach St.Pauli. Stimmen wurden laut, daß man jetzt besser zusammenarbeiten müßte, wo doch die Anti-DSF-Einheitsfront breiter geworden wäre, daß man Aktionen bundesweit vorbereiten müßte und die immer wieder übliche Frage: Was wollt ihr denn jetzt machen?

Nun, Fakt ist aber leider, daß aus der aktiven Fanszene in den letzten Jahren zwar ein großer aktiver Kreis der Schreiberzunft gewachsen ist, daß aber die Motivation für irgendwelche Aktionen Montags könnt' ich kotzen!zumeist nach dem siebten Bier am Tresen entsteht und mit dem Kater am nächsten Morgen schon wieder Vergangenheit ist. Daß wir noch immer Ernst genommen werden, zeigte sich zwar an der Kontaktaufnahme zwischen DSF und dem FC St.Pauli und seinen Fans, aber die Befürchtungen von Tino Polster & Co, daß unter dem Fan-Laden noch immer eine Abschußrampe für Boden-Boden-Raketen und eine Satellitenstörungsanlage steht, sind wohl doch eher unbegründet. Dieselbe Lethargie, die alle Fans in den letzten beiden Jahren ergriffen hat und die mehr von Spaßsucht (in den 80ern wurde hierfür der Begriff Hedonismus als jugendtypisches Merkmal geprägt) heimgesuchten Gruppierungen sollten den Machern in München nun wirklich nicht mehr als ein müdes Lächeln entreißen. Wenn man bedenkt, daß auf dem BAFF-Kongress über eine volle Stunde debattiert wurde, wie man dem DSF beikommen könnte und die Quintessenz war, daß eigentlich nur Kompromisse wie längere Vorlaufzeit bei den Spielfestlegungen oder aber Bezahlung von Auswärtsfahrten als Entschädigung wirklich sachliche Aspekte waren, dann wissen wir, wohin der Zug fährt. Bestimmten Entwicklungen scheinen wir einfach immer hilfloser gegenüberzustehen und die Aktivisten spalten sich immer mehr in zwei Gruppen, die sich gegenseitig blockieren. Da sind die alten Kräfte, die gemerkt haben, daß mit fantypischen Aktionen (Transparente, Sprechchöre) nichts erreicht werden kann, und die mehr die Kompromisslinie fahren wollen, jedoch die Lust am Diskutieren ohne Zielvorgabe und Erfolgsaussichten sichtlich Lust verloren haben und die neuen Kräfte, die gerne noch riesige Fan-Gruppen zu eben diesen fantypischen Aktionen motivieren wollen und gleichzeitig an der sich nicht zu motivierenden Masse zu scheitern drohen, oder aber von den "alten" zu hören bekommen, daß das eh nichts bringe und sich so schnell entmutigen lassen.

Fakt aber ist, daß der Weg über Massenaktionen wie sie der Kollege vom HSV beim BAFF-Kongress vorgeschlagen hat, nämlich sämtliche Zäune im Stadion mit "Scheiß DSF"-Transparenten zu belegen, so daß ihnen keine Kamera ausweichen kann, dem DSF noch am deutlichsten weh tut. Doch da stellen sich natürlich folgende Fragen: Wo ist die Gruppe, die Bock darauf hat, so etwas zu organisieren und wo ist die Menge, die bei so etwas mitmacht (schließlich bekommt ja nicht einmal am Millerntor einer das Maul auf, um gegen den Sender zu brüllen), und durch ihre Lethargie eventuelle Organisatoren gleich wieder demotiviert. Und dann kommt man schnell zur entscheidenden Frage. Welcher Verein und welche Ordner würden es denn zulassen, daß derartige Transparente überall aufgehängt würden. Es folgt das Argument, daß die Vereine das Geld vom Sender brauchen und die Übertragungen den Warenwert der Clubs und ihre Poularität steigern. Dementsprechend sollen die Fans doch zum Wohle des Vereins bitte zurückhaltend sein und die Montage ertragen.

Nun, diese Argumentation wurde auch in den Hamburger Medien geführt und über das St.Pauli-Präsidium den Fans nahegebracht. Entweder haben das alle hier so geschluckt oder aber, allen ist es egal. Uns jedoch kann das nicht egal sein. Ideen für Aktionen kommen leider kaum, deshalb bleibt uns nur noch ein Weg. Und dieser endet in der Frage: Wieviel Geld verdient der Verein tatsächlich am DSF, wieviel Mindereinnahmen stehen dem gegenüber und wie hoch ist der Imagegewinn bei Übertragungen gegenüber dem Imageverlust bei den eigenen Fans. Natürlich ist es schwierig, nun alle Faktoren, die in diesen Bereich hineinspielen auch zu berücksichtigen, zumal wir zu Beginn doch einige Zweifel hatten, ob wir überhaupt alle Informationen erhalten würden. Der richtige Motivationsschub kam dann aus Freiburg, als wir erfuhren, daß der SC keine Heimspiele am Montag haben will und das auch durchsetzen konnte. Es mußte also eine Möglichkeit geben, wie man auf höherer Ebene dem DSF beikommen konnte. Und dies schien sich nur über die finanzielle Ebene durchführen zu lassen. In den folgenden Wochen glühten die Drähte und Infokanäle, Gespräche mit dem DSF, dem Präsidium, der Marketing, Szenekennern beim SC Freiburg und dem Umfeld des FC St.Pauli brachten ein Datenmaterial zusammen, welches wir Euch hier präsentieren wollen. Am Ende steht nicht die Feststellung, daß der Verein am DSF nichts verdient, sondern es muß einfach die Frage erlaubt sein, wieviel Geld denn der FC St.Pauli braucht, um seinen Fans gegenüber glaubwürdig vertreten zu können, daß DSF-Spiele eine tolle Sache wären und wir das verstehen müßten.

