Ein viertel Jahrhundert ist seither in's Land gegangen. Die Bielefelder Arminia ist überraschend in die 1. Fußball-Bundesliga aufgestiegen, Schalke 04 spielt endlich wieder im UEFA-Cup und Rolf Rüssmann ist seit Jahren Manager beim Bundesligisten Borussia Mönchengladbach.
An seinem 50. Geburtstag hat der damalige Präsident von Kickers Offenbach, Horst-Gregorio Canellas, zur Unterhaltung seiner Festgemeinde, eine Tonband-Aufzeichnung abgespielt, die den Stein in's Rollen gebracht hatte. Der Bundesliga-Bestechungsskandal nahm an diesem Tag seinen Anfang. Der ÜBERSTEIGER will in diesem Fall, ausnahmsweise einmal, weder werten noch richten, sondern einfach nur beleuchten, was aus den damaligen Medien-"Stars" geworden ist. Was machen Manfred Manglitz, 'Stan' Libuda, 'Tasso' Wild und all die anderen 'Sünder' und anderen Beteiligten eigentlich heute? Die Liste der hier Genannten ist nicht komplett; diesen Anspruch erheben wir auch nicht. Und nicht zu allen erwähnten wie unerwähnten Spielern, Funktionären und Trainern lagen und liegen uns aktuelle Informationen vor. Aber jene, die wir recherchieren konnten, die sollt auch ihr hier an dieser Stelle erfahren.
DIE VERGEHEN
Mehr als 50 Liga-Spieler und rund ein Dutzend Funktionäre und Trainer hatten damals viele hunderttausend Mark Schmiergelder bewegt. Für die verschiedensten Delikte (u.a. Bestechung, Bestechlichkeit und Meineid) wurden sehr untersschiedlich weitreichende Strafen verhängt: von kurzen Sperren über geringe Geldstrafen bis hin zu lebenslänglichen Tätigkeitsverboten. Ordentliche Gerichte waren ebenso mit der Angelegenheit betraut, wie der DFB-Kontrollausschuß mit seinem Vorsitzenden Hans Kindermann. Die Schalker Spieler waren damals die übelsten Sünder und leugneten bis zuletzt ihre Taten, wofür diese auch wegen Meineids zu je rund 10.000,- verurteilt wurden. Kickers Offenbach und Arminia Bielefeld waren die Vereine, die für ihr Tun mit Zwangsabstieg bestraft wurden. Erst am 16.Dezember 1977 erfolgte, mit dem Urteil im Meineidverfahren gegen Klaus Fichtel, der endgültige Schlußstrich unter den Bundesliga-Skandal.
Die Personen im einzelnen:
HORST-GREGORIO CANELLAS
Der ehemalige Präsident der Offenbacher Kickers, der im Juni seinen 75. Geburtstag feierte, spielte am 6.Juni 1971, einen Tag nachdem seine Kickers, neben Oberhausen und Essen, aus der Bundesliga abgestiegen war, der Öffentlichkeit ein Tonband vor, das an Brisanz kaum zu überbieten war. Es brachte Belege dafür, daß Spiele der abgelaufenen Saison der Fußball-Bundesliga verschoben worden waren. Canellas gelangte an diese Aufzeichnungen, weil er, um von ihm vermutete Manipulationen zu beweisen, Scheinverhandlungen und -gespräche mit bestimmten Spielern führte. Canellas' Verdachtsmomente ergaben sich nicht zuletzt aus einem Telefonanruf durch den damaligen Kölner Torhüter Manfred Manglitz, der vom Offenbacher Präsidenten 25.000,- forderte, da er sich sonst beim Spiel der Kölner in Essen nicht besonders anstrengen würde. Zu diesem Zeitpunkt waren die Essener für Offenbach noch direkte Mitkonkurrenten um den Abstieg. Nach Rücksprache mit seinem Präsidium und beim DFB, von dem er wissen wollte, ob Siegprämien aus dritter Hand erlaubt seien (was bejaht wurde!), ging er auf das Geschäft ein. Später wurde Canellas hieraus ein Strick gedreht: auf Lebenszeit wurde ihm durch den DFB verboten, ein Vereinsamt zu führen. Dieses Urteil wurde zwar klammheimlich 1976 wieder aufgehoben, doch mit dem deutschen Fußball wollte der Offenbacher nun nichts mehr zu tun haben. Bereits 1973 zog er mit seiner Familie nach Mallorca (dessen Vater stammt dorther), wo diese eine Boutique in der Hauptstadt Palma eröffnete. Als die Lufthansamaschine 'Landshut' 1977 von RAF-Sympathisanten nach Mogadischu entführt wird, befinden sich Canellas und seine Tochter Gabi an Bord dieses Flugzeugs. "Der Skandal war schlimmer, viel schlimmer. Mogadischu hatte noch menschliche Züge", erinnerte sich der Entführte später mit einigem Abstand. Da dem Asthmakranken das Inselklima nicht bekam, siedelte er 1994 zurück nach Deutschland und lebt heute in Hausen bei Offenbach.
