Quo vadis, Amateure?

Freude und Ärger, diese gegensätzlichen Rauchzeichen steigen momentan aus dem Dunstkreis unserer Amateure sowie deren Fans empor. Nicht daß wir von den Greenhorns (sorry, Andrew) der Regionalliga Nord sportlich mehr erwartet hätten, vielmehr sorgt der beschissene Heimsupport des selbsternannten "Sangesvolk" der Liga, liebe St. Pauli-"Fans", für Bauchschmerzen.

Geduld und Spucke

Nach dem 14. Spieltag ist die sportliche Bilanz nicht mal so schlecht. Als Tabellenzwölfter steht die Mannschaft unmittelbar vor der Abstiegszone. 7 Spiele wurden verloren, dreimal konnten wir nach dem Sieg wellen. 33 Treffer kassierten unsere Keeper C. Wehlmann/K. Seidler. "Top off" war dabei mal wieder Braunschweig mit 6 Gegentoren. Also eines weniger als letztes Jahr, heißt daß wir dort in 7 Jahren 1:0 gewinnen werden.

Fast die Hälfte der kärglichen Ausbeute von 14 erzielten Treffern gehen auf das Konto von M. Göbel (6). Das restliche "Torjägergesockse" führt T. Spanoyannis (3) an, vor M. Pomorin (2). Konstant gute Leistungen haben bei den "Erfahrenen" bisher eigentlich nur S. Tholen, M. Jensen und der 34-jährige Methusalem A. Pfennig, sowie die Torhüter erbracht. Der "Letzte Pfennig" (Zitat Blöd) wurde dafür von seinem Kumpel U. Maslo (Trainer), aufgrund dessen Liberoproblems, mit Bankdrücken bei den Profis für ein Spiel "belohnt".

Die von Chef-Trainer K. Hesse geforderte Regionalligatauglichkeit sämtlicher Spieler des Teams ist noch lückenhaft. Doch die elf noch unter 20 Jahre alten Spieler geben sich alle Mühe, den Anschluß zu schaffen. Allen voran M. Pomorin und L. Lehmann, die schwer aus den Team wegzudenken sind. Einfühlsam gibt das Trainergespann Hesse/Beckmann allen eine Chance, ohne sie dabei zu verschleißen, gönnt ihnen Regenerations- und Aufbauphasen. So spielte z.B. gegen Herzlake S. Kreutzer von Anfang an und das überraschend gut. Ebenso wie der 18-jährige P. Williams gar zu einem der Besten avancierte.

Wieviele Heimstätten hat ein Fußballteam?

Stellt man diese Frage den 4. Herren oder etwa Raspo Elmshorn, würde man vermutlich Achselzucken, verbunden mit spöttischem Grinsen ob der Unsinnigkeit dieser Frage, als 1. Antwort ernten. Ein Gedanke weiter ist der Raspo-Fan in seinem Stadion an der "Dingsbumsstr.", sieht dazu vor Augen dessen Bild und fühlt behaglich seine ihm vertraute Wohnzimmeratmosphäre.

In Saison eins nach der letztjährigen Odyssee, den ständigen Umzügen in Mitwohnzimmer ohne Lieblingssofas im Hause St. Pauli, handelte Obmann H. Klauck mit dem Präsidium den Kompromiß Sternschanze aus. Die Nähe zum Millerntor gab den Ausschlag. Zudem hätte man einen festen zweiten Platz, wie etwa vor Jahren den Ausweichplatz Memellandallee, zur Verfügung.

Es scheint ein annehmbarer Kompromiß zu sein, doch daß ausgerechnet im neuen Palazzo das Wohnzimmer mit dem Altmieter S.V. Polizei geteilt werden muß, trübt vielleicht die Stimmung.

Und gleich zu Anfang der Saison schickte unser heißgeliebtes Präsidium den Troß erstmal, so als hätte nie eine Absprache bestanden, schön zur 2. Heimpaadie auf die Reise gen Marienthal. Doch die Lakaien spielten nicht mit und ca. 120 Amateure-Fans, unterstützt von 20 Celler Sympathisanten, enterten exakt 15:00 Uhr den Anstoßpunkt. Nach 5 Minuten beendeten die "Heimatlosen" ihren Protest. Der Schiri hatte ein Einsehen und wartete mit dem Anpfiff bis wir vom Platz waren. H. Klauck setzte noch einen drauf, indem er gegenüber der Presse offen von Rücktritt sprach. Hatte das Präsidium diesen Wink mit dem Zaunpfahl empfangen?

