150 Trulsen-Spiele für St.Pauli und
dazu Pommes gelb/rot

Anläßlich seines 150. Bundes-ligaspieles für St.Pauli gegen den HSV dachten wir, daß wir Andre gebührend würdigen sollten. Leider griff uns Richard Golz schon mit einem Geschenk vorweg, besser gesagt, er hat nicht mehr gegriffen (Uns Richie schenkt). Daß wir dieses nicht überbieten können ist uns klar, deshalb belassen wir es bei einem Interview. Da wir an der Person Trulsen nicht rummeckern oder ihn sonstwie outen können, beschränken wir uns auf seinen Karriereverlauf, statt wie sonst üblich sensationsgeil auf Insiderinfos zu lauern (Trulsen versicherte, daß Maslo trotz des Köln-Sieges bleibt...)

ÜS: Wie bist du zum Fußball gekommen?

AT: Aufgewachsen bin ich im Osdorfer-Born, meine Eltern wohnen immer noch da. Sie waren es auch, die mich mit sechs Jahren in den Verein gesteckt haben. Ich hab als kleiner Bub immer schon gerne gegen den Ball getreten. So habe ich dann angefangen, mein Hobby zum Beruf zu machen.

ÜS: Du hast dann den Verein verlassen und bist zum HEBC gegangen. Wie kam es dazu?

AT: Wir waren 5-6 ambitionierte Spieler, die nach einer Perspektive suchten, sprich A-Jugend Leistungsklasse spielen wollten. Da der Osdorfer-Born ein kleiner Verein ist und vergessen hatte, uns für diese Klasse anzumelden, verließen wir geschlossen den Verein.

ÜS: Die nächste Station war der SV Lurup...

AT: Zu meiner 1. Herren-Station bin ich auf die damalige Empfehlung meines A-Jugend Trainers des HEBC gekommen (Aha, Vitamin B; Anm. d. Tip). Dieser meinte, daß ich das Zeug hätte, Verbands- bzw. Oberliga zu spielen. Nachdem der Kontakt hergestellt war, wurde ich zu einem Probetraining eingeladen und schließlich als 20. Mann im Kader verpflichtet. Anfangs habe ich nur in der Reserverunde gespielt, doch nach einem halben Jahr, als ich die Wechselsperre abgesessen hatte (damals so üblich; Anm. d. Tip) ging es dann stetig bergauf. Ich wurde Stammspieler und habe dann drei Jahre für Lurup gespielt.

ÜS: Auch da schon auf der Position des Manndeckers...?

AT: Ja eigentlich schon, doch im ersten Spiel kam ich in der 75. Min. gegen Concordia, das weiß ich heute noch, beim Stande von 2:1 als Stürmer rein und habe das entscheidende 2:2 gemacht. Dieses war ein Schlüsselerlebnis, doch danach spielte ich wieder auf der Verteidigerposition.

ÜS: Dann endlich folgte der Wechsel zu unserem FC St. Pauli?

AT: Ja, gekommen bin ich mit Willi Reimann (wohl nich wörtlich gemeint; Anm. d. Tip). Da zu dem Zeitpunkt schon die Aufstiegsspiele zur 2. Bundesliga beendet und viele der Neueinkäufe schon getätigt waren, bin ich auch hier zuerst der 20. Mann gewesen. Der Kontakt kam damals ähnlich zu Stande, wie bei meinem Wechsel zu Lurup. Hier gelandet zu sein, war für mich das Größte.

ÜS: Wärst du auch zu einem anderen höherklassigen Verein aus Hamburg gegangen?

AT: Ich hatte damals aufgrund des Abstiegs von Lurup schon bei Altona zugesagt, mir jedoch die Möglichkeit vorbehalten, Profi zu werden.

ÜS: Also wärst du auch zu den HSV-Amateuren gegangen?

AT: Es hat ein Gespräch gegeben, doch schon damals war das da....

ÜS: ...ein Scheiß-Verein?

AT: (lachend) Die haben mich damals schon eher als Ware denn als Mensch behandelt und wollten einen schon fast zum Wechseln zwingen bzw. waren knallharte Verhandlungspartner. Zu dem Gespräch bin ich wegen einer Bundeswehrangelegenheit eine halbe Stunde zu spät erschienen. Daraufhin waren sie stinkig, haben meine Eltern (!) angerufen und angemacht. Das war für mich unter aller Sau.

