Wir
Bereuen
Alles

Nun ist es also auch uns passiert!

Der Übersteiger, Täter und Opfer zugleich in dieser Angelegenheit, ist einer der größten Presseenten der vergangenen Jahre auf den Leim gegangen. Im Zeitalter der Reality-Stories wahrscheinlich auch kein Wunder. Erinnern wir uns: Schon am Vorabend der offiziellen Ausgabe des letzten ÜS kursierten Gerüchte im "Letzten Pfennig", die Szene-Küche für solches und Klatsch, daß Uli Maslos geheimste Phantasien gefunden und nun ans Tageslicht gebracht werden sollten. So war es wenig verwunderlich, daß nach dem gewonnenen Spiel gegen Freiburg und der Publizierung der geheimen Tagebücher, gerade dort diese Sensation mit gut gekühltem "Fusèlle" ausgiebig gefeiert wurde. Selbst Mitglieder der Marketing wurden bis zum Umfallen dort gesehen.
Die Pressekonferenz

Entdecker und Initiator Pischi Kujau war natürlich der Held des Abends, ein Mann der sich bis dahin nur durch sein Panini-Klebealbum von der WM 1978 auszeichnen konnte. Sogar die Fanbeauftragten liessen ihre zahlreichen weiblichen Groupies links stehen, um wenigstens noch rechts auf einem Foto mit Herrn Pischi abgelichtet zu werden. Obwohl einige unserer Redakteure etwas enttäuscht waren über den sensationellen Bericht, denn wollte man doch wissen, ob sich Herr M. unten rasiert oder sich aufgeilt, wenn seine Frau sich die Fußnägel am Mittagstisch schneidet - gab es doch nur wenige Stimmen, die die Veröffentlichung in Frage stellten. Ist der Cheftrainer wirklich der Mann, der sich gegen die Institution "Bundestrainer" stellt? Doch nur wenige Tage später erübrigten sich diese Zweifel. Ein schweizerisches Institut, daß mit der Untersuchung der Echtheit dieser Papiere beauftragt war, stellte Flecken auf den Dokumenten fest, die eindeutig von Körperausscheidungen aufgrund erhöhtem Alkoholgenusses herrührten. Die Herren Maslo und Pischi unterzogen sich einem DNA-Test und die ganze Wahrheit kam ans Licht. Die Tagebücher waren eine Fälschung!

Natürlich herrschte am Tag danach Katzenjammer

und totale Verwirrung in der Redaktion. Hatten wir doch stets auf unsere nicht vorhandenen Fahnen "Objektivität und fairen Journalismus mit einem Hauch Schärfe" geschrieben.

So wollte die Hälfte unserer Redakteure eigentlich schon alles hinschmeissen - das Ende des Übersteigers war nur noch eine Frage der Zeit. Doch dann geschah das Wunder der Thadenstraße. Herr Maslo höchstpersönlich, in Begleitung des ehemaligen St. Pauli-Spielers M. D., kam zu uns herein und sagte: "Männer, es wird keiner erschossen. Ihr müßt einfach weiter machen!" Darauf konnten wir nur noch beschämt, aber wieder neuen Mutes antworten: "Uli, Du weißt, daß wir wissen, was wir an Dir haben." Wir machen also weiter und bereuen alles. Wie konnte es aber überhaupt dazu kommen? Wir veröffentlichen hierzu ein Interview, daß letzte Woche von einem Journalisten des Wochenblattes "Der Ohrzeuge" mit einem der Redakteure des ÜS, Hendrik Lüttmer, der es ermöglichte, daß die Tagebücher gedruckt wurden und dem Fälscher, Herrn Pischi selbst, geführt wurde.

Der Interviewer: Zunächst einmal vielen Dank, daß sie beide trotz des laufenden Verfahrens sich zu diesem Interview bereiterklärt haben.

Lüttmer: Hätte ich gewußt, daß diese Aftervertiefung auch hier ist, wäre ich nicht hier.

Pischi: Geh kacken!

D. I.: Nun Herr Lüttmer, spricht da nicht die verletzte Eitelkeit. Denn Sie haben das Erscheinen doch erst möglich gemacht.

Lüttmer: Nein das stimmt so nicht. Die Redaktion stand und steht geschlossen hinter mir. Aber ich muß jetzt erst mal etwas los werden. Wir reissen uns verdammt noch mal täglich hier den Hintern auf zum Wohle der Fans und des Vereins, da kann natürlich so was leider mal passieren.

D. I.: Herr Pischi, wie kamen Sie überhaupt darauf diese "Tagebücher" zu schreiben und warum?

Pischi: Ich wollte ein Zeichen setzen, mit einem Paukenschlag Fans, Leser und Redakteure wachrütteln. Ich habe diesen Skandal absichtlich inszeniert und wollte, daß er aufliegt. Es ist doch so - die Leute vom Übersteiger sind vor Jahren mit guten idealistischen Absichten gestartet. Sie wollten ein Zeichen in der bundesdeutschen Fanszene setzen. Doch was ist daraus geworden? Gehen Sie jetzt mal zum Spiel oder beobachten Sie diese Leute danach. Da herrscht nur noch Narzißmus, man inszeniert sich selbst. Sie bestimmen was gut, richtig und witzisch ist. Wie versnobte Matadoren kommen sie ins Stadion herein und gehen als das Maß aller Dinge wieder heraus. Eine einzige Filzbrühe umgibt diese...

Leider mußten wir das Interview aus Platzgründen hier beenden.

Anmerkung der Redaktion: Kurz nachdem bekannt wurde, daß die Tagebücher gefälscht sind, sagte Uli Maslo spontan: "Das hab' ich schon vorher gewußt, daß die nicht echt sind".


Copyright by Übersteiger

zurück Titelseite dieser Ausgabe weiter