FRIEDE DEN HÜTTEN, KRIEG DEN PALÄSTEN!

NEUES STADION NICHT ZU ALLEN BEDINGUNGEN

Nein, eine Hütte ist das derzeitige Wilhelm-Koch-Stadion mitnichten. Und ein Palast wird die neue Arena auch nicht werden. Aber die Symbolik zählt! Ausnahmsweise ist einmal nicht der Weg das Ziel, sondern das Ziel das obskure Objekt der Begierde. Ein modernes 35.000 Zuschauer fassendes Stadion soll das alte baufällige knapp 21.000 Besucher große Millerntor-Stadion ersetzen. Finde ich, nachdem ich auch grob die Pläne und Planungen kenne, sehr gut. Allein schon deshalb, weil es einen innovativen Kontrapunkt gegen die von Gigantismus geprägte zukünftige Arena im Volkspark setzt. Und ich verstehe den Stadionneubau auf dem Heiligengeistfeld durchaus auch als Verein, ein "Veranstaltungszentrum" in einem ohnehin schon überlasteten Stadtteil zu etablieren, ohne daß die Anwohner merkliche Nachteile hierdurch erfahren.

Ein Konzept schwebt mir vor, daß sowohl meine Interessen als Fan und Vereinsmitglied als auch jene für mich als Anwohner (Schanzenstraße) berücksichtigt.

Aber bislang sind mir doch noch allzuviele Dinge suspekt. So ist mir bis heute leider nicht schlüssig erläutert worden, wie denn eigentlich eine "intelligente" Verkehrslenkung für die angrenzenden Quartiere aussehen soll. Alle Äußerungen diesbezüglich-auch auf der Anwohnerversammlung im "Tivoli"-blieben merkwürdig nebulös. Mehr als Absichtserklärungen habe ich nicht herausgehört. Und beim allerbesten Willen der Vereins-Verantwortlichen - und was sich Herr Schüttekopf als verantwortlicher Verkehrsplaner äußerte, hatte durchaus Hand und Fuß-ist der FC doch noch vom Wohlwollen der Stadt Hamburg abhängig. Ohne die kann es keine vernünftige und verantwortbare Verkehrsplanung in unserem Viertel geben. Und hier muß ich leider aus meinem Erfahrungsschatz schöpfen. Und der sagt mir unmißverständlich, daß es in den letzten Jahren zwar immer wieder Versuche der AnwohnerInnen gab, eine viertel-kompatible Verkehrslenkung (Dom, Messe, Fußball etc.) hinzubekommen, doch tendierte die Resonanz der Politik meist gegen Null. Mag sein, daß Herr Weisener hier nun Bäume ausreissen kann, doch ist die Wahrscheinlichkeit dafür sehr gering. Meine negative Version ist deshalb eher ein noch weiter zugeparktes Schanzen- und Karo-Viertel.

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Zur Problematik "zusätzliche Lärmbelastung" gab es sogar lachhafte Einlassungen. Der Verkehrslärm würde, weil dieser ja insgesamt abnehmen wird - niemand konnte mir während der Tivoli-Veranstaltung erklären, wie denn dies passieren soll - zurückgehen, und deshalb sei das neue Stadion sogar ein Verkehrslärm-Minderungsprojekt (wurde so nicht gesagt, aber gemeint). Und die Lärmemissionen, die durch die zusätzlichen Veranstaltungen entstehen, seien, weil diese, lt. Messungen, doch ohnehin geringer seien als bspw. der Verkehrslärm, der auf der Budapester entsteht, zu vernachlässigen. Daß dies jedoch zusätzliche Lärmbelastungen sind, das wurde geflissentlich nicht erwähnt. Und ich hoffe, wirklich niemand wird mir erzählen wollen, ein lautes Rock-Konzert würde emissions-technisch nur in den Himmel schallen. Diese Vorstellung ist doch absurd! Selbstverständlich wird der Schall auch diffundieren und somit auch die Stadion-Anwohner mit kostenloser Mucke versorgen. Aber dies ist ja auch gar nicht so entscheidend. Schließlich leben die Betroffenen ja nicht in Pinneberg, sondern mitten in Hamburg. Und ich finde, daß ein Konzert pro Monat - bei allem Lärm - zumutbar ist. Vielleicht kann es ja eine Lösung geben, die den direkt Betroffenen eine Freikarte für's Konzert gewährleistet. Der permanente Verkehrslärm allerdings ist ein echtes Problem (s.o.).

Da die Sporthalle der angrenzenden Schule - begründet im Ausbau des Stadions - von einer Einfeld- zu einer Dreifeldhalle erweitert werden soll, muß natürlich die Frage erlaubt sein, ob nicht allein hierdurch (Bezirks-Sporthalle?!) massiv zusätzlich neuer Zielverkehr erzeugt wird, der dem Schanzenviertel neue Parksünder beschert. Oder dient die Hallen-Erweiterung allein dem Bedarf der benachbarten Quartiere? Ich harre der Aufklärung.

Offen bleiben auch die Fragen nach zukünftigeren Eintrittspreisen (wird's teurer?), den Zäunen (kommen die endlich weg?), der kulinarischen Versorgung (alkfreies Bier?) und nicht zuletzt dem Verbleib der Fußball-Mannschaft der St. Pauli-Amateure, die nun seit quälend langer Zeit den Status von Heimatlosen als ihr Kreuz tragen.

Wesentlich entscheidend und ausschlaggebend für meine persönliche Meinung zum neuen Stadion ist allerdings die Frage, wie denn eigentlich das neue Stadion finanziert werden soll. Sollte es tatsächlich so sein, wie Auguren es mir zugetragen haben, daß der Preis der neuen Arena der Verzicht des Vereins auf seine Vermarktungsrechte bedeuten würde, so hat dieser Verein ein Problem, nämlich mich. Denn wer sein direktes Vereinskapital verscheuert, hat nicht nur nichts gelernt, sondern handelt grob fahrlässig, und dies gegen die Interessen des Clubs.

ro.

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