Die Fragen aller Fragen

Konkrete Verzweiflung

The Meaning
of fanzines!?

Why are we here, what are our words all about
Is the UEFA really real or is there some doubt
Well today we're going to sort it all out
for today it's meaning of fanzines

Is football just a game where others make up the rules
while we are searching for something to say
or are we just some stupid idiots
or self-replicating terrace-clowns

In this work, what is our fate
is there standing or sitting, will fans find the right gate
is the fan evolving or is it too late
well today it's the meaning of fanzines

for years now supporting is a sad vale of tears
shouting with no one listen to us
while functionaries say we're just
some stupid idiots or
self-replicating terrace-clowns

So just why, why are we doing this
what is the sense
well this issue, for a change
it will all be made clear
for this is the meaning of fanzines

Ein halbes Jahr nun hat es gedauert mit dem Gärungsprozeß und erst dieses Lied von Eric Idle hatte ganz plötzlich ein auslösendes Moment. Man hätte es eigentlich so stehen lassen können, indem man ein paar Fragezeichen mehr eingebaut hätte und dann, aller Voraussicht nach sehr lange und vergeblich, gewartet hätte, daß ein aufmerksamer und gescheiter Leser die Frage nach dem Sinn unseres Tun beantwortet hätte. Wahrlich, nicht nur ich hätte mich gefreut, wenn ein Außenstehender über all das Lob, welches wir ernten, hinaus einmal präzise gesagt hätte: Ohne Euch (und damit meine ich alle relevanten Fanzines der letzten 8 Jahre) hätte ich mir darüber nie Gedanken gemacht.

Natürlich gibt es die aufgeklärte Leserschaft, und die interessierten Fans und der Dialog mit ihnen macht auch Freude, aber sind wir denn angetreten, um im Endeffekt mit seit Jahren größtenteils denselben LeserInnen über dieselben Dinge zu lamentieren. Haben wir (in diesem Fall heißt wir "Der Übersteiger") jetzt bald 80.000 Hefte in 3,5 Jahren veröffentlicht und all die anderen Zines etliche hunderttausend darüber hinaus, um immer wieder dieselben Fragen beantworten zu müssen. Scheinbar liegt genau hier unsere Daseinsberechtigung: In der ständigen Wiederholung einer immer wiederkehrenden Problematik. Und hier kommen wir langsam an den Punkt, an dem sich auch eine Lehrkraft in der neunten Klasse befindet, wir sitzen scheinbar entweder vor einer Das-interessiert-mich-alles-gar-nicht-ich-will-lieber-Saufberichte-und-mehr-Comics-lesen-Gemeinde oder einem Haufen Das-finde-ich-ja-alles-ganz-toll-was-die-da-machen-aber-ich-krieg-den-Arsch-nicht-hoch.

