The Egoist's Dagger
Frei nach William Shakespeare! Ein Drama in einem Akt

Einziger Akt 1.Szene
Ort: Die rauhen Gemäuer der Geschäftsstelle des FC St.Pauli, umgeben von der öden Trostlosigkeit des Feldes der heiligen Geister.
Es tritt auf: der weise König, an seiner Seite seine engsten Vertrauten
König
Oh schweres Los der Königswürde, nur Neid und Zorn umgeben mich.
So lange schon harre ich der Dankbarkeit, doch erscheinen will sie mir nicht.
Der Hüter des Geldes (Wiki)
Oh Herr, ich tat doch alles. All mein Wissen, all meine Kraft
sollten doch reichen, Euer Volk von Eurer Glorie zu überzeugen.
König: Worte, nichts als Worte, doch wer höret denn den süßen Klang des güldenen Schatzes,
des Schatzes, der da lauert in des Feindes Land.
Taten brauche ich und ein willfähriges Volk.
Hofmeister Hinze
Die kommenden Zeiten, voll Ungewiss und Eigenheiten.
Viel Klärung werden sie erfahren, es naht die Nacht der letzten widerspenst'gen Geister.
Vor Eurer Würde und Weisheit werden sie erbleichen.
Seht dort, das Zeichen des Goldes in des Volkes Park,
widerstehen kann ihm keiner.
So lange herrschte Friede in unserem Lande,
dieser Kampf jedoch, er muß jetzt sein.
Gehet hin und zeiget Euch,
schafft Stille in den unruhigen Reihen,
lichtet sie und der Sieg ist unser.
König
Nein. oh nein, dieser Blöße gebe ich mich nicht hin.
Diese Herden des Teufels, zerfleischen wollen sie mich.
Sinnierend
Oh, Herr, wo bleibt der Dank, der mir gebührt,
wo die Ehrfurcht, die mein Platz bescheren soll.
Welch Qual wohnt dieser Stellung inne,
welch Not muß ich erleiden.
Schlaf wünscht ich mir, nur Schlaf,
um dieser Pein entfliehen zu können.
Vater, Vater, das Volk ist nicht willig,
was soll ich nur tun?
So müd bin ich geworden,
die Last des Herrschers ist schwer nur zu tragen.
Herrscher über Zweifler, König ohne Gefolge,
ist es das, was mir beschienen war.
Habe ich Ihnen nicht gegeben, was sie wollten.
Und doch, bereuen tat ich es im nächsten Augenblick.
13 oder 17, die Wahl habe ich Ihnen geschenkt.
Geschnitten ins eigene Fleisch,
doch die rote Flut meines Lebens, kümmert's sie?
Glorie und Glanz, das ist mein Ziel.
Staub und Dreck, ist das Ihr Wunsch?
An der Tafel der großen 18 möcht ich sitzen,
jedes Opfer bin ich bereit zu geben, doch sie, sie, sie...
er stockt, ein fester Blick (Hinze und Wiki treten zurück)
Nein, niemals. Vor denen nicht, nicht vor diesem Volke.
Alles tat ich zu ihrem Wohle,
warf Leib und Leben in das Spiel der Spiele.
Die Entscheidung ist gefallen.
König bin ich und König bleibe ich.
Dies Volk ist nicht bereit, zu leisten, was ich leistete.
Gute Taten waren mein Schicksal,
ihre Tränen in der Not, sie zu trocknen war mein Wunsch,
doch nun, da ich ihnen die goldenen Wege baue,
da weichen sie von meiner Seite.
Nein, niemals. Erklären werde ich nicht.
Sie tun nichts und ich tue alles.
Sie sind nicht bereit, ähnliches für unser Land zu tun.
Hinze und Wiki, sendet meine Grüße,
aber zeigen, zeigen werde ich mich nicht.
Der Herold Manni tritt auf
Oh Herr, Gebieter, oh mein König,
Nachrichten vom Volke bring ich Euch.
Viele böse Worte mußte ich vernehmen.
Dein Volk zürnet und beschimpfet seinen Hofstaat.
König
Ha, wußt ich's nicht. Nein, niemals.
Denen zeige ich mich nicht.
Wer nicht mit mir, der ist gegen mich.
Mein Wort ist Befehl, mein Wille Gebot.
Bin nicht ich der Erwählte, der Zukunft's Bote.
Wer mir nicht folgt, dem dien ich nicht.
Worte schwingen sie, doch Taten sehe ich nicht.
Er tritt ab. Aus den Hallen ertönt ein letztes Mal:
Dankbarkeit, nur ein wenig Dankbarkeit.
Hinze
Von Gram gebeugt, da geht er hin.
Auf uns nun liegt die Last der Botschaft.
