Martin gegen den Rest der Welt???!!!

Ja, ja, schon seit Wochen verfolgte uns der verbale Zweikampf oder auch Dreikampf zweier, teilweise auch dreier Gladiatoren in der Winterpause. "Tiger" Driller gegen "Rocky" Schulte und dazwischen als Ringrichter "Don" Weisener.

Immer schön abwechselnd zelebrierte die Boulevardpresse häppchenweise die Auseinandersetzung der Kontrahenten und wartete gierig auf den finalen Rettungsschuß. Scharf geschossen wurde zuletzt auch recht heftig und es gab auch Verletzte auf beiden Seiten. Uns schien dies aber nicht sehr gehaltvoll zu sein und wir wollten den Ursachen des Zwists auf den Grund gehen. Und da wir besser sein wollten als die hamburgische Boulevardpresse, trafen wir uns mit Martin Driller und Helmut Schulte zu zwei getrennten Interviews, wobei beide Intis so umfangreich wurden, daß wir den relevanten Inhalt nur in Stichpunkten und Berichtsform wiedergeben können.

Stichwort Paragraph 11 und Bosman-Urteil: "Herr Schulte hatte uns allen mit dem Paragraph 11 gedroht und ich wollte halt nicht nur für ein Jahr gehalten werden. Ich wollte gerne langfristig bei St. Pauli bleiben, egal ob 1. oder 2. Liga, besonders auch weil meine Freundin hier unter Vertrag ist (Boxweltmeisterin Regina Halmich). Ich habe gesagt, daß ich für beiden Ligen unterschreibe und wollte deswegen verhandeln und nicht über Paragraph 11 gehalten werden. Der Paragraph 11 ist seit dem Bosman-Urteil für mich nicht mehr haltbar und man hätte rechtzeitig mit mir und den andere Spielern reden können. Hätte gesagt, okay, wir können nicht mehr bezahlen aber dafür bekommt man einen längerfristigen Vertrag. 2 oder 3 Jahre, das wäre okay gewesen. Aber so nicht, ohne mit dem Spieler einfach darüber zu reden, habe ich nicht eingesehen".

Stichwort Geld und zu hohe Forderungen: "Also ich glaube, daß der Verein dazu klar Stellung beziehen kann. Da gibt's z.B. einige Spieler, die das Doppelte an Grundgehalt im Vergleich zu mir haben. Wobei deren Verträge gar nicht leistungsbezogen sind. Ich habe mit dem Präsidenten Weisener immer leistungsbezogene Verträge ausgemacht, d.h. ich bekomme einen Teil an Grundgehalt und Prämien. Das ist aufgeteilt, während andere nur ihr Grundgehalt und ein PAAR Prämien haben. Ich habe gesagt, daß das so nicht geht und möchte das und das gerne verdienen. Ich weiß, daß wesentlich mehr Spieler bei St. Pauli mehr als diese DM 500.000,- verdienen und ich wollte eigentlich dementsprechend bezahlt werden, was ich für die Mannschaft wert bin. Ob das jetzt ein bißchen mehr als DM 500.000,- oder etwas weniger ist, war für mich wirklich uninteressant".

Stichwort Berufliche Zukunft: "Ich hatte ein ordentliches Angebot von St. Pauli, 3 Jahre + 1 Jahr Option, wenn ich 26 Spiele mache. Für mich war jedoch entscheidend, daß ich gerne im Jugendbereich weitermachen möchte oder zumindest bei den Amateuren. Wenn ich dann zu alt bin, kann man den Vertrag immer um ein Jahr verlängern. Und dann nach meiner Karriere wollte ich in die Jugendabteilung und einen Fan-Shop aufmachen, d.h. einen Gescheiten aufziehen, wo sich die Leute umziehen können und halt etwas größer. Da ich Einzelhandelskaufmann gelernt habe, traue ich mir das auch zu. Es ist auch nicht richtig, daß mir eine Ausbildung in der Marketingabteilung angeboten wurde. Lt. Präsident Weisener hätte ich da arbeiten können. Jedoch wollte ich weder Chef der Marketingabteilung werden noch irgendwas anderes sein".

Stichwort "Ominöser Sonntag": "Wir hatten noch gar nicht verhandelt, da habe ich schon bei Schulte nachgefragt, daß ich für den Verein nach der aktiven Zeit weiterarbeiten möchte. Da wurde noch nicht über Zahlen gesprochen, über rein gar nichts. Es ging mir um die berufliche Absicherung nach meiner Profilaufbahn hier bei St. Pauli. Und das ist für mich ein absoluter Bestandteil meines Vertrages hier. Ich möchte für immer hier bleiben und nicht nach drei Jahren zurückgeschickt werden. Daß ich hier bleiben darf und nicht auf einmal bei null dastehe, so wie es bei Jan Kocian auch war, der als Jugendtrainer gerne hierbleiben wollte und dann zurück in die Tschechoslowakei mußte. Und ich glaube, daß man das einfach schriftlich machen muß. Aber in den Verhandlungen am Sonntag wurde das dann rausgenommen. Da habe ich mir einfach erstmal Bedenkzeit geben lassen und habe gesagt, daß ich das erstmal nicht unterschreibe".

