Wie Phoenix aus der Asche

oder wie der "große Papa" der AGiM zu erheblichem Zuwachs verhalf

Die AGiM nach der Außerordentlichen Mitgliederversammlung

Wir schrieben das Jahr x in der Ära Papa Heinz, als es mal wieder einige aufmüpfige Menschen wagten, sich in die Tagespolitik ihres Stammvereins einzumischen. Ausführlich haben wir Euch in den letzten Monaten darüber aufgeklärt, mit welchen Zielen sich im Sommer 1996 die AGiM konstituierte, wie ihr Schaffen für großes Rascheln in der Hamburger Medienlandschaft sorgte und wie sie schließlich auf die Zielgerade, nämlich der Wahl ihrer Kandidaten in den Aufsichtsrat des FC St.Pauli, einschwenkte. Letzteres scheiterte bekanntlich (siehe hierzu auch den Artikel über die AOMV in diesem Heft und Uhb! Nr.21) und so stand das erste AGiM-Treffen nach der Wahl ganz im Zeichen des Wundenleckens und der Suche nach den Gründen des Scheiterns.

Großversammlung

Wir hatten viel erwartet, nur nicht, daß über 40 Leute zur ersten Sitzung kommen würden, doch dies war das Zeichen dafür, daß unsere Arbeit mit dem Scheitern bei der Wahl nicht endete, sondern erst begonnen hat. Die leicht aggressive Grundstimmung der Anwesenden bezog sich auf das Wirken des allmächtigen "Papa" vor der Wahl und hatte wohl auch dazu geführt, daß so viele Personen erschienen waren. Womit wir auch beim Thema des Abends waren: Wahlen beim FC St.Pauli.

Aufarbeitung

Was war geschehen? Wie konnte ein Jahr erfolgreiche Arbeit so enden? Zunächst stand u.a. zur Debatte, ob Holgers Art der Vorstellung bei der Versammlung zur Niederlage beigetragen hatte. Schließlich hatte er deutlich gesagt, was er von der Art und Weise hielt, mit der der Präsident im Vorfeld der Wahlen die AGiM diffamiert hatte. Dafür erntete er Pfiffe, vor allem von der Abnick-Fraktion, was kein Beinbruch ist, aber es muß auch konstatiert werden, daß Holgers Rede uns einige Stimmen gekostet hat. Trotzdem kamen wir zu dem Schluß, daß wir uns nicht verbiegen lassen und gar nicht erst anfangen, zu PoltikerInnen zu werden, die für eine Wahlstimme alles tun. Im Endeffekt waren es jedoch nicht diese Stimmen, die uns den Platz im Rat des Königs gekostet haben.

Die Gründe

1. Eigene Lethargie
Von dem Erfolg der letzten Wahlen (bei der Abstimmung zum Wahlausschuß im Sommer 1996 waren zwei Leute aus der AGiM und eine aus dem weiteren Umfeld souverän gewählt worden und auch die Abstimmung der von uns eingebrachten Satzungsänderung war glorreich [einstimmig]) geblendet, ging es eigentlich nicht mehr darum, ob, sondern nur, wieviele von uns gewählt werden würden. Auch der recht fadenscheinige Rückzug von Heinz Brauner und der aus privaten Gründen erfolgte von Tatjana ließ keinen Pessimismus aufkommen. Und tatsächlich waren 135 Stimmen, die Holger schließlich maximal erhielt, auch nicht die vom Präsidium später proklamierte Minderheit, sondern deutlich mehr als ein Drittel der anwesenden Personen. Doch hatten wir nicht damit gerechnet, daß mehr als 300 Personen anwesend sein würden und, was viel schwerer wiegt, wir hatten im Vorfeld der Wahlen nicht ausreichend mobilisiert. Und so waren am Tage der Wahl etliche Leute nicht anwesend, auf deren Stimmen wir hätten zählen können. Wir müssen uns einfach eingestehen, daß wir entweder zu faul waren, uns um unsere Stimmen zu kümmern oder aber zu optimistisch, um ein Scheitern einzukalkulieren. Dazu kommt natürlich auch, daß es immer noch sehr viele Leute gibt, die abends am Tresen das Maul aufreißen, aber im entscheidenen Moment "besseres" vorhaben. Und leider hat es immer noch ein erhebliches Potential an Leuten nicht gemerkt, daß wir im Verein nur etwas ändern können, wenn wir auch Mitglieder sind oder es werden, doch dazu später. Fazit dieser Diskussion war wie so oft in derartigen Dingen, daß wir akzeptieren müssen, daß nur mit sehr viel Aktivität von unserer Seite "die Katze (sprich der Fan) hinterm Ofen" hervorgeholt werden kann. 2. Blasphemie
Das fast schon unverschämte Verhalten des Präsidiums bzw. in persona Heinz Weiseners im Vorfeld der Wahlen war ein weiterer Schlüssel für die Niederlage. Ein Jahr lang hatten wir versucht, in einen regelmäßigen Dialog mit dem Präsidium zu treten. Und genauso lange wurden wir fast immer abgeblockt. Ein Jahr lang hatten wir betont, daß wir nicht gegen, sondern mit dem Präsidium arbeiten möchten. Und genauso lange wurden wir beleidigt und beschimpft. Den Höhepunkt lieferte dann der "weise König" persönlich (vgl. Seite 12/13), als er kurz vor der Wahl begann, die AGiM als destruktiven Haufen zu diffamieren, dessen einziges Ziel es sei, den Verein oder besser seinen Verein zu zerstören. Und die Presse fuhr völlig aufgegeilt darauf ab. Einzig Welt und TAZ bereicherten die Landschaft mit differenzierter Berichterstattung (Danke). Und so mußten wir trotz aller Kommunikationsversuche einsehen, daß in diesem Verein nur einer regiert und nur einer spricht und nur einer entscheidet etc. Widerspruch ist Blasphemie. Dafür kein Danke, denn wer meint, allein mit Drohungen ("dann zeichne ich keinen Strich mehr für das neue Stadion") regieren zu können, der schafft sich selbst den Ärger.

