Rückblick, Vorblick, Seitblick...
Weitblick?
Der ausgefallene Saisonrückblick!

Das mühsamste Geschäft, welches einem angetragen werden kann, ist das des Saisonrückblickes. Ich sollte aus Erfahrung sprechen, denn schließlich ist dies nun schon der dritte in Folge, ein lupenreiner Hattrick also. Seit nunmehr drei Wochen zermürbe ich mir den Kopf, wie ich denn ein bißchen Abwechslung in diese monotone Wiederkäuung all dessen, was eh schon jedeR kennt, bringen kann.

Vielleicht eine kleine Photoserie anstelle der üblichen Bleiwüste.Schlecht möglich, denn wer hat schon ein Photo auf Lager, das Stisi vor, beim und nach dem goldenen Tor gegen Hansa Rostock zeigt. Diese Bilder auf zwei Seiten verteilt würden den Eindruck der letzten 12 Monate wohl am besten wiedergeben. Oder aber man malt eine große Palme und... Aber das Thema ist auch schon endlos zerknautscht und reißt niemanden vom Hocker. Wie wäre es dann mit einem Standbild von Uli Maslo im Sportstudio mit der entsprechenden Sprechblase. Nicht gut? Schon veraltet? Na hör mal, dies ist ein Rückblick und da ist nichts veraltet, was nicht älter als ein Jahr ist.

Gibt es noch mehr eingebrannte Momente, die das Leben nachhaltig beeinflußt haben? Fassen wir doch einmal zusammen, was alles so in ein Jahresresumee hineingehören. Am besten gehe ich jetzt zu Martin nach vorne und verwickele ihn in ein intensives Brainstorming. Die dann entstehende Liste wird mir vielleicht den entscheidenen Kick geben..., also, bis gleich. So, nun bin ich wieder da und viel weiter bin ich auch nicht. Im Grunde genommen hat er dieselben Dinge aufgezählt, an die ich auch gedacht hatte, nur, schreiben wollte ich darüber eigentlich nicht mehr. Wir haben endlose Texte zum Thema Chiclana, zum skandalösen Verhalten des Vereins gegenüber Jürgen Wähling, zur Heimatlosigkeit der Amateure, zu unserem Unmut über die Entwicklung auf den Rängen undsoweiter undsoweiter verbraten. Dies alles kann in den letzten Heften nachgelesen werden, denn im Grunde hat sich da kaum etwas verändert. Martin war also keine große Hilfe, es sei denn, man benutzt folgendes Zitat als Auflockerung dieser Zeilen: "..., daß ich kein Spiel in der Gegengerade gesehen habe, eines in der Südkurve, sonst in der Nordkurve. Ganz toll." Armer Jung, aber soll ich deswegen noch einmal über die Kartenpolitik am Beginn der Saison herziehen? Ihr seht, es ist nicht besonders einfach, diesen Artikel zu verfassen.
Wiederholung, Wiederholung, Wiederholung, Wiederholung, Wiederholung, Wiederholung, Wiederholung, Wiederholung, Wiederholung, Wiederholung.

Im Grunde bleibt nur eines richtig haften: große Dinge bestimmten unser Leben als Redaktion und von Spaß am Fußball kann wahrlich kaum die Rede sein. Von wegen erste Liga genießen und so ein Mist. Nein, von Skandal zu Skandal hat sich unser Blatt gehangelt und wahrlich, wir waren nicht scharf darauf, sie prasselten einfach auf uns ein. Und da standen wir nun, mal mit vierzig, dann mit 44 und sogar mit 48 Seiten, das alles auf einer Kalkulationsbasis von 28-32 Seiten. Vielleicht haben wir ein zu großes Mitteilungsbedürfnis, andererseits hat sich an den Reaktionen, die wir erhielten, auch jedem, wirklich jedem, der meinte, hier ein bißchen Journalismus spielen zu können, gezeigt, welche Position wir mit der Zeitung erreicht haben. Darauf kann man stolz sein aber das wollten wir ja Uli überlassen, oder aber man definiert seine Position neu. Aber auch das verändert nur den Stil und hat Anpassung zur Folge - Anpassung, die eigentlich nicht sein sollte. Drum werden wir wohl so weiter machen, nur eines darf nicht wieder passieren: Die letzte Saison war die mit Abstand stressigste Fan-Zine-Saison unseres Lebens. Nie hatten wir den Spaß an den Donnerstagen, den wir sonst hatten und nie ging es so locker zu wie in den Jahren zuvor. Ob hierfür nun die laxe Einstellung der Leute gegenüber dem Redaktionsschluß verantwortlich war oder die Entwicklungen in unserem Verein, das ist letztlich egal, doch wenn aus freiwilliger Arbeit plötzlich immenser Stress wird, dann läuft irgendetwas falsch. Vielleicht aber auch ist die erste Liga einfach ernsthafter, lebhafter und medienintensiver, genaus so wie erwartet. Nicht erwartet aber hatten wir demnach, daß das auch auf uns abfärbt. Und zwar so sehr, daß wir das Angebot eines netten Menschen aus Kiel, uns mit umfangreicher Statistik zu versoregn, sträflich vernachlässigt haben. Und deshalb an dieser Stelle: "Sorry", "Entschuldigung" und "tut uns leid" an Matthias in der Hoffnung, daß er dies hier liest. Wir haben Dich nicht vergessen.

