| beschäftigten sicherlich nicht nur die Redaktion in den letzten Wochen zum geplanten Stadionneubau. So trafen wir uns ein paar Tage nach der Anwohner-Diskussion im Schmidt´s Tivoli mit dem Architekten Reinhard Kock, um vielleicht doch noch die eine oder andere Frage zu klären. So recht zufrieden können wir mit den Antworten nicht sein; z.B. die nebulöse Finanzierung, zu der sich noch immer keiner konkret äußern mag. Nichtsdestotrotz sollte mensch den weiteren Verlauf bzw. die weitere Planung kritisch im Auge behalten. Zu den Themen Verkehr und Lärm, die hauptsächlich Diskussionspunkte auf der Anwohner-Veranstaltung waren, soll hier nicht noch einmal eingegangen werden, s. dazu auch weitere Artikel zum Thema in dieser Ausgabe. An dieser Stelle wollen wir noch auf einen "Runden Tisch" zum Thema Verkehr hinweisen, der im Mai stattfinden soll. Genaueres bitte der Tagespresse entnehmen. | |
| Wie sieht es mit der Finanzierung des neuen Stadions aus? | |
| Es gibt natürlich Interessenten für unser Projekt. Neben potentiellen Kandidaten (für die Betreibergesellschaft d.T.), die bei uns investieren möchten, zögert der eine oder andere noch mit seiner Zusage, weil er sich sonst in seinen Chancen bei der wesentlich teurerenVolkspark-Arena beeinträchtigt fühlt. Gleichwohl sind positive Tendenzen von technisch innovativen Unternehmen zu erkennen, sich bei uns zu beteiligen. Im Moment kalkulieren wir zweigleisig (1. und 2. Liga). | |
| Gibt es die Möglichkeit, Zuschüsse oder andere Entlastungen von der Stadt zu bekommen? | |
| Versucht mal einem nackten Mann in die Tasche zu greifen. Natürlich gehen wir davon aus, daß die Stadt den Gleichbehandlungsgrundsatz walten läßt, und es würde auch nicht gut aussehen, wenn sie den einen Verein bevorzugt und den anderen benachteiligt. Beide sind wichtig, sowohl in wirtschaftlicher als auch in sozialer Hinsicht. Es sind bereits Signale von der Stadt schon zu uns vorgedrungen, uns zu unterstützen, z.B. der zweite U-Bahn Ausgang St. Pauli. Die Stadt ist bestrebt, den Verein nach ihren Möglichkeiten zu unterstützen. | |
| Wer wird die Betreibergesellschaft kontrollieren und in welcher Form wird dort der Verein daran beteiligt sein? | |
| Dieses Modell ist noch nicht ausgegoren, es wird momentan ganz detailliert bearbeitet. Deshalb kann ich nur Folgendes dazu sagen: Speziell im Fall der zweiten Liga braucht der Verein selbstverständlich Investoren, die nicht nur in guten Zeiten dabei sind. Man kann Investoren nicht nur beim Risiko beteiligen, sondern muß sie an einem eventuellen Gewinn partizipieren lassen. Da muß ein ausgewogenes Verhältnis geschaffen werden. Heinz Weisener ist der Garant dafür, daß bei einer möglichen Betreibergesellschaft der Verein mit Sicherheit vernünftig berücksichtigt wird. Das wird dann auch ein Thema für den Aufsichtsrat sein, der dann die Interessen des Vereins wahren muß, aber davon geh' ich mal aus. Letztendlich sind die Unternehmen oder die Betreiber, die sich da mit involvieren, nicht Unternehmen, die reinen Profit daraus schlagen wollen. Natürlich spielt die wirtschaftliche Komponente für potentielle Investoren auch eine Rolle, aber sie sollten sich schon mehr oder weniger auch mit den Herzen engagieren. Dafür gibt es diverse Beispiele, auch über einen längeren Zeitraum. | |
| Kann sich z.B. eine Stadtteilinitiative an der Betreibergesellschaft beteiligen? | |