§ 1 Die Grundlagen

Die Montagsspiele werden nach vertraglicher Vereinbarung vom DSF mit einer Vorlauffrist von vier Wochen festgelegt. Dies ist jetzt kein Zugeständnis an Auswärtsfahrer, sondern vornehmlich Ergebnis der Zeit, die Totostellen für ihre Scheine brauchen bzw. der Vereine, die ihre Karten drucken müssen. Ziel des DSF ist es, möglichst die ganze Bandbreite der 2.Liga zu zeigen.

Die Summen, über die wir reden wollen, legen sich wie folgt fest: Der gastgebende Verein bei einem Montagsspiel erhält DM 75.000,-, der Gastverein DM 25.000,-. Dazu kommen noch die Gelder, die durch den Werbetopf fließen. Hier wird die Gesamtsumme von DM 90.000,- folgendermaßen aufgeteilt: 45.000 erhält der gastgebende Verein, die andere Hälfte wird unter den restlichen Vereinen der Liga je nach Stadiongröße aufgeteilt, dies entspricht in etwa DM 2.300,- pro Verein.

Die Gesamtsumme für den FC St.Pauli bei einem Montagsheimspiel liegt also bei 120.000,- DM.

§ 2 Die Werbegelder

45.000,- erhält der FC St.Pauli als Werbegelder. Dies sind Gelder der Kunden, die wir immer bei den DSF-Spielen auf den Banden sehen. Die sonst übliche Bandenwerbung im Stadion muß für ein Live-Spiel des DSF überklebt werden. Hören wir hierzu Götz Weisener, der uns die Zusammenhänge etwas genauer erklärt.

Die Werbegelderrechnung der Marketing

ÜS: Die Fernsehgelder vom DSF gehen ja direkt an den Verein, wie sieht das mit den Werbegeldern aus?
GW: Es gibt drei große Werbepartner, die für die Montagsspiele die Werberechte an den Banden erworben haben (Hasseröder, Hagebaumarkt, Corny), die sämtliche Banden belegen, andere Werbung wird dafür neutralisiert, egal in welchem Stadion. Das geht zurück auf einen Vertrag zwischen dem DFB und der Deutschen Städtereklame (DSR), wo der DFB zentral die 2. Liga an die DSR verkauft hat, die das wiederum an die drei Firmen verkauft hat. Völlig unabhängig davon, ob wir bereits Werbepartner haben, unsere Auslastung ist ja sehr gut, die mußten alle runter.
ÜS: Wie werden die entschädigt?
GW: Die zahlen vorab für's ganze Jahr, z.B. 30.000,- DM, also würden sie 1/17 (1.765,- DM) ersetzt bekommen, oder einen zusätzlichen Freiaushang bei einem anderen Spiel, das wird mit jedem einzeln ausgehandelt. Deshalb sind auch noch einige wenige Flächen frei, für Freiaushänge oder auch für Werbekunden, die nur ein Spiel buchen wollen, generell kann man aber sagen, wir sind ausverkauft.
ÜS: Wieviel bekommt die Marketing an Geld für diese drei Hauptwerbepartner?
GW: Diese Drei zahlen an die DSR 90.000,- DM pro Spiel, davon bekommt der Heimverein 45.000,- DM.
ÜS: Deckt dieses Geld die Entschädigungen, die den normalen Werbepartnern gezahlt werden müssen?
GW: Ja, es bleiben etwa 15.000,- DM über.

Die Werbegelderrechnung des Übersteigers

Die Zahlen, die uns Götz hier genannt hat, kamen uns ein wenig seltsam vor. Natürlich wollen wir hier nicht behaupten, daß Götz die Unwahrheit gesagt hat, aber trotzdem lassen wir es uns nicht nehmen, eine eigene Rechnung aufzustellen. Zunächst macht uns die Aussage stutzig, daß es Freiflächen als Entschädigung gibt bzw. daß es diese für Werbepartner gibt, die nur ein Spiel bewerben wollen. Dies ist eine geschönte Aussage, denn eigentlich sollte es Ziel der Marketing sein, alle Flächen langfristig zu vermieten. Daher wohl auch die Aussage vom "generell ausverkauft sein", eben nicht tatsächlich.

Für ein Spiel, welches vom DSF übertragen wird, stehen grundsätzlich 31 Werbebanden zur Verfügung, die durch die DSR-Werbepartner überklebt werden:
 10 Banden zu DM 19.200 per anno = DM 192.000
 11 Banden zu DM 23.100 per anno = DM 254.100
 10 Banden zu DM 27.000 per anno = DM 270.000

Bei einem normalen Heimspiel werden die Verträge zwischen der Marketing GmbH und dem Werbekunden geschlossen. Als Vermittler tritt die HAW (Hamburger Außenwerbung GmbH) auf. Bei einer Vollauslastung, die das Ziel jedes Vereins sein muß, erhält der FC St.Pauli DM 42.123. Bei einem DSF-Spiel laufen die vertraglichen Dinge über eine Zentralverwaltung, in diesem Fall dem Rechteinhaber DSR (Deutsche Städte-Reklame GmbH, Frankfurt). Den überklebten Werbekunden des FC St.Pauli werden von der HAW Ersatzflächen angeboten oder aber der Saisonbetrag zu einem siebzehntel erstattet. Die Sondervermietung bei DSF-Spielen ist Teil der Verträge mit den "normalen" Werbekunden. Nach der Rechnung des Übersteigers erhält der FC St.Pauli DM 45.000 als Festbetrag, verliert aber DM 42.123 wegen der Entschädigungszahlungen. Macht einen Überschuß von DM 2.877,-! Den Betrag, den Götz nannte, können wir uns nur erklären, wenn tatsächlich einzelnen Kunden die Ersatzflächen in Anspruch nehmen, aber auch dies wäre ein Verlust, da diese Flächen ja auch ganzjährig hätten vermietet werden können.

