Endlich wieder vereint

Eine Liebesgeschichte aus der zweiten Liga

Tja, wie war das eigentlich noch, damals in der Zweitklassigkeit? Der Arroganz des Erstligisten folgend, haben wir uns natürlich in den letzten zwei Jahren einen Dreck um die Geschehnisse eine Etage tiefer gekümmert, auch (trotz vollmundigen Ankündigungen) an den Problemsender DSF wurde kaum ein Gedanke verschwendet. Deshalb, auch für "Neuhinzugekommene", die die Zweite Liga nur aus Erzählungen kennen, hier ein kleiner Abriß der Story eines kleinen Fernsehsenders, der uns so viel Freude bereitet.

In der Mammutsaison 92/93 kam es durch die 24 teilnehmenden Mannschaften dazu, daß die Fans (und auch die Verantwortlichen) größtenteils vergeblich auf Spielausschnitte warteten. Dies hatte den verhängnisvollen Wunsch "Bringt mehr 2. Liga ins Fernsehen" zur Folge, der von den Vereinen an den DFB herangetragen wurde. Wie der Zufall es wollte, wurde kurz zuvor in München ein kleiner Spartensender namens "Deutsches Sport-Fernsehen" gegründet, der, wie so vieles, zum Kirch-Imperium gehört. Da diesem auch SAT 1 und der Bundesligarechteverwerter ISPR angehören, wurde die 2. Liga kurzerhand dem DSF als Zweitverwerter zugesprochen und zugleich ein Livespiel (anfangs ca. alle zwei Wochen, nunmehr an jedem Spieltag) angeboten.

Und da war es, das große Problem: Wann senden? Da durch die SAT 1-Aufsplittung des BL-Spieltages das Wochenende ziemlich belegt ist, der Sonntag-Nachmittag zudem vom DFB für die Amateure geschützt wird (was auch vollkommen in Ordnung ist!), sah sich das DSF genötigt, auf den Montagabend auszuweichen. Als der FC St.Pauli, ziemlich zu Anfang, das erste Live-Heimspiel gegen den VfL Bochum austrug, war die Stimmung noch irgendwie vom Stolz über eine Liveübertragung vom Millerntor geprägt. Nur dann begann langsam der Terror mit kurzfristigen Spielverlegungen und die Stimmung kippte um. Es wurde klar, daß diese Spiele den Fans nur Negatives bringen.

Als da wären: Zusätzliche Urlaubstage (vor allem für Auswärtsfans), Stornierungen von bereits geplanten Fahrten und evtl. Fan-Feten durch die o.e. kurzfristigen Verlegungen, höhere Fahrtkosten durch geringere Teilnehmerzahl, Stimmungsverlust durch geringere Zuschauerzahl usw. Und so wurde nach Möglichkeiten gesucht, dem Protest Ausdruck zu verleihen. Zunächst mit Briefen ans DSF, um denen erstmal mitzuteilen, was uns stinkt. Da hierauf keinerlei Reaktion erfolgte, kamen dann Transpis, Sprechchöre und Luftballons (sollten beim Spiel gegen Düsseldorf der Hauptkamera über der Gegengerade die Sicht versperren, was durch starken Wind leider mißlang) zum Einsatz. Die nächste Stufe war das Abdrucken einer Boykottliste (ÜS 13), die sämtliche Firmen enthielt, die während einer Montagsübertragung Spots im DSF schalteten. Diese wurde von vielen Fanzines im Lande übernommen und auch den Werbeabteilungen dieser Firmen wurde unser Anliegen mitgeteilt.

Und nun wurde es richtig lustig: Zwei Tage nach Erscheinen votierten auf Initiative von Vize Hinzpeter sämtliche Zweitligavertreter auf einer Tagung in Frankfurt gegen die Montagsspiele, woraufhin das DSF probehalber andere Sendeplätze testen wollte (z.B. Freitagabend), was aber der DFB verhinderte. Am 01.05.95 vor der Montagsübertragung Nürnberg - St.Pauli gab das DSF dem St.Pauli-Fanbeauftragten die Möglichkeit, live über unsere Probleme zu sprechen; während des Spiels jedoch kam es zu einem etwa einstündigen Bild- und Tonausfall, der uns natürlich etwas Schadenfreude in die Mundwinkel trieb. Dies aber führte dazu, daß das DSF nun komplett durchdrehte. Zunächst wurde der Verdacht geäußert, wir hätten bei der Übertragungsstörung unsere schmutzigen, kleinen Finger im Spiel gehabt (klar, kein Problem, Satelliten sabotieren ist kein Thema für uns), dann wurde mitgeteilt, daß sie bei der Übertragung des Heimspiels gegen Hertha mit gewalttätigen Angriffen von St.Pauli-Fans gegen Techniker und Ausrüstung rechnen. Nun ja, passiert ist natürlich nix, aber man soll ja nie nie sagen...

Wie gesagt, dann kam der Aufstieg, und das Problem hatte sich, solidarisch wie wir sind, für uns erledigt. Hier muß unbedingt noch erwähnt werden, daß wir natürlich nicht alleine gegen diese unsäglichen Übertragungen waren, besonders die KollegInnen vom VFOUL und LÖWENZAHN waren da sehr aktiv.

Und nun sind wir also wieder da, wo wir nach Meinung vieler auch hingehören. Die neuen Fakten sehen wie folgt aus: Jeder Verein erhält einen einmaligen Sockelbetrag von 65.000,- DM, zusätzlich für jedes übertragene Heimspiel 75.000,- DM, der Gastverein bekommt 25.000,- DM (wofür eigentlich, dieses Geld könnte der Verein z.B. den Auswärtsfans zur Subventionierung der Montagsfahrten zur Verfügung stellen). Das DSF tritt ab dieser Saison als alleiniger Zweitligaerstverwerter auf, was zur Folge hat, daß nun schon über ein zweites Livespiel ab nächster Saison nachgedacht wird, das Spiel wird dann wahrscheinlich am Dienstagmorgen stattfinden. Die Vorlaufzeit für die Verlegungen soll nun minimum 5-6 Wochen betragen, was die Planungen zwar etwas erleichtert, den Kern des Problems aber natürlich nicht beseitigt. Vorstellbar wäre für uns z.B. der Spieltermin Samstagabend, was aber vom DSF wahrscheinlich mit der Begründung der Programmkonkurrenz abgelehnt werden würde.

Eins muß hier aber nochmal klargestellt werden; das DSF macht gute Fußballberichterstattung, bei der, im Gegensatz zu SAT 1, das Spiel selber im Vordergrund steht. Wären da nicht diese Montagsspiele, es wäre ein netter kleiner Sender.

Bei der "Zweitligakonferenz" beim Fan-Kongress waren Ideen für neue Aktionen nicht konkret zu erfassen, soll heißen, langsam mal aus'm Arsch kommen, Ideen sammeln und dann...

thomas

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