ÜS: Also doch ein scheiß Verein?

AT: Unter diesen Umständen ja... (sorry, das konnten wir nicht verschweigen; Anm. d. Tip)

ÜS: Wie hast du den Aufstieg 1988 erlebt? Das muß doch für dich mit das Größte gewesen sein.

AT: Ja, das war es auch. Auch das Ganze drumherum war sensationell: Die Stimmung, die Szenen am Flughafen als wir vom entschei-denen Spiel aus Ulm wiederkamen und die Leute, die die Rollbahn gestürmt haben oder die anschließende Fahrt im Autokorso über den Kiez bis zum Rothenbaum werde ich wohl nie vergessen.

ÜS: 1991 dann der Abschied von St. Pauli und der Wechsel zu Köln, wo du unter den sechs Trainern mehr oder weniger zum Einsatz gekommen bist. Wie war die Zeit für dich dort?

AT: Ich wurde durch meine Verletzungen weit zurückgeworfen, das mit den Trainern kam dann noch dazu. Obwohl ich mit Spielerpersönlichkeiten wie Illgner und Littbarski zusammenspielen konnte, habe ich da nie so richtig Fuß gefaßt. Sportlich lief es zu diesem Zeitpunkt auch für Köln nicht besonders gut, so daß ich als neuer Spieler von vornherein Schwierigkeiten hatte. Die vielen Trainerwechsel und die Presse trugen dann auch noch zur schlechten Situation innerhalb der Mannschaft bei. So kam dann alles zusammen.

ÜS: Wer von den sechs Trainern hat dir persönlich denn am Besten gefallen (u.a. Rutemöller Lattek, Berger oder Olsen)?

AT: Ich muß sagen, daß eigentlich Berger noch der fairste von allen war (ist der im Moment nicht gerade zu haben? Anm. d. Tip).

ÜS: Du wolltest doch während deiner Zeit in Köln schon einmal zurück zu St. Pauli. Warum ist der Wechsel dann gescheitert?

AT: Stimmt, ich wollte von Köln weg und eigentlich waren alle Formalitäten mit Weisener geklärt. Ich hab' dann noch mit Wähling gesprochen, doch dieser hatte anscheinend eine Abneigung dagegen, daß alte Spieler zurückkommen. Er hat mich dann hingehalten und ich habe mich trotzdem um einen Wechsel bemüht. Wähling sagte mir immer, er würde keinen Entscheidungsträger erreichen und Köln versicherte, sie haben danach keinen Anruf erhalten. Ich denke, wenn man etwas erreichen will, dann schafft man es auch. Wähling blockte aber nach drei Wochen bei dem ersten Gespräch beider Vereine gleich ab. Da war die Enttäuschung natürlich groß bei mir. Da auch Köln mir kein weiteres Angebot machen wollte, war ich kurze Zeit später für die Amateure spielberechtigt. So kam ich dann wieder zum SV Lurup.

ÜS: Abstieg in die Oberliga, drohender Abstieg in die Bedeutungslosigkeit. Warst du an diesem Punkt kurz vor der Aufgabe?

AT: Die Hoffnung, Profi zu bleiben und eventuell zu St. Pauli zurückzugehen, habe ich nie aufgegeben. Seppo Eichkorn war dann derjenige, der den Kontakt erneut aufnahm und den nötigen Druck beim FC machte, als die Situation für mich akut wurde (Abstieg von Lurup; Anm. d. Tip). Ihm ist es auch letztlich zu verdanken, daß der Wechsel zu Stande kam. Man muß aber auch Köln ein dickes Lob aussprechen, daß der Verein auf eine große Ablösesumme verzichtet hat.

ÜS: Kurz nach deiner Rückkehr wurde Seppo dann entlassen und Uli Maslo geholt. Du solltest daraufhin angeblich mit dem Gedanken gespielt haben, deinen Vertrag aufzulösen?

