Die neue Saison bringt einige Veränderungen, aber irgendwie ähnelt alles doch dem Alten: Volkspark, verletzte Neueinkäufe und alte Volkshelden. Der potentielle Trainer und Noch-Manager Helmut Schulte is back home und wir ließen es uns auch nicht nehmen, ihn nach Neuigkeiten zu fragen. Die Vermutung liegt nahe, daß, aufgrund des schweren Auftaktprogrammes, Helmut vielleicht das Traineramt wieder übernehmen wird, doch bezogen sich unsere Fragen eher auf seine Manageraufgaben.Auf die Frage hin, wie der Wechsel zu St Pauli von statten ging, berichtete Helmut, daß Heinz Weisener ihn telefonisch ein Angebot unterbreitet hat, welches er ohne Bedenken annahm. Neben den Spekulationen der Presse sah es auch für Helmut anfangs nicht so aus, als käme der Wechsel zustande. Doch nach einem Gespräch mit dem Lübecker Wirtschaftsrat erhielt er dann die Freigabe, unter der Bedingung von zwei "Freundschaftsspielen" gegen den VfB Lübeck. Wie die Erfahrungen gezeigt haben, waren diese Spiele alles andere als freundschaftlich, da es leider auch beim VfB immer wieder einige Leute gab, die uns gern einmal handfest ihre doitsche Gesinnung beweisen wollten. Daß es uns eher darum ging, daß es generell die Aufgabe eines Vorstandes sein sollte, diesem entgegen zu wirken, wollte Helmut nicht so ganz einsehen ("Ist jetzt der VfB Lübeck ein schlechterer Verein als der FC St. Pauli, nur weil er statt 20 Nazis 50 im Stadion hat?") und die Diskussion scheiterte in einem An-sich-Vorbei-Reden. Positiv war für Helmut, daß der Wechsel in nur 10 Tagen über die Bühne ging, und er sich so gleich auf die anstehende Arbeit stürzen konnte. Die Fortsetzung seiner Tätigkeit in Lübeck hätte er sich im Falle einer Ablehunung seines Gesuches unter keinen Umständen vorstellen können (Anm. d.T.: Wir auch nicht!).Helmut trägt dem Vorstand seine Entlassung 1991 nicht mehr nach und betont das volle Vertrauen, daß er von Heinz Weisener genießt: "Es war nie eine Entscheidung gegen den Menschen Helmut Schulte, sondern rein vereinspolitisch". Zum Thema Volkspark kann man nur sagen daß er sich leider schnell beim FC St. Pauli "integriert" hat. Jedoch betonte er, daß der ganze Spieltag mit dem besonderen Feeling am Millerntor erhalten werden muß (möglichst siebzehn Mal in einer Saison). Hingegen der offiziellen Angaben gab Helmut offen zu, daß es sich hierbei um rein finanzielle und nicht um sicherheitstechnische Aspekte dreht. Allerdings sieht auch Helmut die Gefahr, daß durch eine Verlegung am Ende wichtige Punkte fehlen. Angesprochen auf den eventuellen (und hoffentlich stattfindenden) Stadionausbau konnte Helmut nicht viel sagen, bis auf das dies ein finanzielles Problem sei, er aber prinzipiell dahinter stünde. Zu dem entstandenen Streß beim Dauerkartenvorverkauf sagte er, daß es eine vereinsinterne Arbeitsgruppe, bestehend aus den Herrn Niewicki (Schatzmeister), Hinzpeter (Vizepräsident), Wendel (Amateurverwaltung) u. Ahrens (Steuerprüfer) gibt, die sich damit beschäftigt, daß die Geschäftsstelle in Zukunt organisatorisch besser arbeitet. Auch er wird sich mit dem Thema beschäftigen und Veränderungen vornehmen. Den Zeitpunkt seiner Einstellung empfindet er aber als äußerst mißlich, da es auch zu einer guten Organisation eines Vereines gehört, daß Transfers im Frühjahr von statten gehen und dieses ja bekanntlich durch Streitigkeiten und Entmachtung der dafür zuständigen Leute nicht gelang: "Wenn man anfängt, nach dem letzten Spieltag Spieler zu suchen und zu sichten, dann ist was faul im Staat". Eine Wiederholung dieser Fehler will Helmut aber durch rigoroses Eingreifen verhindern: "Wenn der Amateurobmann bei Präsident Heinz Weisener im Urlaub anrufen muß, um ihn zu fragen, ob er 10.000,- für einen Spieler ausgeben kann, dann ist das vom Ablauf und Organisation her eine Katastrophe... Wenn da nur Mist gemacht wird, weil der Obmann es nicht richtig kann, dann fliegt er raus". Daß es in der Realität oftmals anders ist, kann Helmut jedoch nicht verhehlen. Grundsätzlich sieht Helmut das Thema Neuverpflichtungen so, daß eine Einigkeit zwischen dem jeweiligen Trainer (sowohl Profi als Amateur) und Mananger existieren muß, jedoch der Trainer das letzte Wort hat. Und wie weit darf Helmut jetzt gehen? Er hat die volle Rückendeckung von Heinz Weisener und darüber hinaus einen Etat, in dem er frei entscheiden kann. Angesprochen auf seine Äußerungen, die er 1995 getätigt hat ("Die St. Pauli-Fans sollten sich nicht so wichtig nehmen") gab er zum Besten, daß er absolut kein Bock auf Fanfeindschaften hat und er der Meinung ist, daß man sich zwar verbal attackieren kann, jedoch hört bei ihm der Spaß bei gewaltätigen Auseinandersetzungen auf.
Stichwort Kritikfähigkeit: Hier gestand Helmut uns, daß er früher wegen jeder Kleinigkeit den betreffenden Journalisten gleich angerufen hat, worüber er heute nur noch lachen kann. Mit der Routine die ersich durch verschiedene Trainerstationen (Dresden, Shalke, DSF!) und seiner Managertätigkeit beim VFL Lübeck erwarb wuchs bei ihm auch die Kritikfähigkeit und Selbstsicherheit Entscheidungen konsequent durchzuziehen, auch wenn er dabei jemanden enttäuschen muß. den Vorwurf, daß in Sachen Vereinskritik nicht in erster Linie Umzug ins Volksparkstadion sondern der Weg, wir die Entscheidung getroffen wurde uns nicht paßte hörte Helmut sich mit Verständnis an und ließ durchblicken, daß es in Zukunft einen besseren "Interessenausgleich" zwischen Verein und Fans geben würde. Zum Schluß ließen wir es uns nicht nehmen, doch noch ein Hauch von BLÖD und SORGENFRUST zu vermitteln und gaben Helmut noch ein paar Stichworte, die er spontan wie folgt beantwortete:
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| Abstieg | kein Thema |
| Umzug | ich bin in den letzten 6 Jahren 5 Mal umgezogen |
| Derby | Derbystar Fußball |
| Rostock | Stefan Studer |
| Trainer | schwerer Job |
| AGiM | Habe ich schon mal gehört; weiß aber nicht was sich dahinter verbirgt |
Am Ende erwies sich unser Helmut als verkappter Zechpreller, doch wir übernahmen gerne seinen Kaffee als Dankeschön für das nette Gespräch.
Ra. und MiGP.S.: Mitten in diesem "professionellen" Gespräch fiel Helmut ein, daß er 1975 eine Stadionzeitung auf Blaupausenbasis für seinen Heimatverein SSV Kirchveischede (Kreisklasse A) verfaßte. Das Teil hieß übrigens "Bazille"!
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