DER BUNDESLIGA-SKANDAL - Teil 2

Im letzten Übersteiger konntet ihr den ersten Teil unserer zweiteiligen Serie über den Fußballbundesliga-Skandal vor 25 Jahren lesen. Mit den heutigen Kurzbiografien beenden wir nun zwar die Kurz-Serie, wären aber über aktuelle Infos aller genannten wie ungenannten Personen eurerseits sehr erfreut. In diesem Sinne:
Viel Spaß beim Lesen!

ROLF RÜSSMANN
Der ehemalige Grobmotorik-Vorstopper, der vor einer Woche (13.10.) 46 Jahre alt wurde, ist einer der wenigen Skandalbeteiligten, der heute noch die Schlagzeilen der hiesigen Medien mitprägt. Als Manager der Borussia aus Mönchengladbach hat Rüßmann die Geschicke des Vereins in den letzten Jahren entscheidend beeinflußt, und ihn vom Mittelmaß zurück an die bundesdeutsche Fußball-Spitze zurückgeführt. Nicht zuletzt der Transfer Stefan Effenbergs hat dem gelernten Bankkaufmann allgemeinen Respekt eingebracht. Als Zwölfjähriger begann Rüßmann beim Heimatverein Schwelm 06 seine fußballerische Laufbahn, ehe Schalke-Präsident Günter Siebert den 1,85m großen Abwehrrecken 1969 18jährig für 38.000 Mark nach Gelsenkirchen holte. Zwar hielt Schalke-Trainer Rudi Gutendorf wohl nicht allzuviel von seinem neuen Spieler (Zitat:"Wir haben 20 Lizenzspieler und den Rüßmann"), doch wuchs der Defensivmann mit der Aufgabe und wurde zum Stammspieler. Der blonde Hüne (zu allem Unglück auch noch blauäugig), der sich auf Schalke den Spitznamen 'Hubschrauber' erwarb, weil er sich bei Kopfball-Duellen länger als alle anderen Spieler im Luftraum halten konnte, war bereits im Notizblock des damaligen Bundestrainers Helmut Schön, als sich für Rüßmann nach 2 Jahren Schalke ein Karriere- und Lebensbruch vollzog: Am 17. April 1971 verschoben die Spieler von Schalke ihr Heimspiel gegen Arminia Bielefeld (0:1), jeder Knappe erhielt dafür 2.300,--, auch Rolf Rüßmann. "Es war das mieseste Geschäft meines Lebens", läßt er Jahre später die Öffentlichkeit wissen, erklärt aber auch starrköpfig, daß die Spieler durch die immens hohen angedrohten Strafen seitens des DFB quasi in den Meineid hineingetrieben wurden. Neben einer hohen Geldstrafe (eben wg. Meineids) durch das Essener Landgericht wird Rüßmann vom DFB für zwei Jahre gesperrt und deshalb 1973 für ein halbes Jahr an den belgischen Meister FC Brügge ausgeliehen, da die verhängte Sperre in Deutschland erst am 1.3.1974 ablief. Ein Handgeld von 100.000,- kassierte der Spieler und verdient somit rund das Dreifache seines mageren Jahresgehalts auf Schalke. Anschließend kehrte er zu seinem Heim-Verein zurück, mußte aber, trotz recht guter Leistungen, bis zum 30.4.1977 warten, ehe Helmut Schön den Sünder zu seinem ersten Länderspiel (in Belgrad gegen Jugoslawien) auflaufen ließ. Es folgten weitere 18 Länder-Partien in Folge, ehe Jupp Derwall den Vorstopper, wohl wegen kritischer Äußerungen zu den Qualitäten des neuen Bundes-Übungsleiters, aussortierte. Lediglich ein letztes Länderspiel bestritt Rüßmann noch unter Derwall (1979 in Frankfurt gegen Ungarn; Spiel wg. Nebel abgebrochen). 1980 wechselte er zum Erzrivalen Borussia Dortmund, für die er bis 1985 noch 149 Liga-Spiele absolvierte (mit den 304 Kicks für Schalke somit insgesamt 453 Bundesligaspiele bei immerhin 48 Toren), ehe er endgültig mit dem aktiven Profifußball brach, obgleich ihm die Borussia einen weiteren Zweijahresvertrag angeboten hatte. Bevor Rüßmann 1987 das Manageramt bei Schalke übernimmt, arbeitet er kurz in einer Werbeagentur und hospitiert für 6 Monate bei Manchester United. Legendäre 4 Monate (25.2. bis 30.6.1987) hält es der Ex-Schalker auf dem Gelsenkirchener Managerposten aus, und als er dort den Überblick verliert, schmeißt er die Brocken hin und geht zurück in die Werbung. Doch schon 1990 bietet ihm