Neue Spieler,
neuer Trainer,
neues Glück!!!

Eine neue Liga braucht ein neues Leben...

In Abwandlung eines zum Ende der letzten Saison viel gesungenen Liedes widmen wir uns dem neuen Trainer und den neuen Spielern. Immerhin sind 11 (mit Demir Duric) neue Spieler zur Mannschaft hinzugestossen. Dies ist der größte Umbruch in einer St.Pauli-Mannschaft seit 15 Jahren. Um den interessierten St. Pauli-Fans den neuen Trainer und die Spieler näher zu bringen, fand am 30.07.1997 im "Haus des Sports" eine Podiumsveranstaltung statt. 150 St. Pauli-Fans hatten sich eingefunden, während sich bei einem anderen Hamburger Verein bei einer ähnlichen Veranstaltung lediglich 40 Leute verliefen.Trainer Eckhard Krautzun stellte sich mit folgenden Worten vor: seine Vergangenheit im Ausland ist ihm wichtig, sein Traum aber war stets ein Trainerjob in der Bundesliga. St. Pauli stand auf der Liste der ihm liebsten Vereine, bei denen er arbeiten möchte, an erster Stelle. Für ihn ist der FC St. Pauli wegen seiner außergewöhnlichen sozialen Bandbreite der Zuschauer ein "Volksclub". Ihm imponiert am Millerntor, wie versucht wird ohne diffamierende und rassistische Äußerungen Fußball zu erleben. Er habe in seiner Zeit, die er im Ausland als Trainer verbracht hat, stets versucht, sich den dort lebenden Menschen, ihren Gewohnheiten und Sitten anzupassen und auf sie zuzugehen. Er glaubt aber, daß ein in Europa spielender farbiger Profi auch über den schlimmsten rassistischen Äußerungen, die von den Rängen kommen, stehen müsse.

Soweit es ihm seine Zeit erlaubt, will er sich intensiv um die Interessen der Amateure und die der der A- und B-Jugend kümmern. Hinsichtlich des Spielsystems wäre es wünschenswert, wenn von den 1. Amateuren über die A- bis zur B-Jugend das gleich Spielsystem wie bei den Profis praktiziert wird.

Zum jetzt wieder akuten und leidigen Thema DSF meinte er einerseits, daß sich dieser Sender für die Berichterstattung über die 2. Liga "geopfert" hätte und lobte deren Berichterstattung, aber andererseits outete er sich als Kritiker der Montagsspiele, da sie ein zielgerichtetes Training erschweren. Pay-TV wäre der Tod des Fußballs, da dieser durch die Fans im Stadion lebt. Nach dem Ende der Veranstaltung hatten wir die Möglichkeit uns mit den neuen Spielern zu unterhalten:

