oder: Wie man frist- und formgerecht Anträge stellt und sie wieder zurückziehtNun war es mal wieder so weit. Mußten wir auf die letzte JHV noch fast 2 Jahre warten, folgte diese der vorhergehenden schon nach knapp 6 Monaten.Nach der Begrüßung durch Präsident Weisener und der üblichen Nadelschau wurde über die Lage des Vereins referiert. Fazit des Redners: Schuldenfreiheit und positives Eigenkapital. Das ließ die Vereinsmeierherzen dann auch höher schlagen und die Nachricht erntete "Standing Ovations". Herr Niewicki würzte das ganze noch mit den Ausführungen zur Bilanz und schloß mit 3,4 Mio. DM operativem Gewinn ab. Seine Parole an diesem Abend: "Unternehmerisches Handeln ist ein unbedingtes Muß!" Das Hamburger Abendblatt schrieb am Mittwoch allerdings, daß bereits 3 Mio. aus den Werbeeinnahmen an den Verein geflossen seien. Da der Verein die Summe von 1 Mio. garantiert erhält, und der Rest je zur Hälfte zwischen Verein und Marketing geteilt wird, müßten nach Adam Riese also 5 Mio. erwirtschaftet worden sein. Wo sind die 2 Mio. geblieben? Wie wir vermutlich auch nicht mehr alle wissen, bekam Herr Weisener für ein 5 Mio. Darlehen alle Rechte an der Marketing. Das war dann wohl doch kein so großes Verlustgeschäft. Unklar ist ebenfalls, ob eine neue Betreibergesellschaft fürs neue Stadion gegründet wurde (letzte Jahreshauptversammlung). Für die ca. 6 Mio. Schulden Weiseners sollte er bestimmende Rechte an der neuen Betreibergesellschaft erhalten. Dazu ist diesmal ebenfalls nichts gesagt worden. Stattdessen war die Nachricht zu vernehmen, daß alle Fonds-Einlagen zurückgezahlt wurden. Der Verbindlichkeiten wurde sich ebenfalls entledigt und das bedeutet wiederum Erleichterungen der Lizenzauflagen. Und weiter gings um das Lieblingsthema, die Knete. Verschiedene Veränderungen werden angestrebt, damit die Kohle fließt. So soll zum Beispiel das Kartencenter zu einem modernen Kommunikationszentrum umgebaut, der Stadionneubau (so ward's gesagt!) in Angriff genommen und neue Förderstrukturen geschaffen werden. Was das im einzelnen heißt, wurde leider nicht erläutert. Das läßt mitnichten gutes ahnen. Hinsichtlich der Stadtteilbefragung wurde das Ergebnis der ersten Rückmeldungen bekanntgegeben (von 20.000 verteilten Karten sind 200 zurück gekommen). Hier noch mal zur Erinnerung die Fragen mit den eingegangenen Antworten:
Was gefällt am Millerntor?
Und "Papa Heinz" wurde natürlich diesmal Ehrenmitglied, was ebenfalls mit stehenden Ovationen vom Publikum bedacht wurde. Im Anschluß daran fanden die Neuwahlen statt:
Es wurde dann noch mal massiv darauf hingewiesen, daß es uns eigentlich nur um ein Vorkaufsrecht der Dauerkarten geht und wir auf die Änderung der Beitragsstruktur sozusagen scheißen. Den meisten von uns hätte es in der Tat gereicht, über ein Vorkaufsrecht abzustimmen. Doch auch das wurde von den Hauptakteuren niedergeschmettert oder besser niedergesülzt (man solle sich doch in der Winterpause zusammensetzen...Bla Bla...). Schließlich sagte das Präsidium das Vorverkaufsrecht ohne Abstimmung zu. Inwieweit eine solche Zusage bindend ist, bleibt abzuwarten. Frederike forderte den Verein im Hinblick auf die unschönen Szenen in Rostock auf, eine Ausnahmegenehmigung beim DFB zu beantragen, für dieses Spiel ausnahmsweise keine Karten an Auswärtsfans zu verschicken. Der Vorschlag erntete gewaltigen Applaus im Plenum. Nur einer schlug vor, wir sollten doch Patenschaften für je einen Rostocker übernehmen, der dann beim Spiel neben uns steht, was bei weitem nicht so euphorisch aufgegriffen wurde, wie Frederikes Idee (Warum bloß nicht?) Aber lt. Hinzpeter hat der Verein darauf keine Einflußmöglichkeit. Es ist alleine Sache des DFB. Wortlaut: "Das Spiel ist hier sowieso nur in Zusammenarbeit mit der DFB-Sicherheitsgruppe zu veranstalten." Was das im einzelnen bedeutet blieb uns verborgen. (Na, solange das nicht Volksparkstadion heißt). Und der Hammer kam zum Schluß: Die 2. Amateure sollen aufgelöst werden, damit die Ersatzleute der 1. Amateure spielen können. Eine Mannschaft, die seit Jahren zusammen spielt, soll nun mitten in der Saison auseinandergerissen werden und Plätze für die Resevebank der 1. A freimachen. Das teilte man der Mannschaft, als Tatsache mit, als der Trainer noch im Urlaub weilte. Aber auch das wollten die Herren auf der Bühne nicht offen diskutieren. Man verwies auf einen späteren Termin unter Ausschluß der Öffentlichkeit (Was dabei rausgekommen ist, könnt ihr in einem extra-Artikel in diesem Heft nachlesen). Es wurde lediglich nicht dementiert. Das heißt konkret, daß die Mannschaft, die den Aufstieg geschafft hat, nun in die Ecke gestellt wird, zugunsten des "Leistungssports", ohne daß darüber zumindest der Fußballobmann informiert wurde. Der Kommentar von Weisener dazu: "Beides muß gehen." Tja, finden wir auch, aber nicht auf dem Rücken von Leuten, die seit etlichen Jahren beim FC St. Pauli Fußball spielen. Da fragt man/frau sich tatsächlich, ob den Verantwortlichen beim Gedanken ans Geld der letzte Rest von Sensibilität, Verantwortungsgefühl und Aufrichtigkeit verloren geht. Die Diskussionen zum Punkt "Verschiedenes" verliefen diesmal ziemlich hitzig. Lt. Heinz Weisener, ein Beweis dafür, daß "der Verein lebt". Dem können wir nicht ganz folgen, denn eine Auseinandersetzung kam gar nicht erst zustande, da sie vom Podium abgebügelt wurde, sobald sie sich auch nur in Ansätzen zeigte. Von Mitgliederseite bestand sicherlich Gesprächsbedarf, von der Seite des Präsidiums war das nicht zu spüren. Wir hatten eher den Eindruck, als zog mann sich mit Formalien aus der Affäre ("Der Antrag ist nicht frist- und formgerecht"). Bei der nächsten JHV soll dann die Satzung geändert werden. Direkte Wahlen, wie bisher, wird es dann vermutlich nicht mehr geben. Das ganze soll in Form eines Vertreterprinzips über die Bühne gehen. Das heißt, die Mitgliederversammlung wählt nur noch Wahlmänner/frauen, die dann den Vorstand wählen. Na ja, solange die Menge jubelt,... |
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