| Und es begab sich zu jener Zeit, da Peter und Dr. Mabuse eine Fahne schulterten und sich auf den Weg in Stadion machten. Eine Fahne von schlichter schwarzer Eleganz war es, bedruckt mit dem nunmehr schon legendären Totenkopf. Und hätten sie gewußt, was sie damit anrichten, so hätten sie diese Fahne sicher zu Hause gelassen. Wie orakelte noch Kollege lüh in einer der letzten Ausgaben: der inflationäre Gebrauch des Totenkopfes ist unvermeidbar! Recht hat er gehabt!
Trauriger Höhepunkt ist sicherlich die Unterlassungsaufforderung der Firma Texmen an die Firma Tom-Sport, von der weiteren Verwendung des Totenkopfmotives Abstand zu nehmen. Thomas Herbst, seines Zeichens Kopf und Namensgeber der Firma Tom-Sport, sowie nach eigenem Bekunden langjähriger St. Pauli-Fan, konnte es nicht mehr ertragen, dieses Schicki-Micki-Rebellentum und die damit verbundene Vorstellung, daß "sich inzwischen billig gedruckte Knochenschädel martialisch über Bierbäuchen an den Stränden von Mallorca bis Sylt" spannen. Eine Lösung mußte gefunden werden und der gute Tom glaubte auch, sie zu haben. Er fing an, sich an die Herstellung eben dieses Motives zu machen und vergaß in seiner Aufregung ob einer solch marktstrategisch genialen Idee wohl, daß schon eine andere Firma sich dieser Aufgabe angenommen hatte. Diese andere Firma, sprich Texmen, kann dann auch als geistiger Vater des Totenkopfsymbols, in der Form, wie er uns seit Jahren präsentiert wird, angesehen werden, liegt doch die Herstellung und Verbreitung schon seit 1989 in ihren Händen. Kaum verwunderlich, daß sie gar nicht angetan waren von Toms Idee, und so kam es zu dem eingangs schon erwähnten Rechtsstreit. Eine Auseinandersetzung, die übrigens bis heute noch nicht ausgestanden ist. Zwar ist der Skull der Firma Tom-Sport, nachdem das Design geändert wurde, weltweit geschützt worden, doch aufgrund der Ähnlichkeit kann es immer noch zu Ferner freuen wir uns, daß mit Thomas Herbst endlich ein talentierter und ideenreicher junger Mann "die intelligente Straßenkultur in diesem Teil Hamburgs vor dem Ausbluten u.a. durch Modehaie zu beschützen versucht". Unter anderem soll dieses Ausbluten durch die Hinzunahme eines "Ideenscouts" verhindert werden. "Möller Ideenscout" heißt jene Firma, die darum bemüht sein wird, "daß die Kreativen den Kontakt zur Straße nicht verlieren, und daß sie umgekehrt vielleicht der einen oder anderen Entwicklung mit einer guten Idee schnell und professionell unter die Arme greifen können." Das ist auch gut so, denn wo wären wir heute, lieber Tom, hättest Du Dich nicht des Totenkopfes angenommen. Ein Häuflein Unentwegter würde ihn tragen, damit womöglich noch einen ideologischen Hintergrund verbinden - nein, so etwas wollen wir nicht. Masse statt Klasse lautet die Devise - je mehr wir sind, desto stärker werden wir auch sein. Danke Tom! Eins noch, warum schreibst Du in der Presseinformation, daß Dein Laden ein hevorragender Platz sei, "die eine oder andere Heimniederlage zu bejammern"? So eine negative Grundhaltung halte ich für tendenziell falsch - gerade bei der Neueröffnung Deines Ladens. GBSoweit also zu meinem Meinungsbild, gefestigt allerdings, bevor ich mit Tom-Sport gesprochen habe. Und da wir alle relativ nette Leute