Von strahlendem Sonnenschein
bis leicht bewölkt...
...viel weiter reicht die Spanne der Spielanalysen bei sat.1 normal nicht. Die Kritik an der Kritikunfähigkeit war in der vergangenen Saison schon bundesweit bis in jedes Boulevardblatt vorgedrungen, so daß die Wontorras, Beckmanns und sonstige einsehen mußten, daß ständige Schönrednerei den Fußball eher unglaubwürdiger denn besser macht. Viele Kleinigkeiten der letzten Wochen und Monate ließen jedoch auch weiterhin die trübe Stimmung nicht in Zorn und Abschalten umfallen, da die meisten der Ran-Sendungen in Kneipen gesehen wurden, wo zumindest die Werbung durch anderlei Beschäftigungen wie Nörgeln, Motzen, Bier bestellen, Bier ausschenken o.ä. überbrückt werden konnte. Trotzdem ist es an der Zeit, die Fußballshow einer genaueren Analyse zu unterziehen. Hierbei soll nicht der Eindruck entstehen, daß aus Prinzip gehandelt wird und sat.1 per se dem "wahren" Fan die Laune verdirbt, auch wenn ich zugeben muß, daß mir beim Sabberlachen von Jörg Wontorra (in grauen Vorzeiten übrigens mal einer der besseren Frontmänner des Fernsehfußballs) der Hang zur nüchternen Analys ein wenig abhanden kommt.
Um hier nicht einen unkontrollierten Brei von Analyse, Beschimpfung, alle-
Themenbereiche-in-ein-Artikel-Stopfen zu geraten, soll dies der Beginn einer
| Freitag 15.11. 22.00 - 23.00 sat.1 Ran |
Sendezeit: 59:33 Min = 100 %
Fußballanteil: 25:30 Min = 42,8 %
Interviews/Anmoderation/Sonstiges: 22:28 Min = 37,7 %
Werbung/Eigenwerbung: 11:35 Min = 19,5 % |
vielleicht regel-, vielleicht unregelmäßigen Serie über Fernsehfußball werden, in der neben sat.1 natürlich auch die Beckenbauer-Jauchsche Arroganzmoderation, die Bremer N3 wie- führe- ich- ein- Interview- Katastrophe oder andere Auffälligkeiten behandelt werden sollen. An den Anfang möchte ich aber ein kurzen Vergleich der Spielanalyse von sat.1 Ran und dem Kicker Sportmagazin stellen, einem vielleicht nicht immer beliebten, aber in seiner Analyse wohl immer noch das ehrlichste Medien-Organ der Balltreterei. Andere Gebiete werden zukünftig Interview- und Anmoderation, Eigenwerbung, Fanbehandlung, Vereinsschwerpunkte etc. sein.
Zum heutigen Thema: Aus der Vielfalt der Spiele habe ich mir drei ausgesucht, die zwar knapp, aber auch knapp ausreichend behandelt werden sollen. 1. M'gladbach-St.Pauli, da hier der Vorteil der persönlichen Anwesenheit schwer wiegt. 2. Köln-Werder wegen der Frage: Machen viele Tore ein gutes Spiel aus und 3. Düsseldorf-Schalke wegen der besonders schlechten Kicker-Note als Maßstab.
1. VfL Borussia Mönchengladbach vs. FC St.Pauli
Daß es bei Werner Hansch keine schlechten Spiele gibt, ist bekannt, aber hier erreichte die Schönrednerei einen ihrer Höhepunkte. Während der Kicker das
| Samstag 16.11. 18.00 - 20.00 sat.1 Ran |
Sendezeit: 1.56:21 Std. = 100 %
Fußballanteil: 49:21 Min = 42,4 %
Interviews/Anmoderation/Sonstiges: 38:41 Min = 33,3 %
Werbung/Eigenwerbung: 28:19 Min = 24,3 %
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Spiel mit 4,5 fast noch zu gut bewertete, war bei sat.1 im Kommentar nicht ein schlechtes Wort zum Spiel allgemein zu hören. Die durchschnittliche bis mäßige Stimmung in der Nordkurve wurde als "groß" tituliert und ein Freistoß von Kastenmeier auf die Mitte des Tores als "brandgefährlich" beschrieben. Diese beiden Aspekte als zentraler Moment prägten den gesamten Bericht. Zwar war die Chancenauszählung in diesem Minimalistenspiel einigermaßen korrekt (Ran: 6,5 zu 4, Kicker 6 zu 3), doch die geschätzte Gesamtnote 3, die man dem Bericht entnehmen könnte, verhöhnt den Livezuschauer auf das Schlimmste. Wer selber dabei war, der oder die hat vor allem in der zweiten Halbzeit ein grachtenschlechtes Spiel einer blind durch die Mitte anrennenden Borussia und eines ball- und passtechnischen katastrophalen FC St.Paulis gesehen. Und so kommt die Wahrheit und die eigene Fehlleistung dann in den Spielerinterviews ans Licht, als Kamps von "viel zu wenig" und Kastenmaier auf die Offensive angesprochen sogar von "Bezirksliga" spricht. So kann ich als Live-Zuschauer auch nur der Notengebung des Kicker zustimmen, der darüberhinaus auch keinen "guten bis sehr guten" Sobotzik (Hansch) oder ein "gutes Spiel" von Springer (derselbe) gesehen hat, sondern den beiden verdientermaßen die Noten 4 und 3,5 gab. Fazit der Kurzanalyse: Berichte, die die Welt nicht braucht.