Verbleibt noch die Frage nach dem Verständnis der Werbekunden und der Marketing zu dieser Zentralverwaltung. Der SC Freiburg (siehe hierzu weiter unten) soll ja als Begründung für die Nichtübertragung der Heimspiele Verlustgeschäfte bei der Werbung angegeben haben. Götz Weisener zu der Frage, ob es in Freiburg andere Verträge gibt. "Nein, es kann aber sein, daß der Hauptsponsor das abgelehnt hat. Das ist auch ein Punkt, der uns geärgert hat. Ich kann nicht einem Hauptsponsor ein gewisses Bandenpaket verkaufen, und dann, wenn's interessant wird, bei 'ner Fernsehübertragung, werden die nicht ausgehängt. Hinzu kommt, daß für diese drei Firmen 'ne Branchenexklusivität besteht, d.h. die Holstenwerbung mußte sogar an den Flutlichtmasten überklebt werden und die Fangnetze abgehängt werden, die haben sich auch gefreut. Man kommt sich schon etwas komisch vor, wenn man Leuten etwas verkauft, was man gar nicht hat."

§ 3 Eintrittsgelder

Ein ebenfalls sehr wichtiger Aspekt der Montagsspiele ist die Anzahl der Zuschauer und der daraus resultierende Verlust an Eintrittsgeldern. Natürlich hängt die Zahl der Zuschauer immer auch vom Tabellenplatz und dem Gegner ab und das Spiel gegen 1860 München im Frühjahr 1994 war ein gutes Beispiel für ein volles Haus auch am Montag. Damals ging es direkt um den Aufstieg und auch die angebliche Freundschaft mit den Löwen wurde gerade popularisiert. Letzteres war wohl auch ein ausschlaggebender Grund für die 20000 Zuschauer, gegen einen Tabellendritten aus Uerdingen wären auch an diesem Tage trotz der Euphorie nicht mehr als 18000-19000 Zuschauer gekommen. das sind einfach Erfahrungswerte der letzten 10 Jahre. All dies sind jedoch Spekulationen. Vielmehr müssen wir vorerst mit dem Spiel gegen Mainz am 11.8.97 als Maßstab vorlieb nehmen.

Aus leider anonymen Kreisen verlautete gegenüber dem Übersteiger, daß einige Zweitligaclubs mit Einnahmeverlusten um die DM 15.000 rechnen. Wir glauben, daß man mit dieser Zahl bei St.Pauli bei weitem nicht auskommt. Doch hören wir zunächst Götz Weisener zu dem Thema:

ÜS: Mit was für einem Zuschauerverlust wird denn bei einem Montagsspiel kalkuliert?
GW: Das richtet sich nach dem Gegner, das letzte Spiel (Mainz) war ja nicht so schlecht besucht.
ÜS: Naja, gegen Gütersloh 'ne Woche vorher waren 17.000 da, gegen Mainz 15.000...
GW: Kalkuliert wird mit 14.500 bis 16.000, also lagen wir da genau im Schnitt. Wenn es schadet, ist es sowieso die Tatsache, daß es Montag ist, nicht das übertragen wird.
ÜS: Das ist wohl richtig, könnte sich aber bei schlechtem Wetter ändern. [...] Wie hoch sind in etwa die Zuschauereinnahmen bei einem ausverkauften Stadion?
GW: Ca. 220.000,- DM (mindestens 125.000,- DM durch Dauerkarten)
ÜS: Wobei ja, wenn Plätze am Montag (und auch generell) freibleiben, ja eher Sitzplätze über sind.
GW: Das ist richtig.

Von der Marketing also wird der Besuch gegen Mainz als im Schnitt liegend und deswegen o.k. beurteilt. Wir glauben, daß die Rechnung so einfach nicht sein kann, sondern man schon die mögliche Zuschauerzahl gegen die DSF-Einnahmen aufrechnen muß.

Die Übersteiger-Zuschauerrechnung

Der St.Paulianer an sich ist trotz der momentanen Mißstimmung als noch immer sehr langmütig einzuschätzen, so daß anzunehmen ist, daß trotz zweier Nullnummern zu Saisonbeginn nicht gleich 2.000 Zuschauer weniger innerhalb einer Woche kommen. Daher gehen wir einmal spekulativ davon aus, daß an einem Samstag oder Sonntag nachmittag, vor allem bei der damals herrschenden Wetterlage ca. 1.000-1.500 Zuschauer mehr gekommen wären. Hierbei sind natürlich auch eventuell 300 Gäste aus Mainz zu berücksichtigen, die an einem Montag nicht angereist sind.

Da die Gegengerade und die Nordkurve eigentlich immer ausverkauft oder zumindest fast ausverkauft sind, müssen bei den Mindereinnahmen aussschließlich Sitzplätze berücksichtigt werden, was Götz ja auch bestätigt hat.

Die Sitzplätze am Millerntor sind ja seit Jahren schon extrem teuer, so daß der Verlust noch mehr ins Gewicht fällt.