| Der Verein ist dabei, kreative Gedanken zu entwickeln, bezüglich solch´ einer Finanzierung. Wünschenswert wäre es, daß der FC St.Pauli die Majorität an der Betreibergesellschaft bilden würde. Im Moment ist da natürlich der Wunsch der Vater (kein Papa Heinz? d.T.) des Gedankens. Je weniger Fremdfinanzierung von Nöten ist, um so besser wäre das für den Verein. Wir sind da offen für kreative Gedankenspiele von Fans, Stadtteilinitativen etc., die dann auch umsetzbar sind. Ähnlich der Gestaltung der Deichtorhallen (bei welcher einzelne Personen einzelne Kacheln "kaufen" bzw. vielmehr gegen Entgelt gestalten konnten, d.T.) wäre es z.B. vorstellbar, daß Plätze im Stadion von Einzelpersonen oder Gemeinschaften (oder welche Personen und/oder Personengruppen auch immer) "finanziert" und damit für immer "gesichert" werden. Es würde sich auch für Stadtteilinitiativen die Möglichkeit ergeben, innerhalb des Stadionkomplexes, Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt zu bekommen. Wir sind für jede Art der Darstellung, wenn sie auch im ersten Moment noch so abwegig ist, dankbar, die es uns ermöglicht, uns den Anteil des FC St.Pauli gegenüber eines Betreibers stärker darzustellen. | |
| In welcher Form wird die Betreibergesellschaft entstehen? | |
| Die Betreibergesellschaft bildet praktisch den Bürgen für eine Bank, um die Finanzierung zu sichern. | |
| Sind Vergünstigungen für Anwohner, wenn sie das Stadion oder darin befindliche Räumlichkeiten mieten wollen, vorgesehen? | |
| Wir bauen dort ein Stadion für unseren Verein, von dem auch der Stadtteil profitieren soll, z.B. durch Sonderkonditionen. | |
| Gibt es Auflagen von der Stadt und existiert neben den Vorbescheid auch schon die Baugenehmigung? | |
| Wir sind noch bei den Instrumentarien Baudezernent, Oberbaudirektor, Stadtplanung mit der bekannten Aussage(?) - steht der Stadtteil dahinter ?- dann geht die Stadt voran. Wir haben aus dem Stadtteil bislang keine negative Kritik erhalten. Kritische Fragen gibt es sicher, aber die kardinale Aussage, und das wurde uns durch diverse Aussagen bestätigt, daß die Stimmung dem Stadion gegenüber grundsätzlich positiv ist. Es gibt keine ernsthaften Gegenstimmen. Das hat uns ermutigt, jetzt auch schnell den Bauantrag bis zu den Sommerferien einzureichen, mit dem ernsten Ziel, Anfang bis Mitte November mit dem Bau zu beginnen. | |
| Wie umweltverträglich wird das neue Stadion? | |
Zuerst besteht die Möglichkeit, unsere alte Tribüne und die Flutlichtanlage zu verkaufen. Wir sind da im Gespräch mit den Blue Devils, sozusagen diese der Zweitverwertung zuzuführen. Was wir weiterhin vorhaben ist ggf. mit der HEW, Sonnenkollektoren mit in die Fassaden zu integrieren. Dabei hatte uns die HEW die Bereitschaft signalisiert, den Strom für sich zu nutzen, aber dafür die Investitionskosten für die Fassade zu übernehmen. Wir hätten sonst ein vergleichbares Material zu besorgen und das hätte auch Geld gekostet, da ist so ne' Art symbiotische Beziehung, der eine kann aus der Fassadenfläche Strom gewinnen, der andere (also die Betreibergesellschaft) erhält im Gegenzug seine Fassade dafür. Diesbezüglich entwickeln wir ein Konzept. Das ganze Gelände ist im Moment asphaltiert, sozusagen versiegelt für den Grünplaner. Wir entsiegeln die Fläche, und nehmen praktisch den ganzen Asphalt herunter. Wir schaffen damit einen besseren Biotopflächenfaktor. Natürlich sind wir noch bei verschiedenen anderen Dingen dabei, ökologische Gedanken zu verfolgen. Beim Mehrweggeschirr ist der Wasseraufwand, der Sekundär-Kreislauf und die Stromerzeugung für die hygienische Reinigung im Aufwand höher als beim Einweggeschirr. Wir wollen das Regenwasser nutzen, alles in wirtschaftlicher Form, aber nicht da, wo es keinen Sinn macht und die ökologische Komponente ins Hintertreffen gerät. Da ist im Moment noch eine zu hohe Diskrepanz zwischen Energie- sowie Wasserverbrauch bei Pfandbechern und Einweggeschirr. Wo es ökologisch nicht von Wert ist, machen nur alibi-mäßig plakative Äußerungen gar keinen Sinn, weil man sich da selbst belügen würde. Wir haben schon ein Tiefbewässerungsbrunnen gebohrt. Da haben uns Leute anfangs ausgelacht, weil die Investitionskosten nicht gering waren, aber der Brunnen hatte sich schon nach drei Jahren amortisiert, und spart uns jährlich DM 20.000,- bis DM 30.000,- an Wasserkosten ein. Dieser Tiefbrunnen, der uns das Wasser direkt aus der Erde bringt, erspart uns kostbaren Trinkwasserverbrauch. | |