2. 1.FC Köln vs. SV Werder Bremen
Herzlichen Glückwunsch Herr Wontorra. Mit ihrem Spielbericht lagen Sie nach meinem Maßstab (also Kicker) ziemlich richtig. Die Gesamtnote liegt bei beiden
| Sonntag 17.11. 19.00 - 20.00 ranissimo |
Sendezeit: 56:47 Min = 100 %
Fußballanteil: 11:52 Min = 20,9 %
Interviews/Anmoderation/Sonstiges: 32:10 Min = 56,6 %
Werbung/Eigenwerbung: 12:45 Min = 22,5 %
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bei 3, das Chancenverhältnis (Ran: 8,5 zu 5, Kicker 7 zu 4) ist in etwa gleich errechnet und eine Jubelorgie ob der vier Kölner Tore ist auch nicht festzustellen. Vielleicht kommen die Bremer wegen des Gesamtresultates bei sat.1 ein wenig schlechter weg, aber wir wollen ja nicht kleinlich sein und auch die fehlerhafte Foulanalyse (Polster gegen Schulz) passiert ständig bei jedem Sender. Insgesamt in aller Kürze eine gelungene Vorstellung, die keines weiteren Kommentars bedarf. Fazit: eine etwas weniger blumige Sprache und wir können zufrieden sein. Allerdings fehlt natürlich der Maßstab der Live-Beobachtung.
3. Fortuna Düsseldorf vs. FC Schalke 04
Nach so viel Lob, welches wohl manchen überraschte, kann es ja nicht anders kommen als jetzt. Irgendetwas muß die Fortuna an diesem Tage geleistet haben, aber was, das wird das Geheimnis von Dirk Fro(h)berg bleiben. Denn sie spielten "nach dem Rückstand druckvoll" waren "stark über die linke Seite", wurden "durch den Ausgleich gestärkt" und hatten in Ulf Mehlhorn ihren "Auffälligsten". Nun ja, der Kicker gab Herrn Mehlhorn eine 4 und bezeichnete die laut sat.1 "drängende Fortuna" als "chancenlos". Erstaunlich auch, daß trotz des Lobes im Fernsehen das Chancenverhältnis bei 6 zu 5 für Schalke lag (Kicker 7:4). Insgesamt kann man wohl von einem leichten faux-pas sprechen, denn die Note 3, die aus dem ran-Bericht herausklingt, endet in der Printpresse als 4,5. Auch an dieser Stelle fehlt natürlich der Live-Eindruck, so daß das hier ein bißchen waghalsig klingt. Fazit: Herr Fro(h)berg ist im Herzen zwar weiß, aber eher mit rotem denn mit blauem Touch.
So, das war nun der erste und, ich gebe es zu, ein wenig knappe und nicht sehr fundierte Analyseteil über "unser geliebtes Fernsehen". Vielleicht stimmt ja auch ein bißchen davon, vielleicht aber spinnt auch der Kicker oder ich bin nicht ganz dicht und habe gar keine Ahnung. Was ich Euch aber zusichern kann ist, daß Thorsten bestimmt nicht spinnt, auch wenn seine Rechnung den Verdacht nahe legt. Aber danke für Deine Mühe, sie läßt uns erahnen, was sat.1 eigentlich will.
lüh
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