Ömer ErdoganÖmer Erdogan sammelte seine ersten fußballerischen Erfahrungen als kleiner Junge auf Kassels Straßen. Er bezeichnet sich selbst als Straßenfußballer, es ist schön einmal in den Zeiten der "Events" eine solche Selbstdarstellung zu hören. Von Beruf ist der begeisterte Billiardspieler (9er Ball) Industriemechaniker. Sein größtes Erlebnis, wen wundert es, ist es, Spieler bei unserem FC geworden zu sein. Endgültig hatte er unsere Sympathien auf seiner Seite, als er uns folgenden Satz sagte: "Lieber FC St. Pauli als FC Bayern München!!!"
Michael MasonAus der nordhessischen Metropole stammt auch Michael Mason. Der US-Nationalspieler legt wert darauf, daß sein Vorname deutsch ausgesprochen wird. Nach seiner Aussage haben ihn Ehrgeiz, Wille und Glück von der Regionalliga über einen Bundesligisten, dessen Namen er nicht nennen will, zu unserem FC gebracht. Den Stammplatz, den er bei jenem Verein nicht bekommen konnte, hofft er nun beim FC zu bekommen. Ein Kreuzbandriß hatte ihn in seiner sportlichen Entwicklung zurückgeworfen, woraufhin ihn der Trainer trotz guter Trainingsleistungen nicht mehr auf dem Zettel hatte, so daß Michael mit Freuden beim FC St. Pauli anheuerte, um sofort aufzusteigen. Lieber in der Zweiten Liga spielen, als in der Bundesliga versauern, lautet seine Devise.
Daniel FrancoBereits in die Annalen der Clubgeschichte eingegangen ist Daniel da Costa Franco mit seinem Seitfallzieher im Vorbereitungsspiel gegen Schalke. In Brasilien spielte er u.a. bei Porto Allegre und Corintias Sao Paulo. Erste Kontakte nach Deutschland bestanden bereits damals, jedoch ließ ihn der latente Rassismus in diesem unserem Lande erst einmal einen Umweg über Spanien nehmen, wo er leider nicht so gut angekommen ist. Insgesamt fühlt er sich (kaufen, kaufen!!!) bei uns gut aufgenommen. Sein Probetraining beim VfB Stuttgart wurde von Vito, einem italienischem Restaurantbesitzer aus HH und Daniels Übersetzer, beendet, als er Daniel in einer Nacht- und Nebelaktion aus den Klauen des VfB befreite. Vito überzeugte ihn, daß es besser sei bei einem kleinen Verein, als bei einem großen zu spielen. Grazie, Vito!
Kalpih SidibeKaliph Sidibe ist in Guinea geboren und französischer Staatsbürger. Er ist ein vielseitig einsetzbarer Spieler der, laut Herrn Krautzun, einen guten Charakter hat. Zu Beginn seiner Laufbahn in Frankreich hat er sehr unter rassistischen Schmähungen gelitten, diese jedoch nach einiger Zeit zu überhören versucht.
Thomas MeggleThomas Meggle, aus dem Süden unserer Republik, visiert ein Sportstudium an und nennt als seine Hobbies Fernsehen und Skifahren. Er hofft darauf, daß seine Leistungen von den Fans fair beurteilt werden. Er kann nicht verstehen, daß Spieler nur im Erfolg gefeiert, bleibt dieser jedoch aus, gnadenlos niedergemacht werden. Kritik an Spielern sollte erst nach dem Spiel geübt werden, dann auch ruhig heftig. Lieber Thomas, wir können Dich beruhigen: St.-Pauli-Fans sind bekannt für ihren Langmut gegenüber spielerischen Schwächen der Spieler. Deine Aussage, alle Vereine, die Du verlassen hast, seien nach Deinem Weggang kaputt gewesen stimmt uns nur dannn bedenklich, wenn Du vor hast uns bald wieder zu verlassen.
Cem KaracaDer U-21-Europameister Cem Karaca aus der Türkei empfand den Abstieg mit dem 1. FC Kaiserslautern als das schlimmste Erlebnis seiner Karriere. Von der Entlassung seines damaligen und heutigen Trainers erfuhr er auf dem Weg zum Training aus dem Autoradio. Ja, ja die guten Sitten, wo sind sie geblieben, wenn die Verantwortlichen eines Vereins nicht mehr in der Lage sind ihre Angestellten von wichtigen Personalentscheidungen persönlich zu informieren?
Demir DuricDemir Duric, ein alter neuer Bekannter, der das Pech hatte, sich gleich zu Beginn der letzten Saison zu verletzen, war, als wir das Gespräch mit ihm führten, müde und wollte nur nach Hause. Deshalb nur ganz kurz: er ist verheiratet, hat ein Kind und geht gerne shoppen. Viel Spaß bei Karstadt, Demir! Den Aufstieg mit dem FSV Frankfurt in die Zweite Liga zählt er zu seinen größten Erfolgen.
Jacques GoumaiAm Abend der Veranstaltung erfuhr Jacques Goumai, der bereits seit einem Jahr beim FC trainiert, und in dieser Zeit einem schier unendlichen Hick-Hack um seine Spielberechtigung ausgeliefert war, daß er nun auch offiziell gegen den Ball treten darf. Hau ihn rein, den Lumpen!
Kai DittmerNach all den Leuten, die aus anderen Ecken der Republik oder aus fernen Ländern zu uns gestoßen sind, kommen wir nun zu einigen "Hamburger Jungs", von denen wir als ersten Kai Dittmer vorstellen wollen. Mit Freuden vernahmen wir daß er lieber zum FC-St.-Pauli, als zu dem Verein gegangen ist, dessen Namen wir nicht... (s.o.).Da er bereits früh mit dem Kicken begonnen hat, begriff er sich weniger als Fan, sondern als Spieler. Er traut sich, wie er uns sagte, eine ganze Menge zu. Kein Wunder, waren seine wichtigsten Förderer Jens Duve, Dirk Zander und sein Bruder Lothar. Kai ist Trommler in einer Grunge-Kapelle und sucht ein Tonstudio, um ein Demo-Tape aufzunehmen. Wer was weiß, kann sich ja beim ÜS melden.
Thomas SeeligerNeben Marcus hat wohl Thomas Seeliger, die schillerndste Karriere unter allen neuen hinter sich. Sein größtes sportliches Erlebnis war die Teilnahme am DFB-Pokal-Finale 1995. Urlauben und Lesen (Lieblingsautor ist Philippe Djian, u. a. wegen der prickelnden Erotik in seinen Büchern) sind seine Lieblingsbeschäftigungen. Er sucht einen guten Kontakt zu den Fans und hat sich fest vorgenommen, einmal zum Klönen in den Pfennig zu kommen. Jedenfalls erklärten wir ihm den Weg in die Clemens-Schultz-Str. Ob er den dorthin Weg findet, werden wir ja sehen.
Marcus MArinMarcus Marin, der uns wegen seines Tores gegen uns im Relegationsspiel und seiner zehn Tore für uns in der Saison 93/94 im Gedächtnis geblieben ist, ist froh wieder hier zu sein. Sein Abgang damals hing mit der hohen Ablöseforderung Kaiserslauterns und nicht mit zu hohen Gehaltsforderungen seinerseits zusammen. Den wettenden Zockern unter Euch empfiehlt er unbesehen DM 100,- auf ihn als Torschützenkönig zu setzen.
Wir wünschen den neuen Spielern und der ganzen Mannschaft für die neue Saison alles Gute und uns allen tolle Spiele.
fen./Ra.

Copyright by Übersteiger

zurück Titelseite dieser Ausgabe weiter