Die Preise:
 Gegengerade Block 1 und Bl. 6: Erwachsener DM 30,-/Kind DM 15,-
 Gegengerade Block 2 bis 5: DM 55,-
 Haupttribüne Block 7 und Block 11: DM 35,-
 Haupttribüne Block 8 bis 10: DM 55,-

Gehen wir davon aus, daß die Anzahl an Kindern auf der Gegentribüne bei 100 liegt, so macht dies DM 1.500,-. Dazu kommt die gleiche Anzahl an den sie begleitenden Erwachsenen, also noch einmal DM 3.000,-. Der Rest der Sitzplatzbesucher bezahlt im Schnitt DM 42,50 auf der Gegentribüne und DM 45,- auf der Haupttribüne. Fehlen auf jeder Seite am Montag geschätzt 500 Besucher, so macht das DM 44.250,-, die dem Verein an Einnahmen fehlen. Dazu kommen noch Gästefans, die auf den Stehrängen in der Südkurve 7,- bzw. 15,- bezahlen, also bei einem Verhältnis von 2:1 für normal zahlende insgesamt DM 3.700,-.

Vielleicht ist die Zahl von 1200 Heim- und 300 Gästefans zu hoch gegriffen. Es gibt hierüber keine genauen Erkenntnisse. Dies ist einfach ein Schätzwert, der sich aus zwei Heimspielen gegen namentlich nicht unbedingt berühmte Gegner innerhalb von 10 Tagen ergibt. Sollten diese Schätzwerte stimmen, so machte der FC St.Pauli beim Spiel gegen den FSV Mainz 05 wegen der Montagsübertragung eine Mindereinnahme von DM 52.450,-.

§ 4 Die Nebeneinnahmen pro Zuschauer

Jeder einzelne von Euch, der das Stadion besucht, läßt natürlich hier und da ein bißchen Geld für Wurst, Bier und Fanartikel. Deswegen war es uns natürlich auch wichtig, zu erfahren, inwieweit die Händler im Stadion durch ein Montagsspiel Verluste erfahren oder nicht und inwieweit der prozentual an den Umsätzen beteiligte FC St.Pauli dadurch Mindereinnahmen erfährt. Was das leibliche Wohl angeht, so teilten uns die Betreiber der Wurststände, des Dönerstandes und der Brezelverkäufer mit, daß sie an einem Montag keinerlei Umsatzverluste zu erleiden haben. Dies hat uns auch nicht weiter überrascht, da die ohnehin geringen Verkaufskapazitäten ab einer bestimmten Besucherzahl ausgelastet sind und eine höhere Zuschauerzahl keine Mehreinnahmen bringen, da diese gar nicht bedient werden kann. Anders dagegen verhält es sich mit dem Bierverkauf. So teilte uns die Firma Holsten mit, daß sie an einem Montag abend ca. 8000 Flachen Bier weniger verkauft als an einem Freitag, wo das Geschäft am besten geht. D.h., daß die Firma Holsten einen Umsatzverlust von DM 24.000 montags in Kauf nehmen muß. Die entscheidene Frage jedoch lautet, inwieweit der FC St.Pauli am Verkauf beteiligt ist. Hierzu wieder Götz Weisener.

ÜS: Wie hoch ist der FC bzw. die Marketing am Bier- und Wurstumsatz beteiligt?
GW: Pro Bier ca. -,90 DM, daran sieht man wie sehr es uns gefällt, daß vor dem Stadion 3.500 - 5.000 Bierdosen am Verein vorbei getrunken werden.
ÜS: Wir haben von Holsten gehört, daß ca. 8.000 Bier an einem Montag weniger getrunken werden.
GW: Das kann hinhauen, weil z.B. Freitagsspiele die umsatzstärksten sind, da hat jeder noch Geld fürs Wochenende.
ÜS: Wie ist das beim Wurstverkauf?
GW: Nicht so viel, -,50 DM etwa, dort merkt man aber die Spieltagsunterschiede nicht so.

Nimmt man diese Zahlen als Maßstab,
so verliert der FC St.Pauli an einem Montag ca. DM 7.200 durch den geringeren Bierverkauf. Zum Verkauf vorm Stadion sei angemerkt, daß ihr alle Euch mal Gedanken machen solltet, bei wem ihr Kaltschalen kauft, aber auch der FC St.Pauli so lange selber schuld ist, wie kein organisierter Bierverkauf vor dem Stadion stattfindet. Aber zurück zum Thema. Götz Weisener beziffert die durchschnittlichen Nebeneinnahmen pro Zuschauer auf DM 2,-. Hiervon geht die Hälfte in den Magen- und Darmtrakt, die andere Hälfte betrifft das Merchandise. Bei der oben geschätzten fehlenden Zuschauerzahl von 1.500 gegen Mainz also ein weiterer Verlust von DM 1.500,-.

§ 5 Das Clubheim

Auch wenn das Clubheim nicht zu den direkten Einnahmequellen des FC St.Pauli gehört, so ist es doch als Institution ein wichtiger Bestandteil eines jeden Heimspieles. Wir kennen die Pachtbedingungen nicht und auch nicht den Vertrag, der zwischen dem FC St.Pauli und Brigitte besteht, aber die Verluste, die das Clubheim macht, können wir schon benennen. Wem sie im Endeffekt anzurechnen sind, ist eine Auslegungs-und Wertungssache. Zunächst aber einmal sind sie nur das Problem der Pächterin, zumindest vom rein wirtschaftlichen Standpunkt aus gesehen.

Der Anteil, den ein Heimspiel am Wochenumsatz des Clubheimes einnimmt, liegt in etwa bei 90%. Eine Verlegung des Heimspieles von einem Wochenendtag auf einen Wochentag bedeutet für das Clubheim einen Einnahmeverlust, der sich zwischen 5.000 und 7.500,- bewegt. Der Montagabend als gewöhnlicher Wochentag macht sich in den Trinkgewohnheiten der Leute deutlich bemerkbar. Hinzu kommt natürlich auch die Anstoßzeit von 19.15 Uhr, so daß viele BesucherInnen direkt von der Arbeit zum Spiel gehen. Dies macht sich auch am Freitag (19.00Uhr) bemerkbar. Insgesamt kann das Clubheim einen Einnahmeverlust von 67,5% auf den Gesamtumsatz in einer Woche verbuchen.