AT: Ja, das ist richtig. Der Trainer hatte mich anfangs nicht auf dem Zettel, obwohl ich bereit war, Verantwortung zu übernehmen. Das lief dann so, daß bei den Freundschaftspielen gegen Kaiserslautern und Everton der Vierte und der Fünfte eingewechselt wurde, und Trulsen saß immer noch auf der Bank. Das wollte ich dann so nicht hinnehmen, zumal ich im Training immer Einsatz gezeigt hatte. Ich weiß nicht, welche Eingebung er dann hatte, aber ich durfte dann spielen (etwa nach dem Scheitern der Vierer-Abwehr-Kette? Anm. d. Tip)

ÜS: Comeback und Wiederaufstieg. War das der Höhepunkt deiner Karierre und hast du daran noch geglaubt?

AT: Gehofft habe ich es natürlich und nachdem die erste Saison schon gut lief, war es auch unser Ziel wiederaufzusteigen, zumal wir eine intakte Mannschaft hatten.

ÜS: Welcher von beiden Aufstiegen war für Dich der schönere?

AT: Eigentlich waren beide gleichbedeutend und jeder auf seine Art und Weise schön. Es waren mit Sicherheit die Höhepunkte meiner Karriere.

ÜS: Wie siehst du die Unterschiede zwischen St. Pauli damals und heute?

AT: Früher spielten mehr Hamburger im Verein als heute. Nichts gegen Spieler von außerhalb, nein, aber wir waren früher einfach mehr Hamburger. Sicherlich gab es auch damals schon Grüppchenbildung, aber der Zusammenhalt war halt irgendwie anders, was nicht unbedingt heißen muß, daß der jetzige schlechter ist. Wir haben eben mehr zusammen unternommen..

ÜS: Wie stehst du zu den Vertragsquerelen bei St. Pauli?

AT: Meiner Meinung nach müßte jeder Spieler wissen, wie die finanzielle Situation des Vereins aussieht. Wer wirklich bleiben will, findet sicherlich einen Kompromiß. Ich möchte aber auch nicht die Spieler verurteilen, die die Möglichkeit nutzen, bei anderen Vereinen mehr zu verdienen. Einige Vereine können es sich leisten, wir eben nicht.

ÜS: Wie stehst du zu deiner früheren Aussage, daß du dir ein neues Stadion als eine reine Fußballarena ohne Fremdveranstaltungen vorgestellt hast?

AT: Ich befürworte auf jeden Fall das geplante Stadion und den Erhalt der Stehplätze. Anscheinend ist auch der Versuch unternommen worden, was die Fremdnutzung angeht, mit den Anwohnern einen Kompromiß zu finden. Insofern sehe ich dem Ganzen heute positiver entgegen. Es scheint, als seien solche Veranstaltungen von wirtschaftlicher Notwendigkeit, aber das kann ich nicht alles überblicken. Zumindest wäre es schön, alle Heimpsiele auch wirklich zu Hause auszutragen...

ÜS: und nicht mehr in die Schüssel zu müssen und den HSV hier wegzuhauen...

AT: ...das wäre das Schönste überhaupt.

ÜS: Diese Vorstellung ist einfach zu schön und ihr bleibt nichts mehr hinzuzufügen, deshalb kommt jetzt die Zusammenfassung von Andres Zukunftsabsichten, die normalerweise im Interview enthalten wäre.

Die Ausbildung zum Bürokaufmann soll nicht der alleinige Bestandteil seiner Zukunft werden. Er möchte sie zwar nutzen, um sein angestrebtes Ziel, die Eröffnung eines Sportfachgeschäftes, in baldiger Zeit zu verwirklichen. Er wäre aber auch einer Laufbahn als Jugendtrainer bei unserem FC nicht abgeneigt, jedoch "sollte man sich diesen Posten durch Verdienste erarbeitet haben, wie es Jürgen Gronau getan hat".

Auf die abschließende Frage nach seinem schönsten "Randerlebnis" bei St. Pauli, antwortete er, daß ihm ein Fan bei seinem Abschied ein Stück Grassode überreicht hat und daß er diese Geste bis heute nicht vergessen habe.

Vergessen werden wir dieses nette Interview sicherlich auch nicht, da wir uns mit einem absolut sympathischem Spieler unterhalten durften, dem wir auf diesem Wege alles Gute für seine weitere Zukunft wünschen.

Av + MiG

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