Vier Wochen WM -
Ein Leben lang sitzen!

Baff nutzt die Winterpause!

Gleich zweimal trafen sich in der kalten und dunklen Hallenseuchenzeit die "Abgeordneten" des Bündnisses Aktiver Fußballfans (BAFF!). Zunächst zum regelmäßig halbjährlichen Treffen hier auf St.Pauli, wo uns vom 13.-15.12. die Gastgeberrolle zufiel, welche uns beim Sommermeeting in Freiburg aufgrund unserer dortigen Abwesenheit auf's Auge gedrückt wurde. Nun, aus dem Breisgau war niemand in Hamburg...

Auch andere Absagen mußten hingenommen werden (u.a. aus Dortmund, Bielefeld und Kaiserslautern), es waren dann aber doch so an die 50 Leute eingetrudelt, und zwar, jetzt folgt das obligatorische Namedropping, aus: Düsseldorf, Schalke, Stuttgart, München, Frankfurt, Offenbach, Duisburg, Berlin, Leipzig, Rostock, Köln, Bochum und Münster. Thema St.Pauli: Außer uns, Ahrensburg und Elmshorn waren auch Vertreter von Unhaltbar! anwesend, zwar passiv, aber immerhin, nur, sich nicht anmelden und dann einfach auftauchen zeugt schonmal nicht von Stil. Zum anderen, was hat das detaillierte Programm einer internen Tagung incl. aller Adressen in der taz zu suchen, Herr H.? Nachdem am Freitag abend das allgemeine Wiedersehen bzw. Kennenlernen souverän im Pfennig gemeistert wurde (sogar Woltis Hansa-Schal wurde lediglich milde belächelt), ging's Samstag in aller Frühe zur Sache. Im von uns angemieteten Haus der Jugend St.Pauli an der Schilleroper wurde zunächst mehr oder weniger engagiert das Frühstücksbuffet geplündert, um sich dann, nachdem auch die Gruppe, die im HSV-Fanhaus nächtigte, die körperliche Anwesenheit hergestellt hatte, den wichtigen Themen der Hinrunde zu widmen.

Nach den Arbeitsnachweisberichten aus den Regionalgruppen, die doch in unterschiedlicher Intensität ihrer Arbeit nachgehen, was teilweise aber auch an Entfernungshindernissen liegt, wurde uns von Gerd aus Duisburg (jaja, die AG WEST ist halt unsere Vorzeigegruppe) die Auswertung einer in lobenswerter Eigenregie durchgeführten Befragung zur Steh-/Sitzplatz-, Stadionumbau- und Preissituation der BL-Vereine in sensationell umfangreicher Ausführung unterbreitet. Ergebnis wie eigentlich erwartet: Immer weniger Stehplätze und somit immer höhere Eintrittspreise.

Was gleich zum nächsten Thema überleitet: Die Kartenpolitik der Vereine, die den scheinbar ungewünschten Gästefans nur noch Sitzplätze anbieten (Dortmund, Bielefeld, Leverkusen). Die DFB-Bestimmung (10% Karten aller Kategorien für Gästefans) wird hier eindeutig hintergangen, Protest dagegen lohnt allerdings, wie unsere Spiele bei Arminia und Borussia gezeigt haben. Es kann trotzdem nicht angehen, daß die Vereine hier sogar DFB-Bestimmungen unterlaufen, für BAFF! ein Grund, beim DFB gegen diese Willkürhandlungen zu protestieren. Ein anderer Punkt, der gegenüber dem DFB angeklagt wurde, ist die Einsetzung von kompetenten und in der Fanszene akzeptierten Fanbeauftragten in den Vereinen. Dieser Posten ist z.B. ein Muß für das Lizensierungs-verfahren, existiert aber oft genug nur auf dem Papier und wird alibimäßig vom Platzwart oder ähnlich kompetenten Personen wie Raimond Aumann bei Bayern ausgefüllt. Dem "gemeinen Fan" fehlt so aber ein Ansprechpartner für seine Probleme, wird er doch von vielen Vereinen nicht als eigenverantwortlich denkende und handelnde Person, sondern als Kohle abdrückendes Winkelement angesehen. Antworten vom DFB stehen zu diesem Zeitpunkt erwartungsgemäß noch aus.