Gladbachs Manager Helmut Grasshoff dessen Nachfolge an, Rüßmann sagt sofort zu. Im Sommer 1992 wird der Neu-Manager jedoch vom damaligen Präsidenten Helmut Beyer für 2 Monate beurlaubt. Begründung: Rüßmann habe den Verein überschuldet und an den Rand des Ruins gebracht. Nachdem diese Vorwürfe entkräftet waren, gab es eine vollständige Rehabilitation durch Neu-Präsi Drygalsky. Seither versieht der ehemalige Fußball-Profi sein Amt souverän, sorgte für den spektakulären Effe-Wechsel und setzt sich seit geraumer Zeit für ein moderneres und größeres (54.000) Stadion ein, was ihm allerdings auch schon wieder Anfeindungen von Präsidiumsseite einbrachte. Rüßmann ist verheiratet, hat zwei Töchter und frönt dem Trabrennen; aktiv wie passiv.

ZOLTAN VARGA
Mit 0:1 verlor Hertha BSC sein Heimspiel am 4. Juni 1971 gegen Arminia Bielefeld. Auch dieses Spiel war gekauft! Wohl rund 15.000 Mark kassierte jeder einzelne Spieler aus Berlin. Und Varga soll zu ihnen gezählt haben, wofür er zunächst eine lebenslange Sperre durch den DFB erhielt, die, fast obligat, später auf 2 Jahre reduziert wurde. Der Ungar Zoltan Varga, der am Neujahrstag 1945 in Val, einem Dorf in der Nähe Budapests, geboren wurde, wuchs in der ungarischen Hauptstadt auf und stand bereits mit 16 Jahren in der ersten Mannschaft von Ferencvaros Budapest, mit der er dreimal Landesmeister und einmal Messepokalsieger wurde. 13 mal trug er das Nationaltrikot. Kurz vor den Olympischen Spielen (1968) in Mexiko setzte er sich vom ungarischen Team ab, nicht aus politischen Gründen, sondern weil er sich seine sportliche Zukunft im 'Westen' besser hat vorstellen können. Nach einer kurzen Visite bei Standard Lüttich stieß er schließlich zur Hertha, bei der er, nach seiner internationalen Sperre (wg. Republik-Wechsel), zum Leistungstäger mutierte. Erstmals durfte er im Oktober 1970 in Berlin eingesetzt werden. Doch kam ihm nun leider jenes verschobene Skandal-Spiel in die Quere, um zum internationalen Superstar zu werden. Denn die Veranlagung hierzu besaß der einstige Bäckergeselle vom Balkan, dem diverse Trainer absolute Weltklasse bescheinigten. Zwischenzeitlich trainierte er, zusammen mit Auch-Sünder Gergely, als Hobby, den Bezirksligisten Germania Berlin. Nach der Sperre ("Ich habe nichts genommen. Mein Gewissen ist rein.") wechselte der Flügelflitzer zum schottischen Vizemeister FC Aberdeen, nachdem er mit zwei französischen und einem mexikanischen Verein in Verhandlung gestanden hatte. Bald 300.000,-- kostete der Stürmer den Schotten, denen er allerdings nur für ein Jahr zur Verfügung stand. Ende 1973 wechselte er zu Ajax Amsterdam, der den Ausnahmespieler zum Nachfolger für den nach Barcelona gewechselten Cruyff aufbauen wollte. Doch dort kam Varga "überhaupt nicht zurecht", und ihn erreichte im November 1974 ein Angebot von Borussia Dortmund, die gerade in der 2.Liga krauchten, und ihn zunächst für 80.000 Mark ausliehen, aber von Mai 1975 an für 250.000 Mark endgültig verpflichteten. In Dortmund wurde Zoltan Varga der Publikumslieblingg schlechthin. Während dieser Zeit absolvierte er sein Trainer-Praktikum beim Kirchhörder SC, um dort die Voraussetzung für den A-Trainerschein zu machen. Nach Ausflügen zum FC Augsburg und dem FC Gent übernahm er im Anschluß das Traineramt beim TBV Mengede und machte seinen A-Schein in der Sportschule Hennef. 1979 wird der dreifache Familienvater Varga als Deutscher eingebürgert, besitzt mittlerweile den A-Trainer-Schein (1979 erworben) und trainierte zuletzt (1983) die Bayernliga-Elf des MTV Ingolstadt. Seither ward von ihm nichts mehr gehört. Sein Fazit: "Der Bundesligaskandal war, was die Nerven betrifft, eine sehr gute Schule für mich. Wenn einer da rauskommt, überlebt er auch den Trainerberuf".