WILLI KONRAD
Konrad war zur Canellas-Ägide Geschäftsführer bei den Offenbachern. Er war derjenige, der die Geldprämie für Manglitz am 6.Mai 1971 dessen Frau an einer Autobahnraststätte übergab. Für diese Aktion wurde er allerdings juristisch nicht belangt. Vielmehr stieg Willi Konrad nach dem unfreiwilligen Abgang Canellas zum starken Mann der Kickers auf. Doch 1976 überwarf sich der 'Manager' mit Vorstand und Trainer Tschik Cajkovski und verließ den Verein. Er baute sich hernach die renommierte Spiel- und Spielervermittler-Firma 'ISV' auf, die einen internationalen Weltruf erlangte. 1977 bewirbt er sich für den Manager-Posten beim HSV, gelangt in die engere Wahl, wird schließlich aber nicht genommen. Im August 1985 überschlägt sich Konrad mit seinem Mercedes 500 bei einem Unfall mehrmals, schwebt tagelang in Lebensgefahr und laboriert viele Jahre an den Folgeverletzungen. Knapp 10 Jahre später findet sich der Hesse unfreiwillig in den hiesigen Medien wieder. Als technischer Direktor bei Dynamo Dresden erlangt dieser einen eher zweifelhaften Ruf. Zusammen mit Altfreund und Dynamo-Präsi Rolf-Jürgen Otto bringt er den Sachsener Club in ein gefährliches Fahrwasser: Veruntreuungen und dubiose Spieler-Transaktionen, bei denen Konrad Hunderttausende in die eigene Tasche gewirtschaftet haben soll, werden den beiden Funktionären vorgeworfen. Otto sitzt derzeit in Haft, das LKA Sachsen führte kürzlich Hausdurchsuchungen bei ehemaligen Aufenthaltsorten Konrads und Ottos durch. "Konrad habe Rechnungen geschrieben, mit denen Otto... zweckentfremdete Ausgaben zu vertuschen suchte", teilt der Sportinformationsdienst 'sid' am 26.Juli 1996 mit.
MANFRED MANGLITZ
Der Kölner Torwart war einer der Hauptsünder im 71er-Bundesligaskandal, wenn nicht sogar der Sünder schlechthin. Zweimal lebenslängliche Sperre plus 20.000 Mark Geldbuße lautete das Urteil des DFB-Sportgerichts: Für die Kölner 0:1-Niederlage in Bielefeld, die Bereitschaft für einen Sieg in Oberhausen 12.000,- zu nehmen, sowie Verhandlungen mit Bielefeld wegen Schweigegeldern, wurde Manglitz abgestraft. Gegen eine Auflage von 25.000 DM durfte der viermalige National-Keeper dann doch noch seine Fähigkeiten in die Dienste des Zweitliga-Teams des 1. FC Mülheims stellen (1975). Ein Schiedsgericht hob die drastische Strafe schließlich auf. Als Tennislehrer hielt Manglitz sich eine Zeit lang über Wasser, war Verkäufer in einem Sportgeschäft, eröffnete ein paar Diskotheken (u.a. in Köln) und machte sich in Spanien selbstständig. Er hielt sich in Thekenmannschaften fit und ist heute wohlgelittener Mittelständler an der Costa Blanca: er betreibt dort eine Renovierungsfirma in Villajoyosa.