sind, bin ich auch gleich mit meinem Artikel zu ihm hin. Daß er über den Inhalt nicht erfreut sein würde, war kalkuliert - logisch, daß er dann auch Stellung beziehen möchte:...ODER SO ÄHNLICH!Tja, das ist so'ne Sache mit der Wahrheit und der Wirklichkeit. Gerade wenn's um solche weltbewegenden Lappalien wie Totenköpfe geht. Darüber haben sich wohl weder Peter noch Dr. Mabuse dunnemals Gedanken gemacht, als sie mit ihrer Lego-Piratenfahne ins Stadion taperten, auch lüh nicht, als er neulich im Übersteiger die Skull-Inflation herbeiorakelte und schon gar nicht GB, der das Thema nun fortstrickt.Eine Auseinandersetzung um den "einzigen, wahren und wirklichen Totenschädel" in den Gruppen aus dem Pauli-Dunstkreisen von Zaum zu brechen, macht Freude, Spaß, sorgt vielleicht für klasse Tresenkeilereien, nur eins macht sie nicht: Sinn. Was war also wirklich los? Da hat sich der Fan-Artikler Tom Herbst aufgemacht, gegen die drei deutschesten aller guten Sitten zu verstoßen, die da lauten: "Das haben wir schon immer so gemacht!", "Das haben wir noch nie so gemacht!", "Da könnte ja jeder kommen!" Er war der Auffassung, obgleich Vereinsmitglied und Fan (was ja nicht immer und bei jedem eine Gleichung ergibt), daß es ein Leben jenseits der Ausgänge "Nordkurve" und "Gegengerade" gibt; und das ein solch feines Motiv wie der Totenkopf durchaus Verbreitung finden sollte. Wenn ja, wenn man verhindern könnte, daß er verramscht wird. Nur weil er derob Leute, die nachweislich etwas davon verstehen, gebeten hatte, ein Skelettoberteil zu entwickeln, das unverwechselbare Merkmale hat, die auch den Verein und den Stadtteil ausmachen und nicht einfach aus einem Biobuch von 1936 abgemalt war; nur weil der Dickschädel jetzt ein bißchen frischer aussieht; nur weil das Ding jetzt nicht mehr jedem 10-Marks-Dom-Leibchen gleicht; nur weil er sich nicht an die drei deutschen Deviesen gehalten hat, wird jetzt tümelnd über ihn hergefallen. Dabei kann sich das Ergebnis sehen lassen und gefällt. Zumindest denen, die was davon verstehen und sich nicht zu der Abteilung "Wir-wollen-unseren-Kaiser-Wilhelm-Schädel-wiederhaben-und-unsere-deutschen-Deviesen-auch" zählen. Und weil Tom Herbst zudem durch intensives Nachdenken herausbekommern hatte, daß nicht die gesamte St. Paulianische Bevölkerung ins Stadion paßt und mancher auch mal zwischen den Spielen einen passenden Fummel kaufen wollte, machte er einen Katzenwurf vom Millerntor entfernt, einen Laden mit dem beziehungsreichen Namen "stylepass" auf. (Freistoßtrick wäre auch gut gewesen, kam aber zu spät) Das ist die ganze schnöde Wirklichkeit, alles andere dient der Belustigung, der Unterhaltung und dem Szene-Klatsch, zu mehr taugt es nicht. Kleines Beispiel gefällig: Die Sektorgien, die Tom Herbst vor Jahren im Fan-Laden gegeben haben soll, um sich in die Herzen der Hardcore-Fans zu lümmeln, stellen sich bei genauerer Recherche, als einmalige spendierfreudige Reaktion von Tom, anläßlich seines bestandenen Führerscheins heraus.
Das war's und so isses immer, oder so ähnlich.
Beinahe im Auftrag von Tom Herbst, dem Rächer der Unterdrückten. Tja, relativ starker Tobak, den mir mein Namensvetter da zugefaxt hat. Dazu nur kurz folgendes:
|
|
Titelseite dieser Ausgabe |
|