REINHARD 'STAN' LIBUDA

Tja, so schnell geht das; im ÜS 22 noch groß als Biografie für diese ÜS-Ausgabe angekündigt, stirbt uns der sagenhafte Außenstürmer doch flugs hinweg. Gerade mal 52 Jahre alt wurde der Schalker Wunderstürmer. Er erlag den Folgen eines Schlaganfalls. Als der beste deutsche Außenstürmer aller Zeiten wurde der Ur- Schalker tituliert. Und ich glaube, daß die Auguren damit nicht ganz falsch lagen. "An Gott kommt niemand vorbei!", las man damals auf vielen Plakatwänden in Gelsenkirchen. Ein Schalker 'Scherzbold' fügte hinzu: "Außer Stan Libuda!" Kaum besser konnte die Genialität des Reinhard Libuda dargestellt werden. Er war auch für mich die Inkarnation des vollkommenen Fußballers. Jeder von uns Kids wollte damals Libuda sein, wenn wir gegeneinander kickten. Da kamen allemal die italienischen Stars heran. Im Alter von 10 Jahren begann Libuda in den Jugendmannschaften des Revier-Vereins seine Laufbahn. Bereits mit 17 unterschrieb er seinen ersten Profivertrag bei den Königsblauen. 1963 wird er erstmals in den Nationalkader berufen, auf insgesamt 26 Länderspiele bringt es der 'Flankengott'. Ausschließlich für Schalke (190) und Dortmund (74) bestreitet der Dribbelkünstler seine insgesamt 264 Bundesligaspiele. 1966 wechselt 'Stan' (Spitzname nach dem englischen Ausnahmespieler Sir Stanley Matthews) Libuda zum Rivalen Borussia Dortmund, denen er prompt noch im gleichen Jahr, mit einer 40m-Bogenlampe, den 2:1- Siegtreffer im Europapokal-Endspiel gegen Liverpool schenkt, und damit die Schwarz-Gelben zum ersten deutschen Europapokalsieger überhaupt macht. Schon 1968 erlebte man den Wechsel zurück zu den Gelsenkirchenern. Ein Jahr später wird Libuda zur Legende: Im WM-Qualifikationsspiel gegen Schottland in Hamburg erzielt er den 3:2-Siegtreffer und sichert den Deutschen damit die Teilnahme an der WM 1970 in Mexiko, bei der er entscheidend dazu beiträgt, daß der 3.Platz erreicht wird. Sein wohl bestes Spiel aller Zeiten absolviert er dort beim 5:2 gegen Bulgarien, wo er ein Tor selbst schießt und deren drei vorbereitet. 