HANS KINDERMANN
"Der Chefankläger des DFB", so wird Herr Kindermann immer wieder gern von den einschlägigen Medien genannt. Vor 25 Jahren war er dies tatsächlich und ein 'Aufklärer vor dem Herrn'. "Vorsitzender des DFB-Kontrollausschusses", so war seine offizielle Bezeichnung. War, denn im Oktober 1992 ging der "Radikale des Rechts" ('Welt am Sonntag') 70jährig in den Ruhestand. Seit 1963 gehörte er diesem Gremium an, 22 Jahre war er dessen Vorsitzender. Als "Gewissen des Profifußballs" (Mayer-Vorfelder) verfolgte er drei Jahre lang mit aller Unerbittlichkeit die vermeintlichen Täter der Spiele-Mauscheleien von 1971. Der DFB ehrte ihn hierfür mit der 'Goldenen Ehrennadel'. Kindermann war hauptberuflich als Richter am Stuttgarter Landgericht tätig, zuletzt als Vorsitzender der 5. Großen Strafkammer (Verkehrsdelikte). In die Schlagzeilen geriet er jedoch nicht nur als DFB-Chefankläger oder Richter, sondern auch als Privatperson. Als der Gesetzgeber 1982 die Anschnallpflicht verordnete, ließ sich der leidenschaftliche Autofahrer absichtlich von der Polizei ohne Gurt erwischen und klagte schließlich, bis zum Verfassungsgericht, gegen die Geldbuße. Kindermann verlor den Prozeß.
Am 10.Februar 1992 erhielt der "Freisler des deutschen Fußballs", so die unschöne Titulierung eines Kritikers, das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse umgehängt, ein paar Monate bevor Horst Hilpert seine Nachfolge beim DFB antrat. Hans Kindermann widmet sich heute seinen Hobbys: Orchideen züchten, Marschmusik hören und Bücher über Archäologie lesen. Denn mit Fußball möchte er derzeit nichts mehr zu tun haben: "Ich stelle nur klar, daß der bezahlte Fußball mit Sport nichts mehr zu tun hat. Das ist nur noch ein Tanz um das Goldene Kalb".
KLAUS FICHTEL
Der Schalker Abwehrspieler/Libero wurde für seine Verwicklung in den Bundesliga-Skandal (Geldannahme für eine Niederlage gegen Arminia Bielefeld) zunächst lebenslänglich gesperrt, doch bereits ein halbes Jahr später wieder, wie die meisten anderen, begnadigt. Für einen geleisteten Meineid jedoch wurde Fichtel vor einem ordentlichen Gericht belangt.Danach errang er mit seinem Gelsenkirchener Team 1972 den Sieg im DFB-Pokal. 1980 wechselte Fichtel zu Werder Bremen, mit denen er 1983 die Vizemeisterschaft hinter dem HSV erreichen konnte. Einen neuen Vertrag erhielt er jedoch altersbegründet nicht, und im Sommer 1984 wurde 'Tanne' Schalker Assistenztrainer unter Diethelm Ferner. Zum Jahreswechsel 84/85 reaktivierten die Knappen den mittlerweile 40jährigen. Im Mai 1985 brach er den bis dahin bestehenden Bundesliga-Rekord mit seinem 521.Spiel und entthronte damit Willi Neuberger, der es bis dahin auf 520 Spiele gebracht hatte. Nach insgesamt 540 Bundesligaspielen erklärte Klaus Fichtel dann seinen endgültigen Rücktritt vom aktiven Profi-Fußball. Am 26.8.1986 bestritt er im Schalker Dress sein Abschiedsspiel gegen eine Promi-Auswahl. Als Co- und Jugendtrainer blieb er aber seinem Stammverein erhalten. Doch knapp 2 Jahre später erfolgte ein erneutes Comeback: Mit legendären 43 Lenzen auf dem Buckel streifte sich Fichtel erneut das Schalke-Trikot über, erntete aber insgesamt eher negative Kritiken. Heute steht er mit seinen 552 Spielen hinter Körbel (602) und Kaltz (581) an 3.Stelle jener Spieler mit den meisten Bundesligaspielen.
KLAUS FISCHER
Der fleischgewordene Fallrückzieher hatte 2.300 Mark dafür eingesackt, die Bielefelder 1:0 gegen die eigene Schalker Elf siegen zu lassen. Zunächst lautete das Urteil 'lebenslängliche Sperre', die aber bald gegen eine nur einjährige Sperre aufgehoben wurde, plus 100.000,- Buße sowie die Anwalts- und Gerichtskosten in Höhe von rund 300.000,-. Und ebenso wie Vereinskollege Fichtel wird Fischer wegen Meineids belangt. Doch schon 1973 spielt Fischer bereits wieder mit und feiert am 6.Oktober seine Rückkehr in die Mannschaft der Königsblauen. 1977 wird er erstmals in die Nationalmannschaft berufen (insgesamt wurden es 45 Einsätze und 32 Tore), kündigt aber schon 5 Jahre später seinen Rückzug aus dieser an, nachdem er vom Bundestrainer nach der WM in Spanien keine Berücksichtigung mehr fand.
