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"Auswärtssieg-Auswärtssieg" schallte es zu oft aus den Kehlen der Amateurfans in dieser Saison. Nicht, daß wir eine Pilgerfahrt zu den Arenen, in denen unsere Regionalligamannschaft ihre Schaukämpfe austrägt, scheunen würden. Nein, aber die Griegstr. und die Hoheluft liegen, geographisch gesehen,nunmal nicht in St.Pauli. Deshalb: Eine Chronik von einer Reise quer durch Norddeutschland
Die ersten Spiele liefen wie erwartet. Der Aufsteiger mußte Lehr-u. Fersengeld bezahlen. Der erste Punkt konnte erst am 3.Spieltag beim 2:2 gegen den Lüneburger SK erobert werden. Der witzige Support wurde bei 40 Grad in der Sonne mit Songs wie: "LSD u. FKK- Lüneburg war wunderbar!", mit freundlicher Unterstützung der LSK-Fans, abgefeiert. Und die Woche darauf gab's am Millerntor, nach dem 3:0 gegen den deutschen Amateurmeister VfL Osnabrück, nur noch strahlende Gesichter zu sehen. In seinem zweiten Einsatz für die Amateure zeigte Leonardo Manzi dem Maslo gleich mal, was in ihm steckt und knipste 2 Goals. Willkommen im Dreamteam!
Die kalte Dusche in Wilhelmshaven (0:2) sorgte für Schlottern und Abkühlung bis minus 10 Grad. So daß das folgende torlose Remis gegen Eintracht Braunschweig am Millerntor immerhin wieder Die Kollegen vom VfL 93, und mittenmang unser weißer Hai und Ehrenredaktionsmitglied Klaus "Otti" Ottens, leiden an einer ernsthaften St.Pauli-Phobie. Im Spiel am 10.9 verloren sie zu Hause mit 0:1, ebenso wie im Toto-Pokal mit 1:2. Trotzdem vielen Dank an Otter, daß er sich auf unserer Unterschriftenaktion "Amateure zurück ans Millerntor" bei der Neuansetzung des Rückspiels eintrug, welches natürlich 2:1 für St.Pauli endete. Trotz der ersten Erfolge lief der Angriffswirbel unserer Amateure noch nicht so rund, und so reichte es gegen die Mitaufsteiger Atlas Delmenhorst (2:2) und Norderstedt (3:4) nur zu einem Punkt. St.Pauli-Polonaise fällt in Cloppenburg ein (siehe ÜS Nr. 17). Datum: So.,der 8. Oktober 95: vielleicht der Wendepunkt in dieser Saison ? Mit großem Kämpferherz und einem 2:1 Auswärtssieg setzte sich Kurt Hesses Mannschaft ab. Unfaßbar! Die Amateure mußten ihr erstes Heimspiel verlegen. Und wohin: Nach 32 Jahren trug eine Mannschaft unseres FC St.Pauli wieder mal am Rothenbaum ein Heimspiel aus. Doch die Fiesta St.Pauliana war auch durch diesen Spuk nicht mehr zu stoppen und besiegte "Holzbein Kiel" mit 3:0. Manzi, Tore, Sensationen gab es am darauffolgenden Heimspiel derer gleich dreimal zu beobachten und das gegen Aufstiegsaspirant VfB Oldenburg. Das erste Mal im Verlauf der Saison landen die Amateure auf einem einstelligen (8.) Platz. Als Leo noch 2 Treffer beim 2:4 in Emden erzielte, holte ihn Herr Maslo wieder zu sich zurück als Joker auf die Bank. Postwendend folgte in der Mitte des umsympthischen November ein 0:3 gegen Franz Gerbers TuS Celle, in jenen Tagen Spitzenreiter. Im Schneeregen versetzte das "magische Dreieck"(Springer, Manzi, Stisi) die Aufstiegsambitionen des Vorortclubs SV Lurup durch zwei Leo-Tore den Todesstoß. Während die Vertragsamateure beim Derby auf der Bank schmorten, hüllen wir den Mantel des Schweigens über das Pokalaus gegen den Bezirksligisten Bergstedt (1:4). Daß die Amateure auch ohne ihre "Stars" Fußball spielen können, bewiesen sie am 3.Dezember im "kleinen Derby". Komischerweise verzichtete man auf den Heimvorteil und spielte, wie schon im Pokal zuvor, an der Hoheluft bim SC Victoria. In der 18. Minute stand es bereits 2:0 für den HSV und keiner gab mehr einen Pfifferling für unser Team. Doch leidenschaftlich bogen sie in der zweiten Hälfte das Spiel nachmal um. Mike Göbel, der unangefochtener Torjäger in der Aufstiegssaison 94/95 war, meldete sich mit zwei Treffern zurück (3:2). Der JahrhundertwinterDas vorläufig letzte Spiel am Millertor bis zum 4. Mai '96 trugen unsere Amateure am 9.12.95 gegen den Stadtrivalen SC Concordia aus und revanchierten sich für die Auftaktniederlage mit einem 2:1. Die allerletzte Paadie '95 sollte in Herzlake starten. Auf die Bustickets gab es einen wahren Run. Nach zwei Stunden war der letzte Platz vertickt. Aber das Winterdrama um diese Fahrt