1972 trägt der Stürmer dazu bei, daß die Knappen den DFB-Pokal im Endspiel gegen Kaiserslautern und die Vizemeisterschaft gewinnen. Doch im gleichen Jahr wird Libuda vom DFB wegen seiner Verstrickung in die Manipulationen von Bundesliga-Spielen (das bekannte 0:1 gegen Bielefeld) lebenslang gesperrt. Es folgt ein Wechsel zu Racing Straßburg, wo es ihm möglich ist, seine Sperre zu umgehen, da diese nur fürs Inland gilt. Zwei Jahre darauf wird Libuda begnadigt und wechselt für 350.000 Mark Ablöse erneut zu Schalke 04. Den Anschluß findet er dort jedoch nicht wieder. Viel zu langsam war er geworden und beendete seine fußballerische Laufbahn noch im gleichen Jahr. Er pachtet 1973 den vom legendären Ernst Kuzorra eingeführten Zeitungs- und Lottoladen am Schalker Markt, mit dem er allerdings kein Glück hat. Es war ihm gelungen, einen gutgehenden Laden herunterzuwirtschaften, mit dem er, so seine Mutter Martha "nur noch 49 Mark Tagesumsatz" hatte. Seinem Nachfolger Heinz van Haaren, ebenfalls alter Schalker, gelang es, aus dem Geschäft wieder eine Goldgrube zu machen. Bald darauf trennten sich die Eheleute Libuda. Mehrfamilienhäuser, die sich im Besitz der Familie befanden, mußten verkauft werden, ein 12-Familienhaus kaufte Norbert Nigbur. Das einstige Fußball-Idol wurde ein Fall für das Sozialamt. 1987 muß Reinhard Libuda für eine schwere Darm-Operation in die Klinik. Unterstellt wurde ihm auch eine chronische Alkoholabhängigkeit, die er aber standhaft leugnete. "Je mehr ich jetzt über meine Situation nachdenke, umso mehr komme ich zu der Überzeugung, daß fast alles seinen Ursprung in meiner Verwicklung in den Skandal hat.... ich hatte die Lust am Fußball verloren", gesteht Libuda später. Mit Hilfe seines Ex-Kollegen und einzigen Freundes -neben Sohn Matthias Claudius- Rolf Rüßmann erhält er einen Job in einer Druckerei, in der auch das Stadionmagazin 'Schalker Kreisel' gedruckt wird. Libuda fängt sich, hört auf zu rauchen und zu trinken und führt ein 'normales' und bescheidenes Leben. Bis zum Dezember 1992, als ihm die Ärzte einen Kehlkopf-Tumor diagnostizieren. Im Januar 1993 wird ein Stimmband entfernt. Da die Erkrankung rechtzeitig erkannt wird, behält Libuda seine Stimme; einer der wenigen Lichtblicke in dessen post-fußballerischen Karriere. 1994 stellt der in Gelsenkirchen-Bismarck zur Miete wohnende Arbeitslose einen Antrag auf Frührente. "Ich habe eigentlich trotz meiner Dribblings und Tore nie wirkliche Freunde gehabt", formulierte der sensible Wunderstürmer bereits vor Jahren sein Lebensfazit und dokumentierte damit seine lebenslange menschliche Isolation, die sich in dessen Schüchternheit und Normalität begründete, und bereits damals kaum profifußball-kompatibel war. Libuda stirbt am 25. August einsam vorm TV-Gerät.