Zwischenzeitlich zog sich der Schalker im März 1980 einen komplizierten Beinbruch zu, der ihn für ein dreiviertel Jahr aus dem Verkehr zog. Erst wieder im Januar 1981 konnte er sein erstes Spiel absolvieren. Zur Saison 81/82 wechselt Fischer zum 1. FC Köln, ehe er zum Saisonende 83/84 nach Bochum transferiert wird, wo er mit Ausklang der Saison 85/86, seine aktive Karriere vorerst beendet. Doch bereits zum Ende der folgenden Spielzeit kickt Fischer bereits wieder für ein paar Spiele im Bochumer Team, bevor er für die Nachfolge-Saison Co-Trainer des VFL unter Trainer Jupp Tenhagen wird. Insgesamt 535 Bundesligaspiele hatte er bis dahin absolviert und liegt damit 2 Plätze hinter Fichtel (s.o.). Im September 1989 wird Fischer Assistent des Schalke-Coachs und übernimmt im November 1990, zunächst für lediglich 5 Spiele, kommissarisch die Trainertätigkeit des beurlaubten Peter Neururer. 16 Monate später bietet Schalke-Präsi Eichberg ihm an, die Nachfolge des glücklosen Aleks Ristic zu übernehmen, und Fischer nimmt das Angebot "im Interesse des Vereins" an. Der geborene Bayer blieb glücklos, aber dem Ruhrpott-Verein treu: derzeit trainiert er die Gelsenkirchener Amateurelf.
Mit 268 Treffern belegt Fischer heute, hinter Gerd Müller, den 2.Platz in der ewigen Torjägerliste der Bundesliga.
WILHELM STUTE
Der Buchhändler war Präsident von Arminia Bielefeld und hatte, um Schaden vom Verein abzuwenden, 100.000 DM aus der Vereinskasse genommen (Spender gaben weitere 175.000 DM), um Spiele qua Geld zu manipulieren (Stute: "Nur der Klassenerhalt war unsere Chance, sonst wäre der Club pleite gewesen!"). Doch die Wirtschaftskammer des Bielefelder Landgerichts hatte 1974 nicht darüber zu entscheiden, ob es Manipulationen überhaupt und in welcher Form gegeben hat, sondern lediglich darüber, ob er mit dieser Transaktion das Vereinsvermögen gefährdet hatte. Das Gericht bejahte dies zumindest teilweise und verurteilte Stute 1974 zu einer Geldstrafe von 25.000,-. Und obgleich Stute, trotz anfänglichen Leugnens ("Eher lasse ich mir die Hand abhacken - wir haben nicht geschoben") schließlich doch selbst die Manipulationen gestand, wurde seinem Einspruch durch den Bundesgerichthof entsprochen. Der verwies das Verfahren zurück an eine andere Kammer des Bielefelder Gerichts, die den ehemaligen Präsidenten 1977 freisprach.
Heute ist der langjährige Vorsitzende der Kaufleute der Bielefelder Altstadt noch immer als Buchhändler in seiner Heimatstadt präsent und aktiv. Sein Engagement für die Verschönerung der Bielefelder Altstadt gilt als vorbildlich. Aus der Bielefelder Arminia ist er bereits vor vielen Jahren ausgetreten.
HERBERT 'AKI' LÜTKEBOHMERT
45 Jahre alt wurde der ehemalige Schalker Mittelfeld-Mann. Im Oktober 1993 verstarb der zweifache Vater an Knochenkrebs. 268 Bundesligaspiele und 28 Tore sind sein sportliches Vermächtnis. Ausschließlich für die Knappen bestritt Lütkebohmert von 1968-1980 seine Spiele. Doch auch er war im Skandal involviert: am 18.März 1973 wurde er für seine Taten für 2 Jahre gesperrt, im Januar 1974 begnadigt. Zu spät für eine WM-Teilnahme im gleichen Jahr. Helmut Schön: "Ohne die Sperre hätte ich ihn in die WM-Mannschaft geholt". 1976 wird 'Aki', ebenso wie seine Mitkicker, wegen Meineids zu 10.000,- (zahlbar an die Krebshilfe) verurteilt. Da er von Schalke 04 lediglich ein zu geringes Angebot erhält, wechselt Lütkebohmert 1979 als Amateur zum 1. FC Bocholt.