| Kommen wir nun zum Stadion selbst. Wie wird die Aufteilung Steh-/Sitzplätze sein? | |
| Insgesamt kann gesagt werden, daß der obere Rang aus ca. 15.000 Sitzplätzen bestehen wird, im Unterrang wird die Haupttribüne auch mit Sitzplätzen ausgestattet werden. Die Sitzplatzbesucher subventionieren ja auch die Stehplätze, ein höheres Sitzplatzkontigent bringt natürlich auch mehr Geld. Die ca. 19.000 Stehplätze sind auf drei Seiten im unteren Rang geplant. (Das sind 4000 Stehplätze mehr! Mehr! d.T.). Aber auch die Kurven bzw. Tribünen werden getauscht. Zum einen werden die Gästefans in Zukunft in der Nordkurve stehen, damit sie aus sicherheitstechnischen Gründen schneller zur U-Bahn Feldstraße abgeleitet werden können (und nicht unkontrolliert über den Kiez laufen, d.T.). Die Haupttribüne wird zum Heiligengeistfeld verlagert, entsprechend ist das günstiger für diverse Medien- und Rettungsfahrzeuge. Die Gegengerade zieht entsprechend um auf die Seite des Wirtschaftsgymnasiums. Die Sicht soll für alle Besucher erheblich verbessert werden, das heißt, die Stehplätze aber auch die Sitzplätze werden steiler gebaut. Alle Plätze sollen überdacht sein. Die Stehplätze wiederum sollen für Fremdveranstaltungen umrüstbar sein (wie das genau aussieht, stand noch nicht fest; es folgte eine kurze Demonstration mit zwei herumstehenden Modellen, wobei es die Variante "Münchener Olympiastadion" nicht geben soll) | |
| Wie wird es im neue Innenraum aussehen? Wo stehen die Trainerbänke? | |
| Die Trainerbänke müssen vor der Haupttribüne leicht versenkt werden, wobei wir die ersten Reihen sowieso etwas erhöht haben. | |
| Gibt es mehr Rollstuhlplätze? | |
| Auch für Behinderte werden genügend Plätze vorhanden sein. Wir haben besonders auf leichte Anfahrtswege etc. geachtet. Die Sitzplätze für die Betreuer der Rollstuhlfahrer müssen direkt hinter diesen angesiedelt werden. Auch an die Kinder haben wir gedacht, die hinter dem Zaun stehen. | |
| Können Zäune abgebaut werden? | |
| Auch schon allein die Kostenersparnis ist ein Grund gegen Zäune, aber daß das im Moment noch nicht machbar ist, beweist leider noch das ein oder andere schlechte Beispiel. Jedenfalls wären wir fähig und bereit, ein Pilotprojekt zu versuchen, mit dem Ergebnis, daß man sich die ganze Zaun-Arie spart. | |
| Was wird mit den Auf- und Abgängen? Die Lage ist z.Zt. katastrophal. | |
| Im Moment gibt es keine Auf- und Abgänge, selbst wenn sie farblich gekennzeichnet sind. Das ist nachher nicht mehr vorstellbar. Es gibt da genaue Sicherheitsbestimmungen (Wellenbrecher etc.), da richten wir uns nach den letzten Bestimmungen der UEFA und FIFA. Es ist bisher kaum möglich, sich etwas zu trinken oder zu essen zu besorgen ohne hundert Leute zu belästigen. Man hat keine Chance, in einem angemessenen Zeitraum sich ein Bier und/oder ein Würstchen zu holen, weil der Weg verstopft ist und dann noch hinzukommt, daß bedingt durch zu wenige Verkaufsstände die Schlangen dort zu lang sind. Deshalb versprechen wir uns auch durch Verbesserung der Auf-und Abgänge sowie mehrerer Verkaufsstellen, Mehreinnahmen aus dem Bereich der Gastronomie. Das gehört auch letztendlich zur Lebensfähigkeit des Vereins. | |
| Wie fanverträglich wird die Gastronomie? | |