JÜRGEN SOBIERAY
Zwei Jahre Sperre lautete das DFB-Urteil gegen den Schalker Sünder zunächst, im Juni 1973 hob dieser das Urteil auf, und bereits ab dem 1. August 1973 war Sobieray schon wieder spielberechtigt. Der heute 46jährige spielte zunächst weiter in Gelsenkirchen, ehe er Ende der Siebziger zum damaligen Zweitligisten DSC Wanne-Eickel wechselte. Im Oktober 1980 unterzeichnete er, zur Überraschung fast aller, einen Vertrag bei Borussia Dortmund. Der Transfer erfolgte ablösefrei, und ob der sehr schwankenden Leistungen Sobierays rechnete eigentlich niemand mehr mit einem Comeback des ehemaligen Junioren-Nationalspielers; nicht einmal Trainer Udo Lattek. Doch als Branko Zebec kurz darauf Lattek als Trainer ablöste, gab dieser ihm eine Chance und setzte den gelernten Libero auf seine angestammte Position. Und Sobieray strafte alle Kritiker lügen, als das ewige Talent sich seinen Platz in der Dortmunder Stammelf erkämpfte und erspielte. Nachdem der Vertrag mit Dortmund im Juni 1982 auslief, wechselte der geborene Gelsenkirchener noch einmal den Verein: Im September ging es zum Zweitliga-Aufsteiger, den TuS Schloß Neuhaus, der ihn allerdings, nachdem dort die Trainer wechselten, bereits im November wieder entließ. Nachdem mehrere schwere Verletzungen dem Fußball-Profi das Geldverdienen immer schwerer machten, geriet er in finanzielle Schwierigkeiten und mußte sein fast eine Million Mark teures Haus in Dorsten zwangsversteigern lassen. Der zu dem Zeitpunkt arbeitslose Sobieray selbst beantragte Invalidität und machte seinen Trainerschein. Ende 1994 ging er als Manager zum Regionalligisten FC Union, wird aber bereits im Frühjahr 1995 vom ehemaligen DDR-Auswahlspieler Gerd Kische abgelöst. Insgesamt 223 Erstligaspiele absolvierte Sobieray, davon allein 210 für Schalke, die restlichen für Dortmund.

BERND PATZKE
Der gelernte Schornsteinfeger-Geselle ist ein weitgereister Mann geworden, während seiner Karriere als Fußballer, Trainer und Manager. Der heute 53jährige 24malige Nationalspieler begann seine fußballerischen Sporen in seiner Heimatstadt Berlin zu erwerben: Minerva 93 Berlin war Patzkes erster Verein, fand von dort den Weg in die Deutsche Jugend- wie Amateurelf, wo ihn ein belgischer Spielervermittler entdeckte und dem Außenverteidiger 1962, ein Jahr vor Einrichtung der hiesigen Bundesliga, einen Profivertrag bei Standard Lüttich verschaffte. Nachdem die belgische Meisterschaft errungen wurde, wechselte er 1964 zum Bundesligisten 1860 München, mit denen er zwei Jahre später Deutscher Meister wurde. Patzke war WM-Teilnehmer 1966 in England und 1970 in Mexiko und war auch Mitglied jenes Nationalteams, das im Dezember 1967 das grandiose 0:0 gegen Albanien in Tirana einspielte, womit sich die Deutschen die EM-Endrundenteilnahme 1968 versemmelten. Schließlich wechselte Patzke Anfang der 70er zurück in seine Heimatstadt Berlin, zur alten Tante Hertha. Für seine Verstrickungen in die Bundesliga-Affäre wird der Hertha-Spieler zunächst für 10 Jahre gesperrt, doch wird diese Sperre vom DFB in eine geringe 2-Jahres-Strafe (bis 1.7.1973) umgewandelt. Der Berliner wechselt, um diese Sperre zu umgehen, nach Südafrika, wo er als Spielertrainer bei Hellenic Kapstadt u.a. zusammen mit Arno Steffenhagen (s.a. ÜS 22) für zwei Pokal- und einen Meistertitel sorgte. Nach Ablauf seiner Sperre kehrte der erfolgreiche Spieler zurück nach Deutschland, wo er erneut zu den Löwen aus München stößt. Doch 1974 findet seine Laufbahn als aktiver Spieler (insgesamt 202 Bundesliga-Einsätze) ein jähes Ende: die 60er wollten den Nationalspieler loswerden; 1975 findet der einjährige Streit durch eine 'einvernehmliche Trennung' seinen Schlußpunkt. Patzke macht seinen Trainerschein, wird zum 1.7.1975 Übungsleiter beim Bayernligisten ESV Ingolstadt, anschließend für ein paar Monate beim Süd-Zweitligisten FK Pirmasens. Auch der Trainerjob bei den Löwen endet vorzeitig. Schließlich beschränkt sich Bernd Patzke darauf, seine Erfahrungen als Spieler und Trainer an vermeintliche Fußball-'Entwicklungsländer' weiterzugeben. Lehrgänge für Trainer aus Asien und Afrika zählen ebenso zu seinen Tätigkeiten, wie Trainer- und Beratungstätigkeiten auf Jamaika, in Burundi, Zypern, Zaire, Ruanda und Südafrika. Zuletzt war die 'Berliner Schnauze' Nationaltrainer im Oman, das zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal eine Nationalelf besaß. Im Herbst 1992 wird Patzke vom TeBe-Obermacher Jack White für den Manager-Posten engagiert. Im Zusammenhang mit dem Rücktritt Whites jedoch verliert er gut 2 Jahre später sein Amt beim ambitionierten Berliner Verein an seinen Nachfolger Jürgen Sundermann.