"You'll never walk alone"

20.135 "St. Pauli-Fans" mehr und die Amateure hätten bei ihren Heimspielen am Millerntor gegen den VfL Herzlake "erstmals in der Vereinsgeschichte" verdientermaßen eine volle Hütte gehabt. Utopie? Nicht, wenn man sich die steigenden Zuschauerzahlen in anderen Stadien der Regionalliga ansieht. Der Trend, daß Fans von Vereinen, deren erste Mannschaft in der Eliteliga kickt, nicht mehr ihre Talentschmieden unterstützen, setzt sich bei St. Pauli leider fort. Und dabei bräuchte die junge Mannschaft unsere Lieder für das st.paulianische Selbstbewußtsein dringend. Vor wenigen Jahren kamen noch über 3.000 Interessierte, und das eine Klasse tiefer, um Spiele gegen Bergedorf oder Concordia zu sehen. Diese Saison kamen gegen letztere gerade mal 800 und bis zum Minusrekord gegen Herzlake (365 Zuschauer) ging's mit den Zuschauerzahlen weiter bergab.

Can you hear St. Pauli sing?

Zumindest bei Heimspielen machen inzwischen fünf Norderstedter bzw. 8 Herzlaker die Bambule und "die Freibeuter der Liga", sofern anwesend, hören zu.

Groß aufgetrumpft wird eigentlich nur in fremden Stuben. So ist es nicht verwunderlich, daß ausgerechnet das Heimspiel bei "Scheiß Cordi", das Heimspiel mit dem höchsten Lärmpegel war. Bei tropischen Temperaturen reichten wir dem gleich neben uns sitzenden Trainer U. Maslo, aus unserem "Block E" einen "eisgekühlten Uli Maslo".

Nach der Celtic-HSV-Auslosung im UEFA-Cup diffamierten sich "unsere Freunde" von der Abbruchstelle am Rothenbaum selbst, indem sie erst einen Null-Support hinlegten (Sorry, fünfmal habt ihr etwas unverständliches gerufen). Doch richtig schlecht war die Schellack-Fassung der Rangers-Songs in der Pause. Nach Hannover in's Niedersachsenstadion reisten gleich 2 Busse und boten den restlichen 8.000 Zuschauern Paroli. Wer den großartigen Gig mit Blockstürmen und Celtic-Unterstützung verpaßt hat, ist selber schuld (Grüße an Leo und Otti).

Beim "Wahnsinns-Support" (Zitat Kurt Hesse) in Lurup ließen sich die "Hendrik-Fischer-Chöre" durch neue Melodien aus dem Repertoire durchziehender schottisch-irischer Celtic FC-Barden inspirieren.

Als bisheriges Highlight dieser Saison kann locker die verhinderte Fahrt nach Wilhelmshaven durchgehen. Zuerst wurde dem Busfahrer vom Chef der Fa. Dietrich untersagt, uns Rabauken zu fahren. Wir wären älter als 16 Jahre, wollten alkoholische Getränke konsumieren und Rauchwaren in Luft auflösen. Nach kurzem Ärgern wurde kurzerhand Ankes Geburtstags-Freibier in den Pfennig geschleppt. Dort gaben wir uns dem Rausch von Iris' Schlager-Platten hin. 25 St. Pauli "Müllmanner" zog es unter "Auf der Reeperbahn mittags um halb zwei"-Gesängen doch noch auf den Fußballplatz. Beim Spiel AFC gegen Herzlake mischten wir ordentlich unter Einsatz der neuen Blockfahne mit. Die Clearasil-Fraktion aus Herzlake ließ sich von uns nicht so leicht verhöhnen. Im Gegensatz zu unseren Brüdern vom AFC, mit denen wir noch ne'geile Fete, nicht unter 18 Jahren, in deren Clubheim abfeierten.

Mr. Fugee Kato

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