Nächster Punkt war die Frage: Gibt es wieder mehr Faschos in den Fankurven? Nachdem alle Teilnehmer ihre subjektiven Eindrücke aus ihren Vereinen dargestellt hatten, ergibt sich die klare Antwort: Ja! Zwar nicht überall und überall gleich stark, jedoch eindeutig erkennbar und scheinbar zunehmend organisiert. Hier müssen DFB, Vereine, aber auch die "Sicherheitsorgane" zu erhöhter Sensibilität aufgefordert werden (siehe z.B. Stadionordnungen auf St. Pauli und Schalke, warum nur dort?), ebenso wie die Fernsehberichterstattung (v.a. SAT1) aufhören muß, ihre "Heile Fußball-Welt" zu zelebrieren und die offensichtlich vorhandenen Mißstände konsequent zu ignorieren. Ein anderer Punkt am Horizont, der aber immer größer und bedrohlicher zu werden scheint, ist die vom DFB heiß ersehnte WM 2006. Nur noch einmal zur Klarstellung: Wir sind keineswegs generell gegen eine WM in Deutschland, dies kann unter Umständen eine wunderbare Sache sein, das Problem sind die Auswirkungen, die diese Veranstaltung mit sich bringen wird. Zum einen natürlich neue brechreizerregende Gipfel des Kommerzterrors, andererseits sind auch die möglichen rassistischen Nebenwirkungen nicht von der Hand zu weisen. Hauptsächlich haben aber internationale Wettbewerbsspiele bekanntlich ab 1998 nur noch in reinen Sitzplatzstadien stattzufinden, bzw. werden die Stehplatzbereiche dann gesperrt. Es ist also nicht besonders schwer, sich vorzustellen, wie danach die deutschen WM-Stadien aussehen werden, gell? Dies wiederum zieht dann die in diesem Heft schon desöfteren dargestellten, weiteren Konsequenzen nach sich: Verteuerung der Karten, Verknappung der Plätze, Ausschluß des ursprünglichen Fußballpublikums, Sterben der Fankultur! Dazu passen dann Meldungen (heute 02.02.), wie die halbjährlich schwindenden Stehplätze in Köln (jetzt noch 10.000) und jetzt auch wieder in Bremen, oder der wohl nun genehmigte 60.000er Sitzplatzhorror in Gladbach. Daß es auch anders geht, zeigt unser neues Stadion, wo nach dem Umbau sogar mehr Stehplätze vorhanden sein werden. Außerdem ist es natürlich der Kracher, daß die UEFA ausschließlich die deutsche Bewerbung zur WM gegenüber der FIFA unterstützen wird (Stand 09.02.: Die UEFA hat angeblich 'nen Rückzieher gemacht und hat auch wieder England auf'm Zettel, das ändert trotzdem nichts am Fortlauf dieses Textes!). Dies wirft wiederum die Frage auf, warum nicht Mitbewerber England favorisiert wird, dort sind die Stadien bekanntlich bereits seit längerem umgewandelt (die daraus resultierten Folgen lassen eh Schlimmes ahnen). Es scheint also außer uns Fans jedem daran gelegen, die Stadien in Freizeitparadiese zu verwandeln, die mit allem, nur nichts mit Fußball zu tun haben werden.

Dies muß verhindert werden!

Unter anderem aus diesem Grunde hat sich BAFF! entschlossen, vom 25.-27.Juli in Oer-Erkenschwick den 2. bundesweiten Fan-Kongreß durchzuführen. Motto siehe Überschrift dieses Artikels!

