Familienkrach

Es existiert seit langer Zeit das Klischee der großen Familie. Der Verein mit seinen MitgliederInnen, die Fans, die Profis, die Amateure. Alle bisherigen Mitgliederversammlungen wurden dem auch weitesgehend gerecht und sollte einmal Kritik laut werden, wurde darüber offen und ehrlich diskutiert. Konnte sich auf Anhieb keine Lösung finden, so wurde sich nach den Mitgliederversammlungen noch einmal mit den Betroffenen zusammengesetzt und eine Einigung erzielt oder Papa Heinz sprach ein Machtwort, mit dem alle mehr oder weniger zufrieden waren. Mensch konnte miteinander kommunizieren. Davon habe ich im Vorfeld und bei der Wahl des Aufsichtsrates auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 13. Juni 1997, nicht mehr viel gespürt.Doch zuerst ein Rückblick, zur Spielzeit 96/97 mußte auch unser FC St. Pauli seine Satzung, aufgrund von geänderten DFB-Rahmenbedingungen für Lizenzvereine, wie alle anderen Bundesligavereine, ebenfalls ändern. Dies sollte auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 16. Juni 1996 geschehen. Die vom Präsidium vorgeschlagene Minimallösung (Einrichtung eines Vorschlagsgremiums zur Wahl des Präsidiums), war einigen MitgliederInnen (später AGiM genannt) nicht weitgehend genug, und sie arbeiteten einen eigenen Entwurf aus (Einrichtung eines Verwaltungsrates).

Das Präsidium war damals in der Lage, im Vorwege, auf die AGiM zuzugehen und eine Kompromißlösung zu finden: Annahme der Minimallösung bei gleichzeitiger Einrichtung einer Arbeitsgruppe, die sich mit einer weitergehenden Satzungsänderung befaßt. Die Arbeitsgruppe wurde paritätisch mit je fünf Leuten besetzt und machte sich an die Arbeit. Das Resultat sollte dann auf der nächsten ordentlichen Mitgliederversammlung zur Wahl gestellt werden (s.ÜS 22). Heraus kam ein Satzungsentwurf, der zu fast 100 Prozent auf dem Vorschlag der AGiM beruhte. Das Vorschlagsgremium sollte wieder abgeschafft und ein Verwaltungsrat mit sieben MitgliederInnen eingerichtet werden. Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung würden dann die sieben Aufsichtspersonen gewählt werden. Die neue Satzung wurde einstimmig auf der Mitgliederversammlung am 7. Februar 1997 verabschiedet. (s.ÜS 25)

"Das ganze Leben ist ein Quiz, und wir sind nur die Kandidaten"

Die AGiM wollte sich nun nicht ihrer Verantwortung entziehen und stellte drei Kandidaten auf: Dr. Heinz Brauner, Wolfhard Schlapmann und Holger Scharf.

Vermutlich angetrieben von der "Wahlwerbung" für die (nicht von den) AGiM-Kandidaten im letzten Übersteiger, sah er (Weisener, d.S.) sich wohl genötigt, der Hamburger Presselandschaft mitzuteilen, von wem er und seine beiden Mitstreiter denn in Zukunft kontrolliert werden möchten. Es sollten auf keinen Fall die Leute von der AGiM sein und sollte der GAU (Größter anzunehmender Unfall) für ihn eintreten, müsse er sich überlegen, ob er sich weiterhin als Präsident zur Verfügung stellt. Von Uwe S. lernen, heißt siegen lernen, oder was ?!? Ich hätte es begrüßt, wenn Heinz Weisener auch dieses mal auf die AGiM zugegangen wäre, statt in der Presse seinen Unmut zu äußern. So traf mensch sich wiedermal im CCH, wo sich diesmal circa 350 Mitglieder- Innen versammelten, um beim Kandidatenlotto 7 aus 18 mitzumachen. Nach den üblichen Ritualen (Ehrungen etc.) wurde zum Kandidatenschaulaufen aufgerufen. Vorher zogen noch, zur Überraschung vieler, Dr. Heinz Brauner und Jens Duve aus persönlichen Gründen ihre Kandidatur zurück. Die übrigen 16 hatten nun Gelegenheit, sich kurz vorzustellen. Holger Scharf nutzte die Gelegenheit u.a. und reagierte auf die Angriffe von "Uns" Papa Heinz: Sein Stil, mit dem er versuche, seine Kandidaten durchzudrücken erinnere ihn an den HSV, das ist "Uwe Seeler light", und daß seine "Wahlwerbung" in der Presse mit seinen "Demokratieverständis" wenig zu tun hätte. So kam es dann wie es Heinz Weisener sich gewünscht hatte. Im ersten Wahlgang kamen gleich sechs seiner Kandidaten zum erhofften Verwaltungsratssitz. Das waren Hans Apel, Michael Böcken, Hans Grutschus, Wolfgang Helbing, Georg Kuhr und Günther Schlichting. Nur Jens Clauss schaffte es nicht auf Anhieb, erst im entscheidenden dritten Wahlgang konnte er sich gegenüber Holger Scharf mit 24 Stimmen Unterschied, durchsetzen. (Die übrigen Kandidaten hielten nach dem ersten bzw. zweiten Wahlgang, ihre Kandidatur nicht mehr aufrecht und zogen zurück, nur ein unbekannter Profilneurotiker trat neben den o.a. zum dritten Wahlgang an, und erhielt ganze fünf Stimmen).

Ich kann mich über Heinz Weisener´s Art und Vorgehensweise nur wundern, er hat der Gruppe von Leuten, die gezeigt haben das sie durchaus kompetent und konstruktiv "zum Wohle des Vereins" mitarbeiten können, einen vor den Latz geknallt. Er und sein Präsidium haben es nicht begriffen diese Chance, die sich ihnen bot, zu nutzen. Von wegen, "großer Familie", wenn jemand versucht mitzuhelfen und kritisch hinterfragt, ob die Entwicklung der "Familie" in der Zukunft, in die sogenannte "richtige Richtung" geht, wird sofort zu pädagogischen Zwangsmitteln gegriffen und der Knüppel herausgeholt. Es wird sich, spätestens Ende Oktober, zur nächsten ordentlichen Mitgliederversammlung zeigen, ob Heinz Weisener seine Integrationsfähigkeit nicht verloren hat.

-baddel-

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