SCHLIMM!!!!!

15.09.96 es war mal wieder soweit, das große Derby stand an. Wie wir der Hamburger Lokalpresse entnehmen konnten, sollte es wohl ein großartiges Fußballfest werden. St. Pauli und HSV Fans Arm in Arm usw. Doch einige Tage vorher änderte sich die Situation drastisch. Der böse Fanbeauftragte Sven B. hatte sich doch tatsächlich erdreistet, der schottischen Zeitung The SUN ein Interview bzgl. des Spiels HSV gegen Celtic zu geben. In diesem erwähnte er nichts als die Wahrheit, nämlich daß:
-es beim HSV immer noch Hools gibt, wobei er jedoch einräumte, daß sie sich gegenüber früher eindeutig verkleinert haben.
-ein Rangers Fan-Club besteht
-in einer Ausgabe der Supporters News ein nordirischer unionistischer, loyalistischer Club (der FC Linfield) abgefeiert wurde.
Interessant ist, daß Sven das Interview am Tage der UEFA-Cup Auslosung gab und der HSV es der Bildzeitung 5 Tage vor den Derby zuspielte. Uns Uwe glänzte dann auch noch mit folgendem Zitat: "Bei internationalen Spielen hätte ich mir mehr nationales Denken gewünscht." Im Bezugnahme auf Zabrze ein ziemlich trauriges Statement!ein kleiner Hool Da fragt mensch sich: Wer heizt hier eigentlich die Stimmung auf?

Dementsprechend gut gelaunt fuhr unsereins gen Volkspark. Gerade vor dem angekommen, die letzte Möglichkeit zum Stimmbänderölen ausnutzend, kamen doch tatsächlich 7 kurzhaarige Wesen (wahrscheinlich Menschen) unter "Schwarz Weiß Blau-Faschisten HSV" Gegröle um die Ecke. Sich in Sicherheit wägend, pöbelten sie einige Leute an. Sie hatten wohl nicht damit gerechnet, daß einige St. Pauli-Anhänger sich das nicht gefallen lassen. Ein körperlicher Verweis war die Folge.

Berthold Brecht sagte einmal: "Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren". Dieses Zitat hätte man unserem Team auf die Kabinentür schreiben sollen. Denn was sich auf dem Rasen abspielte war für jeden St. Pauli Fan so beschämend, daß er sein Fandasein am liebsten verleugnet hätte. Nicht die Tatsache mit 11 gegen 9 3:0 zu verlieren ist schlimm, sondern die Art und Weise wie dieses passierte. Wenn man mit 2 Mann mehr auf dem Platz in einer halben Stunde nur eine Torchance hat, dann sollte man sich selber Fragen, was man in der 1.Liga will.

Total genervt ging mensch dann auch noch mit HSV-Fans Richtung Bahnhof, weil die sogenannte Fantrennung keine war. Klasse Abend!

Im Letzten Pfennig angekommen, gerade das 1. Frustbier genießend, wurde bekannt, daß das Team im Clubheim gemütlich zusammen sitzt und Schnitzel ißt. Also nichts wie hin und denen unseren Frust kundtun. Unter "Wir sind St. Paulianer und Ihr nicht" Rufen kamen ca. 50 Leute die Auffahrt Richtung Clubheim hoch. Etwa 40 Meter vor Erreichen des Clubheims gingen plötzlich die Lichter aus und die Tür wurde abgeschlossen. Also ab zu den Fenstern des Tagungsraumes. Während unser Unmut lautstark bekannt gemacht wurde, ließen die Herren die Jalousinen runter. Bei dem Versuch dieses aufzuhalten, ging leider eine Scheibe kaputt. Die Folge war, daß Martin Driller und Frank Böse sich dann doch dazu herabließen, mit uns zu reden und heraus kamen (als einzige!). Nach Diskussion mit erwähnten Spielern, waren wir plötzlich ca. 60 Leute mehr. Was war geschehen? Wir wurden von aus acht Mannschaftswagen stürmenden Polizisten eingekesselt (u.a. von einem grinsenden Henrik Meyer, seines Zeichens Amateurspieler des FC St. Pauli). Diese Aktion brachte das Fass zum Überlaufen. Stinksauer wurden der Verein, die Mannschaft und die Bullen auf's Übelste beschimpft.

Mensch muß sich das vorstellen: Fans, die fast jedes Auswärtsspiel mitfahren, um ihren Verein zu unterstützen, ihre gesamte Freizeit bzw. Urlaubstage opfern, um dabei zu sein, werden eingekesselt, weil sie sich erdreisten, nach einer solchen Blamage den Spielern sagen zu wollen, was man von ihrem Einsatz hält. Wir wollen anmerken, daß die Spieler zu keiner Zeit tätlich angegriffen werden sollten! Nach ca. 10 Minuten bereinigte Driller die Situation und wir wurden ins Clubheim reingelassen. Dort traf mensch dann auch noch auf Wehlmann, Pröpper, Sobotzik ,Trulsen und Bochtler (der Arme - 1. Spiel und dann das). Es entwickelten sich noch einige nette Gespräche, denn wenigstens diese Spieler stellten sich zur Diskussion. Nachdem mensch mit ihnen noch lauthals über die Analysen des Noch-Trainers (wirklich d.T.) Uli M. in Sport 3 lachte, löste sich die Gesellschaft auf und die meisten trieb es dann gefrustet, aber froh diesen Schritt getan zu haben, zum Pfennig oder nach Hause.

Regnar+Manu

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