Wir wissen sehr wohl, in welchem Stadtteil wir uns befinden und auch für wen wir die Gastronomie gestalten. Für uns sind alle VIP's, so gibt es einige, die wollen bequem stehen und die anderen bequem sitzen. Die Gastronomie an der Haupttribüne, da werden keine Barrieren geschaffen wie kleine aneinandergereihte Kaninchen- oder Hühnchenställe. Das soll den Leuten als kommunikativer Ort dienen. An den Haupttribünen soll ein Besucher/Sponsor, der ein paar Mark mehr áuf den Tisch legen möchte, gepflegt essen und trinken, aber trotzdem kommunizieren können, Toleranz geht eben in alle Richtungen. | |
| Wie gestaltet sich die neue Überwachungstechnik? | |
| Wie ist die Intension dieser Frage? | |
| Zum Beispiel in Bremen, da kommt man sich wie in George Orwell's "1984" vor. Bis jetzt ist es bei uns so, daß die Polizei über dem Stadiontor in ihren Käfig oder unten vor der Gästekurve mal ne' Kamera dabei hatte. | |
| Vollkommen klar. Wir wollen keine übermäßige Kontrolle. Eines muß man aber sehen, die UEFA und die FIFA fordern natürlich Videoüberwachung, bei uns ist es z.Zt. gar nicht möglich, die Richtlinien zu befolgen, das ist auch nicht unser Ansinnen. So eine Videoüberwachungsanlage kostet viel Geld. Am liebsten wäre es uns, wenn es eine Disziplinierung innerhalb des Publikums geben würde. Die Mindestanforderung, die von der UEFA und FIFA gestellt werden, müssen erfüllt werden, sonst bekommt das Stadion keine Zulassung. Im Grunde genommen ist der DFB ziemlich friedlich bei uns. Sie gestatten uns überhaupt noch das Stadion, wie es sich dort präsentiert. Im Prinzip sind manche Dinge vom Grundsatz her, aus sicherheitstechnischen Gründen, gar nicht mehr vertretbar, aber aufgrund der großen Disziplin im Millerntor macht der DFB eine Ausnahme. Denn die Fans lassen sich nicht so leicht provozieren, und sie lassen ihre Emotionen in intelligenter Art ab, anstatt in irgendwelchen aggressiven Äußerungen. Es ist eine andere Art, wie unzufriedene St. Paulianer bzw. Fans sich äußern. Sie machen das nicht in Form von Gewalt, sondern intellektuell anspruchsvoll. | |
| Wie sieht der restliche Grundriss aus, bezüglich Bierstände etc.? | |
| Wünschen nach Räumlichkeiten, Bierständen, Kindertagesstätte (Unterbringung auch während der Spiele z.B.), Stadtteilinitiativen, die Räume o.ä. benötigen uvm. stehen wir nach wie vor offen gegenüber, wenn es denn dafür konstruktive Vorschläge gibt. Wir sind da sehr empfänglich für alle kreativen Einfälle, Vorschläge bitte an das Büro Weisener. | |
| Werden unsere Amateure das neue Stadion auch nutzen? | |
| Die Priorität haben die Profis. Die Amateure sind der Unterbau der Profis. Vielmehr soll der Amateurbereich ausgebaut werden, um als Unterbau gegen die wirtschaftliche Potenz der anderen Vereine zu setzen. | |
| Könnte es die Möglichkeit geben, daß die Amateure aufgrund einer Fremdveranstaltung ausweichen müßten? | |
| Der Punkt ist der, das man versuchen muß, die Veranstaltungen vernünftig aufeinander abzustimmen. Wenn aber ein Amateurspiel gegenüber einer anderen Veranstaltung ins Hintertreffen gerät, weil die andere Veranstaltung DM 250.000,- Ertrag bringt und das Amateurspiel nicht ansatzweise diesen Betrag einspielt, muß man schon bei dem einen oder anderen Spiel nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten entscheiden. Das soll nicht die Regel sein. | |
| Das heißt, die Amateure werden wieder herumziehen? | |
| Nein, die Amateure werden keine Mannschaft sein, die hin- und hergestossen wird. Sie bekommen irgendwo (aha, d.T.) auch primär eine Heimat. Zuckerveranstaltungen wie Spitzenspiele (in der Oberliga???, d.T.) sollen nach wie vor, im Rahmen der Möglichkeiten, im Stadion stattfinden. | |
| Wir danken Dir für das Gespräch. | |
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