How to go on

Schlüsselfrage der ersten Versammlung war natürlich, wie es denn jetzt weitergehen soll. Die große Anzahl der Leute macht natürlich Mut und der Ärger der Anwesenden über das Verhalten unseres Sonnenkönigs muß einfach in produktive Arbeit kanalisiert werden. So beschlossen wir folgende zwei Dinge als Basis für die Zukunft:

1. Um regelmäßige Arbeit und Kontinuität zu gewährleisten, wird die AGiM sich in Zukunft öffentlich und zu einem festen Termin treffen. Dies soll immer der erste Dienstag im Monat sein, und zwar um 19.00 Uhr im Fan-Laden. Diese Termine sollen dann auch öffentlich bekannt gemacht werden.

2. Um aus der Niederlage direkt zu lernen, werden wir jetzt aktive Mitgliederwerbung betreiben. Es gibt ein erhebliches Potential an Leuten, die noch nicht Mitglied sind, aber gerne etwas bewegen möchten. Naheliegendes Ziel ist natürlich, über Versammlungsanträge, sowohl den Preis für die passive Mitgliedschaft zu senken als auch die Gegenleistungen zu erhöhen. Dies sind noch immer die Knackpunkte, die viele Menschen an einer Mitgliedschaft hindern.

3. Da wir leider auch immer noch das Gefühl haben, daß sich von präsidialer Seite nichts bezüglich der Amateure tut, haben wir den Kontakt zu Kurt Hesse gesucht und immerhin erfahren, daß sich durch die Person Eckart Krautzun schon vieles zum Positiven gewandelt hat. Darüberhinaus planen wir, in Eigeninitiative dafür zu sorgen, daß es wieder Dauerkarten für die Amateure gibt. Schließlich und endlich sind wir schuld am Abstieg der Amateure (laut H.Johannsen: "Diese AGiM hat bewiesen, daß sie nihct einmal bei den Amateuren etwa auf die Beine stellen kann. Trotz eines sagenhaft hohen Etats, stieg die Mannschaft uas der Regionalliga ab." Soviel zum Fachwissen des Weiseneranhangs. Die Entschuldigung bei Herrmann Klauck sollte folgen!).

Das soll fürs Erste reichen. Wir leben noch und fangen jetzt erst richtig an. Wir können nur alle interessierten auffordern:

Werdet Mitglied, auf daß die nächsten Wahlen im Zeichen der Fans und nicht eines Alleinherrschers stehen. Auch weiterhin wollen wir mit dem Vorstand und nicht gegen ihn arbeiten, aber solange wir als destruktiver Scheißhaufen gelten, muß der Vorstand damit leben, daß wir zurückschießen.

AGiM

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