VOLKMAR GROSS
"Ich bereue nichts, nicht das geringste. Denn der Fehler war ein sehr entscheidender Fehler. Das war der Punkt, wo's bei mir geschnappt hat. Wer weiß, wie mein Leben gelaufen wäre, wenn das damals nicht passiert wäre". Ein freimütiges Bekenntnis des Torhüters, den nicht wenige für den besten deutschen Keeper damals gehalten haben. Doch es reichte letztlich nur für einen einzigen Einsatz im Nationalteam: Beim 3:1 am 2. November 1970 in Athen gegen Griechenland stand der 1,92-Mann zwischen den Pfosten. Die Bestechungsaffäre kam dem Lebemann dazwischen, denn am 5. Juni 1971 war die Wohnung des Keepers der Umschlagplatz für die Bestechungsgelder, die aus Bielefeld nach Berlin transferiert wurden, damit die Hertha ihr Heimspiel gegen Bielefeld verliert. Gut 200.000 Mark kostete die Arminen dieser 1:0-Auswärtssieg. Gross wechselte in jungen Jahren von der kleineren Hertha aus Zehlendorf zum großen BSC. Beim Aufstiegsrundenspiel bei RWE in der Essener Hafenstraße 1968 stellte Trainer Helmut Kronsbein den langen Kerl ins Gehäuse, weil Stammkeeper Krumnow Zahnschmerzen hatte und auch sonst seiner Form hinterherlief. Von diesem Tag an war er die Nummer eins bei Hertha, zumindest bis zur Aufdeckung der verschobenen Matches. Sein letztes Spiel für die Hertha bestreitete Gross am 3. Juni 1972 in Kaiserslautern (4:3), ehe er die obligatorische DFB-Sperre plus 15.000,- Strafe erhält. Aber bereits im Juli 1972 darf der Sünder ins Ausland wechseln. Dort ist Hellenic Kapstadt sein neuer Verein, dem er bis Herbst 1974 treu bleibt, bevor er dann nach Holland zu Twente Enschede ging. TeBe-Manager Heinz Opitz holt den Torwart Anfang 1977 für rund 200.000 Mark wieder zurück an die Spree, und der Torwart-Riese erntet für seine durchweg guten Leistungen ausschließlich positive Kritiken. Schalke 04 wird auf Gross aufmerksam, und noch im gleichen Jahr veränderte er sich für rund 750.000,-- Ablösesumme in Richtung Ruhrpott, wo er schnell das Vertrauen des Trainers gewinnt. Ein "prima Kerl" sei Volkmar, der "sich leicht zu irgendwelchen Dingen hinreißen ließ" analysierte Schalke-Trainer Uli Maslo, "aber er war immer ein durch und durch guter Mensch". Dennoch wechselte der Schlußmann im Frühjahr 1979, unter ominösesten Umständen, in die US-Liga. Zunächst sind die Minnesota Kicks seine kurzzeitige Heimat, für die er ein Freundschaftsspiel absolviert. Für ein paar Tage stellt sich Gross beim mexikanischen Spitzenverein 'Universidad Autonoma de Mexiko' vor, ehe er in seine neue Heimatstadt San Diego zurückkehrt. Bei den 'San Diego Soccers' fand er schließlich sein Domizil, und dort verehrten ihn die Fans. Der 'Mister Germany' (aka 'Blonder Panther'/'Tarzan') trug zu den Erfolgen San Diegos maßgeblich bei. Er wurde hernach Generalmanager der 'Legends Sport Promotion Company' und soll heute Autos in San Diego verkaufen.

ro.
Der Bundesligaskandal - Teil I


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