Nun war aber erstmal gut, das Bier im HdJ, welches ansonsten einen hervorragenden Tagungsort darstellte, war versiegt und der gemütliche Teil des Abends begann (wo wohl?), welcher natürlich auch noch zu ausführlichen Gesprächen und Diskussionen genutzt wurde. Überhaupt ist die Ergebnisorientiertheit und Diskussionskultur dieses Treffens überaus positiv hervorzuheben, natürlich gab's aber auch viel zu lachen, besonders wenn 1860-Supporter Achim zu seinen Ausführungen ansetzte... Am Sonntag früh wurde dann im Clubheim äußerst feudal gefrühstückt, ein Lob an die Küche! Nach kurzem Fazit und ersten Programmvorschlägen für den Kongreß, wurde für die nicht anwesende Presse die Presseerklärung verlesen und ein nettes Wochenende ging denn auch demselben entgegen.

Bereits am 18.01. trafen sich dann so an die 30 Leutchen (im Vergleich zum Treffen einen Monat zuvor waren Mainz und Göttingen vertreten, dafür fehlte der Osten und bis auf Stuttgart auch Süd/Süd-West) im neuen Schalker Fan-Laden, um das Programm für den Fan-Kongreß im Sommer so weit wie möglich zusammenzustellen. Einzelheiten werden zu gegebener Zeit im ÜS bekanntgegeben. Auf jeden Fall soll das Prinzip der Arbeitsgruppen wie vor drei Jahren in Düsseldorf nicht wiederholt werden, dafür sind die halbjährlichen regulären BAFF!-Treffen besser geeignet, wie das Treffen auf St.Pauli bewiesen hat. Neben Vorträgen und einer großen Podiumsdiskussion zu den oben angeschnittenen Themen mit hoffentlich hochrangigen Teilnehmern auch von DFB, Fernsehen und Vereinen soll dieser Kongreß hauptsächlich dem lockeren Kennenlernen außerhalb des Spieltagsstresses dienen, weshalb zu hoffen ist, daß auch außerhalb von BAFF! die Resonanz dementsprechend ist. Autorenlesungen, Konzerte, Fußball und andere sportliche oder kulturelle Betätigungen in traumhafter Umgebung sollten dies gewährleisten (ich sollte Reisekataloge verfassen, würg). Im Salvador-Allende-Haus stehen 160 Betten zur Verfügung, wer sich zuerst anmeldet, wird dort eingeplant, ansonsten ist reichlich Zeltplatz vorhanden. Das gesamte Wochenende incl. Verpflegung kostet pro Person 35,- DM. Anmeldungen werden unter BAFF!, PF 4133, 40688 Erkrath entgegengenommen, die 35,- DM überweist Ihr bitte auf das Konto 501944025 bei der Raiffeisenbank Erkrath (BLZ 37069521).

So, dann gab's noch ein paar Pils im S04-Fan-Laden, der wirklich nett geworden ist, vielleicht ein wenig zu sauber, aber das wird sicher noch. Wenn Ihr mal in der Ecke seid, ein Besuch lohnt sich (Hansemannstr. 23, 45879 Gelsenkirchen). Der Abend wurde dann in der Duisburger "Fabrik" fortgesetzt, konnte aber aufgrund der extrem unterirdischen Techno- oder sonstwas-Mucke nicht richtig genossen werden, so zogen sich Sven, Stefan und ich an unseren Düsseldorfer Schlafplatz zurück (Danke, Christoph!), während der Rest sich anderweitig vergnügte. Am Sonntag war dann das Spiel in Hamborn angesagt, aber dies ist eine andere Geschichte...

Ein Dank geht hier übrigens an Volker und den auf St.Pauli "gewählten" BAFF!-Pressesprecher Gerd für ihre Tagungsprotokolle, die mir diesen Artikel sehr erleichtert haben...

thomas

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