Die "Football Supporters Association" aus England sendet Grüße an unsere befreundeten Fans, die sich am heutigen Protest gegen reine Sitzplatzstadien in Genf beteiligten
Wir stehen völlig hinter Eurem Anliegen, Stehplätze in den Fußballstadien zu erhalten und wiedereinzuführen. Wir wollen heute die Britischen Medien nutzen, um Euren Protest und unseren Widerstand gegen reine Sitzplatzstadien in die Öffentlichkeit zu tragen. Niemand kennt die vielen Probleme, die durch den Abbau von Stehplätzen entstehen, besser als die englischen Fans. Reine Sitzplatzstadien haben eine Menge Nachteile, sie beinhalten:
- reduzierte Kapazitäten, d. h. daß mehr Spiele ausverkauft sind und die Fans müssen oft zwei Wege machen - einen, um eine Eintrittskarte zu kaufen und noch einen, um das Spiel zu besuchen. Dies verursacht auch mehr Arbeit und Kosten für den Club.
- gewaltige Preiserhöhungen. Von 6-7 Pfund in der "first division" 1990 (nun pompös "Premiership" genannte sind die Preise auf 15-20 Pfund gestiegen (bis zu 44 DM). Und dies, trotz der Empfehlungen in "Taylor Report", daß die Fans nicht mehr zahlen sollen UND zu einer Zeit, in der der englische Fußball reicher ist als je zuvor.
 - zum ersten Mal werden diejenigen, die nur über ein kleines oder gar kein Einkommen verfügen, aus den Stadien verdrängt.
- Die Trennung von Freunden und Familien. Freunde/Familien, Gruppen etc. können sich nicht mehr länger spontan im Stadion finden und dort zusammen stehen. Nun müssen sie sich vorher absprechen und ihre Tickets alle zur gleichen Zeit kaufen. Das Resultat ist, daß viele Leute nicht mehr zusammen mit ihren Bekannten zum Fußball gehen, speziell dann nicht, wenn einigen von ihnen Dauerkartenbesitzer sind und andere nicht. Für die meisten Menschen ist es ein soziales Ereignis zum Fußball zu gehen. Reine Sitzplatzstadien haben viel davon zerstört.
- Reine Sitzplatzstadien bieten NICHT mehr Sicherheit. Bei Ausschreitungen werden Sitze zu Waffen und Wurfgeschossen. Man braucht sich nur bei den irischen Fans in Dublin zu erkundigen, die von Sitzbänken beworfen wurden. Im Notfall werden Sitzplätze zu riskanten Hindernissen. Es dauert länger, einen Sitzplatzbereich zu räumen als ein Stehplatzareal. Stehplatzbereiche werden lediglich dann gefährlich, wenn sich vor ihnen ein Zaun befindet und wenn Polizei, Ordner und die offiziellen Verantwortlichen sich durch Inkompetenz auszeichnen.
- Das Verhalten der Fans ist in England nun mehr unter Kontrolle als es jemals der Fall war. Unsere Stadien sind gereinigt und die alten "Kop Choirs" wurden hinausgedrängt. In der Vergangenheit fand jeder Fan im Stadion einen Platz, der für ihn der richtige war - Sitzplätze, Familienbereiche, Stehplätze, "spion kops". Mit reinen Sitzplatzstadien werden die Fans, die Fußball auf ganz verschiedene Arten und Weisen erleben wollen, zusammengezwungen und die Clubs sorgen so dafür, daß es die ruhigsten und, ja, die langweiligsten Fans sind, die das Verhalten maßgeblich bestimmen.
- Als Konsequenz ist die Atmosphäre "echt toll". Es ist bereits jetzt schon so, daß, wenn Leute aufstehen weil irgendwas aufregendes passiert, dies dazu führt, daß andere "Hinsetzen" rufen. Die Vereine versuchen, die Leute daran zu hindern zu stehen und haben sich selbst ermächtigt, Leute zu verhaften oder des Stadions zu verweisen, und das lediglich deshalb, weil sie aufgestanden sind!!
- Tore können im Sitzen nicht gebührend gefeiert werden.
- Schlechte Konstruktionen führen zu Unansehnlichkeit, ungenügendem Fußraum und die Fans werden naß, wenn es regnet oder schneit - und in Sitzplatzbereichen ist es nicht möglich sich unterzustellen. Tatsächlich haben manchen Sitzplatzareale nicht einmal eine Überdachung.
Es gibt fundamentale Probleme in reinen Sitzplatzstadien, die durch Verbesserung der Ausstattung nicht bewältigt werden können. Der englische Fußball hat soviel Geld mit der Schaffung von Sitzplatzbereichen vergeudet, nach denen kein Fan gefragt hat und die keiner wollte, daß es fast kriminell ist. Diese Geld hätte lieber für den Bau von "sicheren" Stehplätzen benutzt werden sollen und gleichzeitig zur Verbesserung der Anlagen in den alten Sitzplatzbereichen, umjedem die bestmöglichen Bedingungen zu geben. Viele Fans wollen stehen - aber zu viele Mittelklasse-Bürger mittleren Alters mit zu viel Macht versuchen uns zu diktieren, wie wir unseren Spielen zuzuschauen haben. Manche von ihnen befinden sich im UEFA-Gebäude, ihr steht heute davor. Steht auf für Euer Recht zu stehen.
The Football Supporters Association,
September 1995
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