Vorläufiges Fazit

Bis zu diesem Punkt haben wir all die Dinge berechnet, die den FC St.Pauli direkt betreffen, also Teil der Einnahmen des Vereins sind. Im Grunde müßten wir damit die Rechnung schließen und zusammenzählen. Allerdings gehen wir davon aus, daß der FC St.Pauli Teil eines Gesamtgefüges innerhalb des Stadtteils ist und das bei jeder sich passenden Gelegenheit auch gerne in den Vordergrund stellt. Prinzipiell finden wir diese Einstellung auch lobenswert, solange sie eben nicht aus Worthülsen besteht, sondern auch von Inhalten und Taten begleitet wird. Dies bedeutet aber zugleich auch, daß man als Stadtteilverein eine gewisse Verantwortung zeigen muß. Dies mag sich auf den ersten Blick ein wenig schwülstig anhören, aber der Popularitätsgrad des FC St.Pauli wird vornehmlich durch zwei Dinge geprägt, und die sportliche Seite gehört sicherlich nicht dazu. Da sind zum einen die Fans, die wahrscheinlich den größten Anteil daran haben, daß der FC St.Pauli das ist, was er heute in der verkommerzialisierten Fußballszenerie darstellt. Zum anderen jedoch lebt der Verein natürlich auch von der Popularität des Stadtteils und genau so wie die Gastronomie im Viertel von den Fußballzuschauern profitiert, profitiert der Verein von der Gastronomie, denn einen nicht unerheblichen Standortvorteil bekommt der Club erst durch seine günstige Lage zur Amüsiermeile und dem anhängenden Viertel. Auch die corporate identity, von der ja immer so gerne gesprochen wird, erhält der Verein durch die Fans und den Stadtteil. Und so finden wir es als nicht so weit hergeholt, auch einmal nachzufragen, welche Bedeutung denn ein Montagsspiel für die Kneipen rund um das Stadion hat. Auch an dieser Stelle zunächst die Fragen an Götz Weisener zur Verantwortung des Clubs für die Kneipen im Viertel.

ÜS: Ist schon mal der Gedanke auf die Kneipen im Viertel gefallen, die durch ein Montagsspiel teilweise bis 30% weniger Wochenumsatz haben?
GW: Gehen wir mal von vier Spielen im Jahr aus, das ist nicht so viel. Letztenendes profitiert die gastronomische Landschaft drumrum ohnehin von uns. Natürlich auch umgekehrt, es ist nicht nur die Stimmung und die gute Verkehrsanbindung...
ÜS: Nun ja, wie sieht das der Verein denn überhaupt? Es wird ja immer die soziale Verantwortung dem Viertel gegenüber sehr hoch gestellt. Hat sich da schonmal jemand weitergehend Gedanken gemacht, ob ein Montagsspiel dem Viertel zu Gute kommt?
GW: Da macht's die Menge, viermal im Jahr ist ja nicht so gravierend, mein ich. Ich find's auch 'nen störenden Effekt, weil's 'n Eingriff ins Fußballwochenende ist. Das sieht ja hier keiner anders, aber dann sind da diese wirtschaftlichen Zwänge und die Überlegung, dazu beizutragen, andere mitzusubventionieren. Und dann muß man halt wieder aufsteigen!

§ 6 Die Kneipenumfrage

Hier glauben wir, hat Götz Weisener ein wenig kurz gedacht. Natürlich finden wir es gut, daß auch er erkennt, daß der Verein vom Viertel profitiert, aber es gibt einige Kneipen, denen ein Montagsspiel ziemlich an den berühmten Gürtel geht, den es dann heißt, enger zu schnallen. Der Übersteiger hat daher eine kleine Umfrage gemacht, inwieweit Kneipen im Viertel von Spielen des FC und daher den Fans abhängig sind oder profitieren und was eine Montagsbegegnung für Auswirkungen auf die Kneipe hat. Insgesamt kamen 20 der 43 Fragebögen an uns zurück, was eine ziemlich gute Beteiligung ist, aber gleichzeitig mußten wir auch feststellen, daß zwischen Kiezläden und reinen Fußballkneipen deutlicher zu differenzieren ist. So gibt es natürlich einige Läden, die am Wochendende ohnehin rappelvoll sind, egal ob nun St.Pauli spielt oder nicht. Für die bringt natürlich der Montag eher ein kleines Zubrot, da ansonsten am Montag eh nichts los ist. Anders dagegen sieht es bei den Kneipen aus, die sich auch von ihrem Interieur, ihrem Ruf und ihrer Ausrichtung vornehmlich dem Fußball verschrieben haben. Hier bedeutet die Verlegung eines Spieles ernsthafte Verluste und bei Kneipen, die nicht ein goldenes Leben, sondern harte Arbeit bedeuten und oft mit einer Menge Idealismus und Tradition weiterexistieren, sind das sehr schmerzhafte Momente. So wollen wir die Läden nicht vergessen, die bei einem Montagsspiel mehr Umsatz machen, aber statistisch sollen hier vornehmlich die reinen Fußballkneipen beachtet werden, die einfach durch den geringeren Konsum am Montag im Vergleich zum Wochenende deutliche Verluste hinnehmen müssen.