Stichwort Transferliste: "Ich muß erstmal klarstellen, daß ich den Antrag gestellt habe, um auf die Transferliste zu kommen. Normalerweise wird das von Spieler und Verein unterschrieben, aber der Verein unterschrieb nicht und der DFB hat bei St. Pauli nachgefragt, warum nicht. Der FC St. Pauli hat halt sein Veto eingelegt. Das war aber bereits im Oktober, als das ganze Theater anfing mit dem Ultimatum hin und her. Und wie gesagt, sollte ich dann das Ultimatum zurücknehmen. Und wie gesagt, habe ich dann den Antrag gestellt und der DFB hat bei St. Pauli immer wieder nachgefragt. Aufgrund der ganzen Verzögerungen durch den nun folgenden Schriftwechsel meines RA Klettke und dem Verein landete ich dann doch auf der Transferliste, jedoch erst am 13.01., was an St. Pauli lag und drei Tage zu spät für das Ahlen-Angebot war. Da war's vorbei. Und wenn ich dort die angeblich genannte Summe von 3 Mio. hätte verdienen können, wäre ich glücklich gewesen. Die Summe stimmte aber nicht".

Stichwort Mannschaft: "Ich habe sehr viel Fürsprache in der Mannschaft. Viele erkundigen sich natürlich, wie das funktioniert, weil die auch ständig den Akt (Anmerk.: gemeint sind die Vertragsverhandlungen) vor sich haben. Zum Beispiel ein Holger Stanislawski, der auch nicht weiß, was er machen soll. Dem wird durch die Blume gesagt, daß Paragraph 11 gezogen wird und daß er nicht weiter verhandeln braucht. Also gibt es Spieler, die nicht zufrieden sind, wie z.B. Pisarev, der wahrscheinlich nach Spanien gehen wird oder Emerson, der nach Spanien zurückgeht. Man muß halt vernünftig mit den Spielern reden. Es geht nicht so, daß alle diese Spieler nicht zusagen, nur weil gesagt wird, daß Du das unterscheiben mußt oder es gibt nichts anderes".

Stichwort Weisener: "Ich habe immer ein guten Kontakt mit Herrn Weisener gehabt, besonders in meiner schweren Zeit, als ich 18 Monate am Stück verletzt war. Ich war wirklich frustriert und er hat mir geholfen und gesagt, daß es schon wieder wird. Er hat mir wirklich geholfen, das sehe ich auch ein. Aber im Grunde genommen ist es jetzt so, daß er in der Öffentlichkeit sagt, ich wäre für ihn gestorben. Das kann ich gar nicht so glauben. Ich weiß nicht, wer das wirklich da rausgegeben hat. Das kann ich mir von Herrn Weisener nicht vorstellen.

Stichwort Manager Helmut Schulte: "Ich habe kein Verhältnis zum Manager". Stichwort "Ende und aus oder doch Zusage?": "Ich habe damit keine Probleme. Bloß kann ich nicht auf den Verein zugehen. Der Verein muß auf mich zukommen. Ich habe das Angebot, wie sie es gemacht haben, abgelehnt und dazu stehe ich. Sollten sie mir jetzt sagen, okay Martin, laß uns reden und wir hätten jetzt doch eine Idee, wie wir das hinterher mit dem Job machen, wäre es kein Problem für mich zu unterschreiben. Aber so nicht. Der Verein hat gesagt, daß es keinen Weg zurück gibt. Ich hätte damit keine Probleme. Okay, ich muß damit leben. Und jetzt habe ich natürlich die Fühler ausgestreckt und werde mich in Europa umgucken. Bis April möchte ich aber meine Ruhe haben und eigentlich will ich ja aus Hamburg gar nicht weg. Zum Lokalrivalen, wie Hollerbach, will ich jedenfalls nicht gehen.

Stichwort Fans: "Ich hoffe, daß sie mich nicht zum Sündenbock machen, so wie es in der Presse jetzt ist. Klar, daß der Verein mich unter Druck setzt, aber ich glaube daß ich da einen ganz guten Vorschlag und ein ganz gutes Projekt vorgeschlagen habe und auch in der Amateurmannschaft spielen möchte. Das war am Anfang alles toll und jetzt wird alles gestrichen. Das habe ich nicht verstanden und ich hoffe, daß die Fans verstehen, daß ich diese Zusage erst hatte u. daß dann alles gestrichen wurde. Und daß sie mir das nicht übelnehmen".

Av.+Ra.
P.S.: Dank an Brittas Freundin Eliane für das Abtippen der siebenseitigen Urversion.
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