Jahreshauptversammlung
Once upon a time in CCH....

Am 7. Februar fand im Saal 2 des Congress Centrums Hamburg, im Volksmund auch CCH genannt, die erste von drei Mitgliederversammlungen in diesem Jahr statt. Papa Heinz hatte zum gemütlichen Pläuschchen geladen. Man könnte denken, das CCH sei vielleicht nicht die richtige Lokalität für so ein kleines Pläuschchen, aber was uns an diesem Abend noch erwarten sollte, rechtfertigte diesen besonderen Rahmen.

Zu Beginn legte Schatzmeister Horst Niewiecki Rechenschaft über die finanzielle Lage des Vereines ab. Mittlerweile ist unser FC fast zu einem wohlhabenden Club verkommen. Sage und schreibe 397.000,- DM Eigenkapital. Was für eine Unsumme.

Nach einigen weiteren Zahlen und Fakten stand der Tagesordungspunkt an, der wohl alle am meisten interessierte. Es ging um das neue Stadion, was irgendwann einmal an dem Ort stehen soll, wo jetzt noch unsere brüchige Kultstätte, das Wilhelm Koch Stadion steht. das neue Stadion Auf eine überdimensionalen Leinwand wurden einige Bilder des neuen Fußballtempels projiziert. Es ist wahrlich unglaublich, was da im Architekturbüro Weisener entworfen wurde. Wenn der Senat der Meinung ist, daß eine Stadt wie Hamburg zwei Bundesligisten vertragen kann, dann soll er gefälligst auch beide gleich behandeln, und auch dem FC St.Pauli die Chance auf einen Stadionbau geben. Denkt er aber, ein Bundesligist reicht, dann sollte er nur den Volkspark ausbauen.

Das wäre fast so, als wenn man einem vom Verhungern bedrohten Fisch sagt, "geh´ doch an Land, da gibt es genug Regenwürmer." "Ein Fisch kann an Land genau so wenig überleben, wie der FC St.Pauli im Volksparkstadion." "Man kann unseren FC nicht so einfach in den Volkspark abschieben, wie man es in München mit dem TSV 1860 mit großer Mithilfe von Präsident Wildmoser bereits geschafft hat." "Dazu sind wir viel zu sehr mit unserem Stadtteil verwurzelt," so Papa Heinz.

Nun könnte man denken, daß es wohl der nächste Sitzplatzfriedhof in der Bundesliga sein wird. Weit gefehlt. Die Anzahl der Stehplätze nimmt sogar noch zu. Das neue Wilhelm-Koch-Stadion (oder sollte es etwa einen anderen Namen tragen?) wird 15000 Sitzplätze und 19000 Stehplätze haben. Das Einzige, was eventuell etwas gewöhnungsbedürftig werden könnte, ist die Tatsache, daß die Nordkurven-Fans sich aus bautechnischen Gründen wohl auf die Südseite verziehen- und die Leute aus der Gegengerade in Richtung heutige Haupttribüne abwandern müssen.

Das hat aber auch seine Vorteile. Die Gegengeraden-Fans müssen nicht mehr gegen die Sonne gucken, und die Fangesänge werden durch den Wind nicht mehr unter das eigene Dach gedrückt, sondern quer durch das Stadion getragen. Damit freut sich wohl auch die Presse, die das Stadion aufgrund der Stimmung immer wieder gerne als Freudenhaus der Liga tituliert. Jetzt muß nur noch auf die Baugenehmigung gewartet werden. Wahrscheinlich flattert diese aber demnächst in die Geschäftsstelle. Dann könnte noch in diesem Jahr mit dem Bau begonnen werden.

Selbstverständlich ging es nicht nur um das neue Stadion, sondern auch um die frisch ausgefertigte Satzungsänderung. Nach einer guten Stunde der Diskussion und des Pro und Kontra, wurde die Änderung der Satzung mit 100% aller Stimmen angenommen. Nicht eine Gegenstimme regte sich, obwohl doch so viele im Voraus gemeckert hatten.

Unter dem Tagesordnungspunkt "Verschiedenes" wurde zum einen ein Antrag auf Unterstützung gegen die Schließung des Hafenkrankenhauses eingebracht. Leider konnte oder wollte Weisener wegen der politischen Inhalte dieses Antrages kein Statement abgeben, um den Verein beim Senat nicht in Mißgunst zu bringen. "Man wolle ja noch einiges von der Stadt," so Weisener. Der Antrag wurde durch heftigsten Applaus als angenommen registriert. Ein zweiter Antrag beinhaltete die Rückverlegung des Heimspiels gegen Dortmund ans Millerntor. Der Zahn wurde aber umgehend von Heinz Weisener gezogen. Man könne aus wirtschaftlichen Gründen einer Rückverlegung nicht zustimmen.

Im Allgemeinen kann man sagen, daß es eine recht interessante Versammlung war. Es bleibt nur zu hoffen, daß uns die Baubehörde nicht noch einen Strich durch die Stadionplanungen macht. Es wäre doch zu schön, wenn es mal wieder ein wirkliches Heimspiel gegen die Rothosen von Rothenbaum geben würde.

Ach ja. MoPo-Sportchef und Übersteigerfreund Michael Schickel ist, wie man einem Artikel aus seinem Blatt entnehmen kann, der Meinung, daß der Senat dem FC St.Pauli wohl mehr Steine in den Weg legen wird, was den Stadionbau betrifft. Das sei schließlich auch gerechtfertigt.

Ach weißt du Michi, du wirst uns immer sympathischer. Vielleicht solltest du deine unqualifzierten Bemerkungen lieber für dich behalten.

In diesem Sinne, Viva Morgenpost.

re.

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