Kneipenumfrage

1. Mein Lokal wird von Fans des FC St.Pauli besucht.
Nie: keine, selten: 1, regelmäßig: 8 , oft: 1, Fans gehören zu den Stammgästen: 8

2. An Spieltagen wird meine Kneipe/Restaurant von Fans des FC St.Pauli besucht. Vor und nach dem Spiel.
Vor dem Spiel besuchen einige wenige Fans 4 Läden, viele Fans 7 Läden, 4 Läden sind voll mit Fans und zwei Läden haben vor dem Spiel nicht geöffnet.
Nach dem Spiel sind in einem Laden einige wenige Fans, in neun Läden viele und acht Läden sind voll mit Fans.

3. Ist Euer Laden am Montag normalerweise geöffnet?
Von den Befragten macht nur ein Laden extra am Montag auf, der Rest hat ohnehin geöffnet.

4. Die Besucherzahlen an einem Montag sind im Vergleich zu einem Spiel am Freitag oder Samstag...
Die Besucherzahlen am Montag im vergleich zu den Spielen am Wochenende sind bei vier Kneipen gleich, bei dreien etwas geringer und bei 10 Läden deutlich geringer.

5. Der Anteil am Wochenumsatz durch die Wochenendheimspiele des FC St.Pauli liegen bei etwa...
Der Anteil am Wochenumsatz durch Heimspiele des FC St.Pauli liegt bei 5-15% (3x), 15-25%(2x), 25-35% (7x), 35-45%, 45-50% und über 50 % (je 1x). Drei Kneipen haben diese Frage nicht beantwortet.

6. Durch die Verlegung von Spielen des FC St.Pauli vom Wochenende auf den Montag abend habe ich Umsatzeinbußen einzukalkulieren.
Von den 18 Läden, die geantwortet haben, haben sieben keinen Umsatzverlust durch die Verlegung der Spiel, 11 dagegen beklagen Mindereinnahmen.

7. Meine Umsatzeinbußen an einem Montag im Vergleich zum Freitag betragen...
Die Höhe der Einbußen schwankt von 5% bei einer Kneipe bis zu über 50% bei zwei Läden.

Nur sieben Kneipen gaben Summen an, um ihren Verlust genau zu beziffern. Die Gesamtsumme dieser sieben Läden liegt bei DM 4700,-. Die Läden, die nur Prozentangaben über ihre Verluste gemacht haben, verlieren durch ein Montagsspiel im Schnitt 27%, wobei der Spitzensatz bei 60% liegt.

Hier noch einige zusammengefaßte Ergebnisse:

Da der durchschnittliche Wochenumsatz der Kneipen, der durch Heimspiele des FC St.Pauli getragen wird, bei ca. 30% liegt, haben diese Kneipen durch eine Verlegung einen Umsatzverlust von ca 15% zu tragen. Allerdings ragen hier natürlich die Spitzensätze heraus, deren Verlust bei über 20% liegt. Bei Läden, deren Wochenumsätze zu über 35% von den Fans bei Heimspielen getragen werden, geht der Verlust zum Teil auch über 25% hinaus.

Der Gesamtdurchschnitt an Verlusten aller befragten Kneipen durch die Verlegung der Spiele liegt bei 23,46%, bezogen auf den Vergleich Wochenendspiel-Montagsspiel.

Natürlich läßt sich jetzt leicht argumentieren, daß nicht gerade wenige Kneipen von den Montagsspielen profitieren, da ansonsten am Montag nichts los ist, allerdings sind dies laut unserer Umfrage gerade mal 10%, 90% der Läden macht ein Minus, und zum Teil sogar ein mehr als deutliches durch die Verlegung. Und natürlich geht es uns hier um die Fußballkneipen, also die Lokalitäten, wo vornehmlich oder sogar ausschließlich das Zielpublikum des FC St.Pauli und seiner Marketing auf dem Kiez verkehrt. Wir müssen natürlich den Betrag schätzen, der von den Kneipen gemacht wird, die keine Summenangaben gemacht haben. Da bei diesen aber nicht gerade geringe Spitzenprozentsätze angegeben waren, gehen wir von einem Gesamtverlust von ca.10.000-12.500,- DM aus, von denen 4.700 definitiv feststehen. Diese Kneipen bedanken sich ganz besonders beim DSF.

§ 7 Die Abschlußrechnung

Bevor wir zu einem abschließenden Urteil über den finanziellen und idellen Wert der Montagsspiele allgemein und für den FC St.Pauli im speziellen kommen, fassen wir die Zahlen noch einmal zusammen, um zu wissen, was der FC St.Pauli an einem Montagsspiel tatsächlich verdient. Wir wissen natürlich, daß unsere Werte, was die Zuschauerzahlen angeht, nur Schätzungen sind, die von vielen Unwägbarkeiten abhängig sind; genauso Verhält es sich mit den Randfaktoren, die Ergebnis einer relativ unqualifizierten Umfrage sind, die vor keinem wissenschaftlichen Prüfstand bestehen würde. Trotzdem glauben wir zu einem Ergebnis kommen zu dürfen. Und wenn der FC St.Pauli uns diese Zahlen schlüssig widerlegen kann, so stehen wir dem offen gegenüber.

Fakten, Fakten, Fakten und immer an die Fans denken

Einnahmeseite

Einnahme FC St.Pauli durch die Liveübertragung:75.000,- DM
Einnahme FC St.Pauli aus dem Werbetopf:45.000,- DM
Einnahme FC St.Pauli durch die Werbeausgleichszahlungen
(2.300,- pro Montagsspiel bei 30 Spielen,
gerechnet auf 4 Heimspielübertragungen im Jahr)
17.250,- DM
Gesamteinnahmen für ein Montagsheimspiel:137.250,- DM

Mindereinnahmen

Ausgleich für die Werbepartner:42.123,- DM
Eintrittsgelder:52.450,- DM
Bierverkauf:7.200,- DM
Merchandise:1.500,- DM
Gesamte Mindereinnahmen:103.273,- DM
Der Gesamtüberschuß des FC St.Pauli beläuft sich also pro Heimspiel am Montag auf 33.977,- DM.