Wiki, greif Deine Rollen und zeig Deine Kunst...
Wiki
Welch schwere Bürde ist uns zugetragen.
Dem zürnenden Volke müssen wir uns stellen.
Hinze
Nun denn, es sei wie es sei.
Des Volkes Zorn ist unsere Pein.
Doch höre. Des Königs Wort ist unsere Botschaft.
Die Entscheidung ist gefallen.
Des Feindes Land wird unsres sein.
So ist das Wort, so soll es sein.
Sie gehen ab
Einziger Akt 2.Szene
Der Morgen graut auf dem Feld der heiligen Geister. Finster ragen die Paläste des Amusements empor. Nebelschwaden umringen das glänzende Weiß des Kartencenters. An einem Baume lehnt MacTheb, der Fürst der Gegengerade. Der Schweiß des Zornes rinnt von seiner Stirn.
MacTheb
Oh Stellinger Grauen, wie zürn ich Dir.
Du Feindes Land, du Hort der Ödnis.
Mein Land ist verraten, mein Volk verkauft.
Wie noch waren die Worte von Wiki?
Wir können nicht leben ohne des Volkes Park.
Ha, will ich das glauben. Alles tat ich für unser Land.
Mein Gold, mein Kummer und meine Tränen
all die, das gab ich gerne her.
Die Welt mal quer mal längs hab ich durchreist,
kein Opfer war eine zu große Bürde.
Und nun auf einmal bin ich nur Staub,
ein finstrer Schmarotzer, der nichts leisten will?
So waren des Königs Worte, die der Herold verlas.
Folgen sollen wir, fragen nicht.
Weisheit ist sein Synonym, Dummheit das der unsrigen.
Er verfällt in tiefe Träumereien.
Ein Windhauch treibt den Nebel an den Baum. MacTheb schreckt hoch.
Aus den Schwaden erklingen die Worte seiner Getreuen:
Kommt ihr Worte, die ihr auf Mordgedanken lauscht,
macht zum richt'gen Fanne mich.
füllt mich an in braun und weiss,
vom Scheitel bis zur Sohle
Mit schärfster Grausamkeit, verdickt mein Blut
sperrt jeden Weg und Eingang dem Gewissen
Gewissen, welches sein Ideal verlor
zu töten um des Leben willens
Kein bedenklich Mahnen aus des Königs Hause soll mein Handeln hindern
Wo verraten ich mich fühle,
da soll Zorn die Wahrheit zeigen
13 heißt die magische Zahl
und Verrat ist ihr nicht inne
des wahren Kriegers Glaube wird sie zeigen
MacTheb lauscht der sich verlierenden Stimme, richtet sich auf und dringt in den Kartencenter ein. Kurz darauf erscheint er mit einer 13er Dauerkarte.
Ergeht von dannen.
Einziger Akt dritte Szene
Der Fürst der Gegengerade steht an dem Denkmal in der Südkurve
MacTheb erstarrt, aus dem Rauch seines Joints bildet sich eine Dauerkarte und eine übergroße 13, die ihn zu umschlingen droht.
MacTheb
Ist dies eine 13er, die ich vor Augen schaue
mir ganz nahe, komm laß dich packen
ich hab dich nicht, und dennoch sehe ich dich
bist du, schrecklicher Spuk, ergreifbar nur
dem Auge nicht der Hand? Bist du vielleicht
eine dreizehner der Seele, eine falsche Schöpfung
vortretend aus dem glutbedrängten Hirn?
Ich seh dich noch, so leibhaft von Gestalt
so wie die, die ich hier halte
Du gehst mir vor den Weg, den ich will schreiten
Mein Aug ist närrisch, oder wär es klüger
als jeder andre Sinn? Ich seh dich noch:
Auf Schrift und Zahlen perlt das Blut
Was erst nicht war. -- Nein. Nichts davon ist da:
's ist nur das Blutgeschäft, das so den Augen
sich meldet. Jetzt scheint auf dem halben Kiez
tot die Fan-Natur und böse Träume quälen den einst so süßen Schlaf.
Aus der Ferne erklingt eine Fanfare
Ich geh, und's ist getan, die Fan-Fanfare klingt
Höre sie nicht, St.Pauli! Es ist der Todesklang,
der Himmel dir und Hölle kann bedeuten.
Er nimmt seine Dauerkarte, streicht noch einmal über die 13 und rammt sie in das Denkmal. Ein tiefer Seufzer schwebt über das Viertel und das Donnern der apokalyptischen Reiter erklingt. Aus dem Denkmal rinnt der braune Saft des Lebens.
MacTheb
Mein Blut gab ich gern, meine Seele kriegt ihr nicht.
(lüh)
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