wurde zum Dauerbrenner. Spielabsage, Neuansetzung und dies insgesamt dreimal machten dann allen Emslandgereisten den Garaus. Anzumerken bleibt noch, daß das Hesse-Team auf dem 6. Platz und damit zwei besser als der HSV dahinwinterte.In jenen Tagen glich das Millerntor einem Schnee-Eis-See. Und da andere Vereine nicht so zimperlich mit ihrem Rasen umgehen, wurde erstmal auswärts gespielt. Zwei Punkte aus Herzlake (1:1) und Delmenhorst (1:1) und derer drei aus Norderstedt (strike!) am Tag des Profispiels gegen Fucking Rostock wurden eingesackt. Mit Beginn der Sommerzeit am 31.3. fing die Auswärts-Heimspiel-Serie an: 2:1 gegen BVC in Altona, Karfreitag 3:2 gegen Wilhelmshafen bei Victoria. Ein "Theater für Kinder"-Bus aus Altona sorgte an einem Freitagabend in Kiel für reichlich blaue Augen, etc. Die anfangs nicht vorhandene Poplizei wollte sich, genauso wie das schwache Spiel (1:1), auch unsere Betreuung für unsere "Freunde" aus Kiel, nicht mehr mitansehen und schickte uns "out of town". Eigentlich sollte es ja noch in Chrischans Kneipe "subrosa" zum Leersaufen gehen, aber... sorry Chrischan. Durch einen 2:1-Sieg gegen Lüneburg an der Hoheluft verscheuchten unsere Amateure endgültig das Abstiegsgespenst. Als nächstes Ziel wurde die Teilnahme an der deutschen Amateurmeisterschaft hervorgekramt. Doch der "Scheiß-DFB" stoppte jäh unsere Träume. Der Verlierer aus der Aufstiegspartie zur 2. Liga zwischen den beiden Meistern aus der Regionalliga Nord und Nordost(?) sollten daran teilnehmen. In 8 Jahren 6 mal aufgestiegen und nun am Ende der Fahnenstange? Orientierungslos verlor man die Partien in Altona gegen Werder (A) (3:2), in Osnabrück (1:2) und an Leos Geburtstag in Oldenburg (0:2). 300 St.Pauli Fans feierten den 27. von unser aller Liebling ausgiebig mit Gesängen von An- bis Abfahrt. Und Kurt Hesse gab an jenem Tag das neue Saisonziel aus: "Wir wollen beste Hamburger Mannschaft werden!" Das zeigte sofort Wirkung, und auch ohne Andrew Pfennig (Fortbildung) wurde gepunktet: 3 Punkte in Altona gegen VfL 93 (Abstieg?) und einen gegen Aufstiegsaspirant Kickers Emden (2:2). Auch hier Dank an den Präsi von Emden für die Unterschrift! Fazit: Damit steht das Team drei Spieltage vor Saisonende mit 47 Punkten an 5. Stelle und ist damit das beste in Hamburg! Jetzt schon mal Gratulation! Ein großer Verdienst des jüngsten Trainers der Liga: Kurt Hesse. Er ist aus dem Schatten Jürgen Wählings herausgewachsen. Noch beachtlicher wird seine Leistung, wenn man bedenkt, daß er die ganze Saison ohne Co-Trainer gearbeitet hat. Er kann sein Wissen einfühlsam weitergeben, aber falls es notwendig ist, klare Entscheidungen treffen. Diese mitunter unpopulären Entscheidungen trafen z.B. Karsten Hastedt, Torsten Wickart, Gerrit Gerber und zuletzt Jörg Österreich, als es darum ging, die Nachwuchsarbeit mit jungen Talenten zu forcieren. Dennis Schümann, Ilja Pehar, Marc Pomorin bekamen ihre Chance und nutzten sie. Und falls Sascha Kreuzer seine Unsicherheit ablegen kann, wird auch er es schaffen. "Am weitesten zurückgeblieben" (Zitat lt. Klauck) ist Marc Schnell, der wohl beim AFC weiter aufgebaut wird. Zum gleichen Verein wechselt Alexander Paulick. Schade, denn als er zu Anfang der Saison, nach Fingerbruch von Kim Seidler, ins kalte Wasser geworfen wurde, konnte er uns Fans begeistert. Aber seit Carsten Wehlmann als neue Nr. 1 aufgetaucht ist, hat Alex wohl keine Chance mehr, denn Carsten ist der sichere Rückhalt. Hervorzuheben bleibt noch die Form von Sven Tholen, Robert Meyer, Andrew Pfennig, Mike Göbel (schon 10 Treffer) - Herr Maslo, allesamt bundeslingareif! Auch wenn Herr Maslo und seine getreue Jugendleiterin Schnell es nicht gerne hören: Gut, daß Morten Jensen, ein Herzstück des Teams, zurückgekehrt ist ("wie kann man nur einen 30jährigen kaufen!?"). Eine Traueranzeige wäre der Weggang von Joe Ennochs zum VfL Osnabrück wert. Nicht nur, daß wir ihn menschlich total sympathisch finden, nein, auch weil er das größte Talent in Norddeutschland ist. Man kann nur hoffen, daß im Fall Mathias Scherz und Johann Stenzel nicht das gleiche passiert. |
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