Nimmt man jetzt die soziale Frage mit auf, also welche beteiligten Akteure von dieser Verlegung der Spiele auch betroffen sind, so kommt man zu folgender Rechnung:

Einnahmen FC St.Pauli:33.977,- DM
Verlust der Gastronomie:
minimal15.000,- DM
maximal19.500,- DM

Restbetrag nach moralischem Abzug:

maximal18.977,- DM
minimal14.477,- DM

Wenn man an dieser Stelle auch noch berechnet, daß die Firma Holsten bei einem Montagsspiel 16.800,- DM weniger Umsatz macht, dann bleibt am Ende wahrlich nicht mehr viel übrig, was ein DSF-Spiel als lohnende Sache erscheinen lassen würde Der Einnahmeverlust von außenstehenden Akteuren deckt den Einnahmezuwachs des FC St.Pauli ziemlich genau ab.

§ 8 Wir kommen zum Ende

Welche Schlüsse kann man nun aus dieser Rechnung ziehen? Ist es dem FC St.Pauli möglich, ähnlich dem SC Freiburg aus den Verpflichtungen der Heimspiele herauszukommen? Ist der Gewinn an Popularität durch Livespiele wirklich so groß? Kann man den Imageverlust bei den eigenen Fans tatsächlich mit einer Gesamteinnahme von knapp 136000,- DM bei vier Heimspielen aufwiegen?

All diese Fragen können hier nicht beantwortet werden, aber zumindest treilweise sollen sie zur Diskussion stehen.

Der Fall Freiburg

Der SC Freiburg hat es geschafft, dem DFB gegenüber klarzumachen, daß er durch die DSF-Spiele keinerlei finanziellen Gewinn macht. Dies liegt jedoch vornehmlich an Verträgen, die mit den Sponsoren noch zu Erstligazeiten gemacht wurden und daher eine andere Bedeutung für den Verein und die Gesamtrechnung haben. Auch hierzu haben wir Götz Weisener befragt, und er sagte weiter oben, daß dies mit einer Ablehnung des Hauptsponsors zu tun hat. Da stellt sich doch die Frage, ob nicht auch unser Hauptsponsor derartige Forderungen aufstellen kann.

Insgesamt jedoch kann man wohl den Fall Freiburg nicht als Maßstab nehmen, zu unterschiedlich erscheinen die Voraussetzungen. Auch erscheint es nicht sicher, ob der SC sich den Verpflichtungen auch in der Rückrunde noch länger entziehen kann. Die Aussage von Tino Polster zu der möglichen Wehrhaftigkeit der Vereine jedenfalls stimmt ein wenig nachdenklich: "Eine Ablehnung der Übertragung durch die Vereine wäre ein Fall für die Anwälte." Und so scheint es, daß der SC Freiburg derzeit auf einer Bonusgabe des DFB sitzt, die jederzeit beendet sein kann. Gönnen wir es den Badensern und ihren Fans, daß dieser Zustand noch so lange wie möglich anhält, damit auch wir in der Rückrunde vielleicht sogar auf einem Samsatg in Freiburg spielen können.

Die anderen Vereine und Fans

Es ist für uns recht einfach, hier ein Zahlenspiel anzufangen und uns hinterher genüßlich zurückzulehnen, ganz nach dem Motto: "Seht ihr, lohnt sich eh nicht!" Man muß leider bei der finanziellen Ausstattung der 2.Liga davon ausgehen, daß die überwiegende Anzahl der Vereine die Übertragungen begrüßt. Nicht nur der für die "kleinen" Clubs erheblich höhere finanzielle Vorteil (da sie geringere Bandenpreise haben und auch die Zuschauerverluste anders ausfallen), sondern auch das Gefühl, endlich einmal live im Fernsehen zu sein, bedeutet für Gütersloh und Mainz etwas völlig anderes als für Freiburg, Frankfurt oder St.Pauli. Ähnlich geht es den Anhängern dieser Vereine, wie wir ja auf dem BAFF-Kongress festgestellt haben. Für kleine Clubs sind diese Spiele noch ein echtes Ereignis. Und wenn wir ehrlich sind, dann gibt es auch im gesamten Bundesgebiet nicht wenige St.Pauli-Fans, die sich über ein paar Übertragungen im Jahr freuen.

§ 9 Trotzdem

Eine nette Zwischenüberschrift, denn trotz allem Verständnis für kleine Clubs und auswärtige Fans, die Bedeutung eines DSF-Spieles muß für uns an anderen Dingen festgemacht werden, da bleibt für derartige Rücksichtnahme nur selten Platz, auch wenn sie vielleicht angebracht wäre. Fakt ist nun mal, daß trotz der gesamten Bandbreite der zweiten Liga, die das DSF abdecken will, bestimmte Vereine immer noch die gearschten sind und hierzu gehört der FC St.Pauli auch, der immerhin schon zwei Montagsspiele hinter sich hat und eines gegen Freiburg fest vor sich. Sollten wir noch drei Plätze weiter oben stehen, könnten wir wohl gleich eine Umtragung der gesetzlich festgelegten Feiertage verlangen.