GÜNTER BROCKER
Trainer bei Rot-Weiß Oberhausen war Brocker zu Zeiten der Schiebereien. Vorher spielte der Duisburger von 1952 bis 1961 bei Schalke 04 und absolvierte dort 420 Spiele als offensiver Verteidiger. Wechselte dann unmittelbar ins Trainerfach und coachte Kaiserslautern, Bremen und Schalke, wo er jeweils gefeuert wurde, danach TB Berlin, bevor er 1971 nach Oberhausen wechselte. Im November 1972 verurteilt ihn das DFB-Sportgericht dazu, für 2 Jahre seine Ausbildungslizenz zurückzugeben. Das Gericht sah es als erwiesen an, daß Betreuer Brocker das Aufstiegsspiel TB Berlin gegen Arminia Bielefeld (27.6.1970) für 40.000,- manipuliert hatte bzw. zumindest die Bereitschaft dazu zeigte. Bielefeld gewann 2:0 und stieg in die 1.Liga auf. Dieser Fall zeigte damals auch auf, daß es nicht erst auf dem Höhepunkt des Bundesligaskandals Manipulationen gab, sondern bereits lange vorher. Auch in der Berufungsverhandlung kam nichts anderes heraus. Zwar hatte Brocker bis zuletzt beteuert "mit dem ganzen Komplex nichts zu tun" zu haben, doch urteilte das Sportgericht im Januar 1973 gegen ihn. Die Sperre blieb bestehen. Lediglich vom Vorwurf des Meineids wurde er vom Bielefelder Landgericht freigesprochen. Nachdem die Sperre abgelaufen war verweigerte der DFB jedoch die Wiederherausgabe der Lizenz, da Brocker noch die Kosten für das Sportgerichtsverfahren (ca. 7.000,-) zu zahlen hätte, und vorher würde es keine Lizenz geben. Bis zu seiner Pensionierung war der 'Kaltz der 50er Jahre' (Selbsteinschätzung) als Diplom-Sportlehrer im Schuldienst tätig. Im letzten Jahr wurde Brocker 70.
ARNO STEFFENHAGEN
Auch der FC St.Pauli hatte einmal einen Ex-Sünder in seinen Reihen: Von August bis Dezember 1978 kickte er unter Trainer Piontek in der 2.Liga für unser Team, ehe er anschließend über den großen Teich hinweg zu den Chikago Stings wechselte. Der heute 47 Jahre alte Steffenhagen war der jüngste Skandalsünder überhaupt. Für seine Verfehlungen als Spieler bei Hertha BSC Berlin mußte er 15.000,- Geldstrafe zahlen und wurde für zwei Jahre gesperrt. Deshalb wechselte der Schnauzbartträger zum südafrikanischen Club Hellenic Kapstadt, die Hertha erhielt noch 80.000,- Ablöse. Zwei Jahre kickte der Berliner dort, wo er auch seine Frau Colleen kennenlernte, ehe der Stürmer für eine Transfersumme von rund 600.000 Mark (teilte sich Kapstadt und Berlin) zu Ajax Amsterdam wechselte.
1976 kauft der HSV den Flügelflitzer und feiert mit ihm 1977 den Europapokal der Pokalsieger, zu dem Steffenhagen maßgeblich beiträgt. Als Günter Netzer Manager beim HSV wurde, mußte er gehen, da die beiden sich nicht über eine Vertragsverlängerung einigen konnten. Daraufhin unterschrieb er einen Vertrag über 3 Jahre bei den Chikago Stings, der HSV kassierte 350.000 DM. Da sich die Mannschaft aus Chikago 1978 nicht für die amerikanische Meisterschafts-Endrunde qualifizieren konnte, bestand die Möglichkeit, ihn für ein paar Monate zurück nach Deutschland zu holen. Über einen amerikanischen Geschäftspartner des damaligen Präsidenten unseres FC wurde Steffenhagen ans Millerntor geholt. 25.000,- wurden einmalig nach Chikago überwiesen, der Akteur bekam monatlich 1.500,- plus Prämien. Heute soll der ehemalige Stürmerstar einen wenig lukrativen Job in Chikago innehaben.
Soweit, für diese Ausgabe, die Kurz-Biographien ehemaliger Beteiligter am 71er Bundesligaskandal. Wenn ihr wissen wollt, was aus 'Stan' Libuda, Lothar Ulsaß, Volkmar Groß, Bernd Patzke, Rolf Rüßmann und den vielen anderen wurde, dann bleibt euch nur die Lektüre des ÜS 23. Bis dann, meine Lieben.
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