Um dies genauer auszuführen, gehen wir einmal zurück in den August letzten Jahres, als es sich begab, daß der HSV gegen Celtic im Europapokal spielen sollte. Eiderdauz, was kamen sie alle angelaufen, um die geliebten Grün-weißen sehen zu können. Der unbedarfte St.Paulianer an sich meets Europapokal. Da gilt man als Mekka der Aufklärung, als Zentrum der progressiven Fanszene schlechthin, als Hort des Protestes gegen all das, was der Begriff der Kommerzialisierung in sich trägt (all dies als Attribute, die von außen an uns herangetragen werden) und dann das: "Was, so teuer sind die Karten?" (wobei die Preise des HSV alles jemals erlebte tatsächlich weit in den Schatten stellte), "Einmal Ostkurve bitte", "Was? Keine Stehplätze?" "Wieso gibt es denn keine Stehplätze?", "warum ist denn die Ostkurve gesperrt?", "aber beim HSV verkaufen sie Stehplätze" usw. usf. Nach nur zwei Tagen taten einem so die Ohren weh, daß man hätte kotzen können und in wahrlich einer nicht endenden Schwadronie wiederholte man all das, was man seit Jahren nicht nur in dieser Zeitung schreibt, sondern auch in endlosen Gesprächen als Aufklärungsarbeit geleistet hat. Das von der Kommerzialisierung und von den Sitzplatzstadien, das von den UEFA-Regularien und den Stehplatzkontingenten im Europapokal. Immer und immer und immer wieder. Man hört sich kaum noch selbst, so automatisiert wurden die Antworten mit der Zeit. Und dann die Ausage, die einen fast zum Affektmörder machte: "Aber dagegen muß man doch was tun". Da soll noch mal einer die Contenance bewahren. Aber wenn man nicht automatisch zusammenbriãht und in ekligå Säure zerfließt oder aber den Satz "Was glaubst eigentlich, was wir hier seit Jahren machen?" dem Gegenüber per Megaphon unter die Hirnrinde bläst, dann fängt man an zu erzählen. Lange Monologe von der Geschichte der Fanbewegung, von Fanzines und Demonstrationen und von der Ignoranú und Lethargie der Fanszenerien usw usf. Und dann, gerade, wenn man glaubt, wieder einmal ein paar offene Ohren gefunden zu haben, da folgt dann der Vorverkauf für das Dortmundspiel. Ihr wißt was jetzt kommt? Nun, das Lamentieren über die Preise, das hatte man erwartet und darauf konnte man sich vorbereiten, aber nicht vorbereitet ist man immer wieder auf den Satz: "Einmal Stehplatz bitte." Wie gesagt, Ruhe bewahren, tief durchatmen und antworten: "Es gibt in Dortmund für Gäste keine Stehplätze." "Warum das denn nicht?" Während das Innere des Schädels langsam anschwillt, hört man den Mund sagen: "Die haben schon vor fünf Jahren umgebaut?" Und wenn dann der Satz folgen sollte: "Kann man denn nicht was dagegen tun?", dann folgt nur noch ein leises: "gnmmmmmpfffgrrrdx", während Loriot im Hirn der miesesten Gedanken flüstert: "Ich bringe sie um, irgendwann bringe ich sie alle um."

Soviel also zur anschaulichen Praxis und dem Grund dieses Artikels. Wie gesagt, es hat ein halbes Jahr so vor sich hin gegoren und bekam beim Spiel in Bremen noch einmal einen kleinen Schub. Wofür mache ich das eigentlich? Haben wir nicht den Ehrgeiz, all diejenigen bei uns aus ihrem Schlummer zu erwecken, in den sie in der zweiten Liga und durch das Stehplatzrund und Antikstadion Millerntor gefallen sind. Wofür verschickt man Werbung für BAFF an diverse Fan-Clubs und keiner meldet sich, warum schreibt man seit Jahren in verschiedensten Facetten über all die Problematik, nur um festzustellen, daß selbst regelmäßige Leser in Punkto UEFA und Funktionärswesen auf dem Entwickungsstand von Cro-magnon-Menschen sind? Muß man da nicht irgendwann auf den Punkt kommen und sich fragen: "Warum" oder wie oben "What´s the meaning of...

Zur Lage des Leders (es sitzt)

Es ist genug geschrieben worden, jetzt wird nur noch aktualisiert:

München: Umwandelbare Stehplätze (Bewegung gleich null)
Leverkusen: Keine Stehplätze mehr
Bremen: Kein Stehen mehr für Gäste
Köln: Gegengerade umgewandelt: starke Reduktion der Stehplätze
Stuttgart: Stehplatzkäfig für 800 Gästefans

Soviel zu dem betroffenen Teil unserer Rückrundengegner in Auswärtsspielen. Aller Voraussicht nach wird diese im nächsten Jahr weiter aktualisiert.
Ach ja, noch für die ganz Schlauen, die immer wieder mal auftauchen: In Großbritannien gibt es tatsächlich keine Stehplätze mehr.

The Meaning of Fanzines - die persönliche Analyse

Zurück zum Ursprung dieser Zeilen. Warum schreibe ich sie eigentlich, welchen Sinn macht das hier eigentlich, wenn man sich zu solchen Artikeln wie diesem hier genötigt fühlt?

Nun, zählen wir doch mal auf:

Ich schreibe für diese Zeitung, weil:
- ich Fußballfan bin
- ich St.Paulifan bin
- ich gerne schreibe
- ich ein Mitteilungsbedürfnis habe
- ich mich noch immer auf die Lieferung eines neuen Heftes vom Drucker freue
- ich mit den KollegInnen der Redaktion gerne zusammen bin
- ich so nicht mal durch Zufall M. Schreinemakers sehen kann (Redaktion am Donnerstag)
und schließlich, weil ich dieses Medium für wichtig erachte. Und jetzt seid ihr dran.

lüh

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