§ 10 Die Frage nach dem Image

Ein ganz wichtiger Bestandteil der gesamten DSF-Diskussion ist immer wieder der Begriff des Images, welches über den Bildschirm transportiert wird und der zwanghafte Drang zur Darstellung des Vereins in der Öffentlichkeit. Wenn wir davon ausgehen, daß beim DSF 1 Mio Zuschauer die Montagsspiele kucken (und diese Zahl halten wir für ziemlich hochgegriffen, die Hälfte ist bei Spitzenspielen eher realistisch), dann sind das dort die absoluten Hardcorefans, denen man Vereine wie St.Pauli, Freiburg oder Frankfurt wirklich nicht mehr medial besonders präsentieren muuß. Der gewöhnliche Fußballkonsument hat sich nach dem Zappen durch die anderen 70 Live-Spiele der Woche wahrscheinlich den Montagabend für die Familie freigehalten, und zufällige Zuschauer werden sich bei Übertragungen aus Uerdingen oder Köln (Südstadion) bestimmt nicht lange begeistern können. Daß über das DSF tatsächliche Ergebnisse der Fernsehpräsenz herausspringen, halten wir für ein Gerücht. Zum Thema Image und Wirkung kommt noch einmal Götz Weisener zur Sprache.

ÜS: Wird mit einem Imagegewinn oder -verlust bei einer Übertragung gerechnet?
GW: Das kommt darauf an, was man da vorführt.
ÜS: Nun gut, die Frage ist ja nun, bei wem das Image verbessert werden soll, in der allgemeinen Fernsehlandschaft oder bei den eigenen Fans.
GW: Im Norden ist es ja nicht unbedingt nötig, aber in ganz Deutschland und auch im Ausland empfangen zu werden, das wirkt sich auch auf's Fanartikelgeschäft aus, da nimmt der ausländische Anteil der Bestellungen (Österreich, Schweiz, Skandinavien, Spanien) schon deutlich zu, da fragt man sich dann, wie kommt das?

Lieber Götz, die letzte Frage können wir Dir wohl beantworten. Wir wissen natürlich nicht, um wieviel der Anteil an Bestellungen aus dem Ausland zunimmt, aber wir haben auch Fan-Clubs in den genannten Ländern (siehe auch dieses Heft) und Anfragen aus diesen gab es im Fan-Laden schon etliche, als es die Marketing noch gar nicht gab. Da wäre es schon mal interessant zu wissen, um wieviele Anfragen es sich handelt. Darüberhinaus ist es kaum vorstellbar, daß in Spanien (Primera Divison live) und in Skandinavien (Premier League live) sowie den fußballerischen Randstaaten der Alpen (wo sich übrigens nicht einmal Sat 1 mit einer Übertragung der östereichischen Liga durchsetzen konnte) nun die Horden an Menschen sich auf die deutsche zweite Liga stürzen. Und um dem noch etwas entgegenzusetzen, unsere zwar anonyme, aber zuverlässige Quelle aus Freiburg hat die DSF-Spiele mit Imageverlusten auf den folgenden Gebieten in Zusammenhang gebracht: Werbepartner, Sponsoren allgemein, Hauptsponsor, Gästefans, eigene Fans, eigene Fans außerhalb Freiburgs. Es scheint doch nicht so zu sein, daß die tolle Medienpräsenz ausschließlich positive Effekte hat.

§ 11 An euch Fans, den FC St.Pauli, das DSF und sonstige Interessierte

Wir wissen um die Vertragslage mit dem DFB und den Rechteinhabern. Wir wissen, daß es aus diesen kaum ein Entrinnen gibt und wir wenige Mittel haben, dagegen anzugehen, aber

  1. Wir fordern den FC St.Pauli auf, zu den hier genannten Zahlen Stellung zu nehmen und uns entweder alles zu widerlegen oder aber öffentlich deutlich zu machen, daß die Gewinne durch das DSF nicht so hoch sind wie immer herausposaunt. Wir fordern den Verein weiterhin auf, zu den Mindereinnahmen außerhalb des Vereins zu stehen und diese mit einzukalkulieren oder aber die Verantwortung und Gemeinsamkeit mit dem Viertel ein wenig neu zu überdenken. In diesem Zusammenhang sind wir bereit, die Forderungen zurückzunehmen, wenn uns das Gegenteil bewiesen oder völlig andere Zahlen glaubhaft präsentiert werden. Wir sind es leid, mit irgendwelchen Rechenxempeln, die nicht nachvollziehbar sind, umgarnt zu werden. Die Zahlen von der Berufsgenossenschaft und vom Volksparkumzug, der sich trotz völliger Fehlkalkulation so toll gelohnt haben soll, liegen uns noch in den Ohren.

  2. Euch Fans fordern wir auf, endlich mal wieder den Mund aufzukriegen, wenn eine DSF-Kamera in der Nähe ist. Es gibt nämlich eines, was diesem Sender wirklich weh tut, und das klingt durch die Außenmikrofone (remember Düsseldorf) oder steht am nächsten Tag in der Zeitung.

  3. Euch vom DSF sagen wir, daß ihr eine gute Zweitligaberichterstattung macht, die sich wohltuend von Sat 1 abhebt. Wir sagen euch aber auch, daß wir es leid sind, ein Spielball der Fernsehplaner zu sein und ihr als schwächstes Glied in der Kette darunter zu leiden habt. Und hierzu gehören nicht nur die Montagsspiele, sondern auch die fehlenden Samstagsbegegnungen und der Anstoßtermin am Freitag abend. Fuck off Ihr Stehpisser.

  4. Und last but not least. Bevor es einer vergessen hat. Unser Zahlenspiel endet in einer Gewinnsumme von maximal 33.977,- DM für den FC St.Pauli und einer +/-O-Rechnung bei Berücksichtigung aller Faktoren. Kriegt also endlich wieder das Maul auf, Fans, denn die Geldrechnung stimmt nicht mehr.

  5. Sollten unsere Rechenbeispiele widerlegt werden, hat sich die Mühe trotzdem gelohnt.

Die Redaktion

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