Was aber wird das nun hier? Selbstanalyse beim Psychiater? Ernsthafte Gedanken, dummes Gesabbel. Vielleicht von allem ein bißchen, aber eines ist es bis jetzt noch nicht geworden und deshalb auch die Überschrift. Apropos Überschriften, auch dies ist ein Stilmittel, aus welchem man einen Rückblick konstruieren kann (konstruieren ist hier wahrlich der beste Ausdruck). Zum Beispiel so:

Spiiietzenreiter, Spiiietzenreiter hey hey
Ich bin stolz,...
Küstennebel im Feindesland
das übelste Gekicke seit 1910 (Schalke auswärts)
5:2, 5:2, 5:2, 5:2
Ho Ho Hochverrat
Pinkelpause, Pinkelpause hey hey
Uwe Alaaf, Passant goes Millerntor
Abstiegskampf pur
Ein Schwachmat namens Gensing und ein Gott namens Stisi
es war schon 21:47 Uhr
ich bin ein Vagabund (St.Pauli Amateure)
Klassenerhalt, aber wie ... der dritte versaute letzte Spieltag in Folge
Gibt das nun die Saison in aller Kürze wieder. Fühlt sich jemand vernachlässigt? Ja, ich glaube, ich weiß, wen ich hier vernachlässigt habe. Wie jedes Jahr an dieser Stelle sei einmal mehr darauf hingewiesen, daß sie Stimmung am Millerntor nicht mehr nur schlecht, sondern inzwischen katastrophal geworden ist. Wer mir das nicht glaubt, der oder die möchte bitte einmal 30,-DM investieren und sich das Spiel gegen Rostock, wo ja angeblich mal wieder ganz gute Stimmung war, in voller Länge auf Video besorgen. Grausig, was einem da über die Außenmikrofone entgegenkommt. Bis auf die lauteren Hintergrundgeräusche fast wie bei Fortuna Köln. Und daran ist nicht das fehlende Dach schuld, sondern nur wir allein, und ausschließen werde ich da keinen. Die Passantenaktion war ein erster Schritt, aber leider sind das viel zu wenige Leute und Kreativität ist nun einmal nicht angeboren. Wer mit in Dortmund war, der sollte wissen, was dreitausend Leute auf einem Haufen anrichten können, zuhause jedoch kommen einem die Tränen. Aber nun dürfen wir ja in das schöne Volksparkstadion und da singt es sich bestimmt ein wenig einfacher, gelle.

Wie schön wäre es, an dieser Stelle einmal in Harmonie und Frieden schließen zu können, einfach sich zurücklehnen und sagen: "Das war aber eine nette Saison." Vielleicht geht es deshalb nicht, weil in dieser Sommerpause schon wieder so viel Mist passiert ist (siehe die Artikel zur AGiM, zum Dolchstoß oder einfach unsere Neuverpflichtungen bzw. die Kreuzbandrisse. Andererseits wäre es vielleicht auch am besten, man ignoriert den ganzen Scheiß, stellt diese Zeitung ein und geht zum Fußball. Dann bleibt einem wohl nur ein mögliches Fazit. "Mit dieser Mannschaft den Klassenerhalt geschafft. Alle Achtung, das war wahrlich eine tolle Saison!"

(lüh)

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