Da haben wir zum einen diverse Zuschriften bzgl. des Spieles und der Vorfälle in München erhalten, die wir Euch natürlich nicht vorenthalten wollen. Zum anderen sorgte der Quasi-Rücktritt von Manager Jürgen Wähling in der vergangenen Woche für immensen Trubel und stürzte den Verein in eine der schwersten Krisen der vergangenen Jahre. Zurück bleiben mehr Fragen als Antworten und das Gefühl, daß die ganze Sache zum Himmel stinkt. Ein Zustand, der es Einem z. Zt. wahrlich nicht leicht macht, St.Pauli-Fan zu sein...Am 13.02. erklärt Manager Jürgen Wähling auf einer Pressekonferenz, daß er seinen zum 30.06. auslaufenden Vertrag nicht verlängern werde. Sein Akku sei nach vier Jahren einfach leer. Das i-Tüpfelchen zu dieser Entscheidung seien aber die Vorkommnisse beim Trainingslager in Chiclana gewesen. Er könne sich nicht mit einem Verein identifizieren, wo z.T. "menschenunwürdiges Verhalten" an den Tag gelegt würde.Was? Wie bitte?Doch trotz Nachfragens erfuhr man nur die Spitze des Eisberges, wie z.B. die Story mit Herrn Pröpper (vgl. Reisebericht in dieser Beilage) an der Bar. Es wird auch noch über weitaus derbere Vorfälle gemunkelt, jedoch will sich niemand als Zeuge zur Verfügung stellen, da man sonst um seinen Job fürchten muß. Selbst Jürgen Wähling sagte ein uns zunächst (Do., 15.02.) zugesagtes Interview kurzfristig wieder ab. Begründung: Die Sache sei einfach z.Zt. zu heiß.Die meisten Spieler und Uli Maslo indes haben ihren wahren Schuldigen ausgemacht: Jürgen Wähling wird über die Medien als Lügner dargestellt. So drängen sich Parallelen auf zum Fall Schlindwein/Manzi, als ebenfalls der Bote zum Täter gemacht wurde. "Ruhe ist die erste Bürgerpflicht" heißt nun das Motto. Alle sollen den Mund halten, damit es keine Unruhe gibt. Doch es ist schon zu viel bekannt und wir fragen uns, ob solch ein Verhalten einem Verein gut zu Gesicht steht, der sich ein faires und offenes Miteinander auf seine Fahnen geschrieben hat. Fakt ist, daß Jürgen Wähling als Bauernopfer in einem miesen Spiel herhalten muß, obwohl er der einzige ist, der Rückgrat bewiesen hat. Oder warum schweigt die Hamburger Presse über die Stories aus Chiclana und macht fleißig (wider besseren Wissens!) bei der Demontage Wählings mit?
Damit das klar ist: Niemand von uns verurteilt einen gepflegten Zug durch die Gemeinde, auch bei den Profis nicht. Und es gibt auch sicherlich Sachen, die mannschaftsintern bleiben sollten. Aber wenn was derbes passiert, sollte man auch dazu stehen. Aber hier wurde schamlos gelogen und unter den Teppich gekehrt. Die Sache dürfte noch lange nicht ausgestanden sein, und ob der FC St.Pauli dies schadlos übersteht, dürfte fraglich sein.
Maslo contra WählingIst der Konflikt etwa vor beruflichen, sprich sportlichen Hintergrund entstanden? Ist das Tischtuch zerschnitten, weil berufliche Absprachen nicht eingehalten wurden?"Entschuldung des Vereins"Papa Weisener verpflichtete im März '92 Jürgen Wähling als Manager, weil er nun mal, wie wir alle wissen, nicht im Fußball-, sondern im Baugeschäft groß wurde. Fußballexperte Wähling sollte rigoros des Papas Sparplan durchziehen und ihn vor eventuellen Fehlern bewahren. Zusammen mit dem Präsidium wurde ein ehrgeiziger Sanierungsplan erstellt.Der SanierungsplanSchluß sollte sein mit der Verschwendung, zu hohen Spielergehältern und teuren Transfers. Alle Ausgaben sollten überprüft und langfristig verändert werden ("mit menschlichen Antlitz"). Dazu brauchte man einen Cheftrainer bei den Profis, der innerhalb dieses Rahmens arbeitet. Just in jenem Moment traf Papi Weisener auf Uli Maslo. Vielleicht warens die grauen Haare oder die pädagogische Ausbildung, jedenfalls verdrehte dieser dem Heinz mächtig den Kopf.Ein weiterer Vorteil Maslos war, daß die St.Pauli-Bosse in ihrem Plan versahen, die Jugend zum Kapital der Zukunft zu machen. Und da "uns Uli" bereits die Jugend auf Schalke trimmte, zudem als Mann der "Basisarbeit" (Bahrain) angesehen wurde, bekam er den Job. Inzwischen hatte der fleißige Jürgen schon mal die Weichen gestellt: Im Bereich der Jugendmannschaften hatte St.Pauli den HSV als Nr.1 abgelöst und auch die Amateure hatte er ins Oberhaus geführt. Die UmsetzungSpätestens als Uli Maslo Hysen Zmijani als unverzichtbare Investition im Kampf gegen den Abstieg präsentierte, hatte der Cheftrainer den Bogen überspannt. Der Sanierungsplan war torpediert worden und der Trainer versuchte, die jahrelange Arbeit von Jürgen Wähling und Mitstreitern kaputt zu machen. Denn außer Jens Scharping hat kein "Talent von unten" es geschafft, in die Top-Elf zu gelangen. Und solange Maslo bleibt, wird sich auch das nicht ändern. Inzwischen werden Spieler aus dem Profikader "nach unten" abgeschoben, weil dieser mit fertigen Spielern gegen die Abstiegsangst aufgebläht wird. Die Amateurspieler, denen Profiverträge angeboten wurden, schätzten die Lage richtig ein und lehnten großzügig ab. Sie hätten ein Jahr Trainingspartnerschaft mit Herrn Maslos Superprofis gewonnen, um anschließend wieder bei den Amateuren Fußball spielen zu lernen. Sollte sich nichts ändern, werden die Jugendspieler ihre Zukunft bestimmt nicht bei "unserem" FC sehen.FazitSteuermann Uli Maslo ist vom vorgeschriebenen Kurs abgekommen und der erste Offizier hat's gemerkt. Seit mindestens einem halben Jahr schwelt dieser Kabelbrand nun schon. Da sind dem ersten Offizier endlich die Sicherungen durchgeschmolzen.Käpt'n Heinz - schmeiß endlich den Steuermann von der Brücke! Die stolze Redaktion
|
|
Titelseite dieser Ausgabe |
|