Die Vorgeschichte dürfte bekannt sein: Ab 1998 darf es bei internationalen Spielen keinen einzigen Stehplatz mehr geben. Die Vereine bauen also nach und nach ihre Stadien um. Die Stehplatzkapazität wird kontinuierlich verringert bis hin zu reinen Sitzplatzstadien (siehe Großbritannien).Was dies für Auswirkungen hat, dokumentiert das auf der übernächsten Seite abgedruckte Statement der englischen Football-Supporters-Association. So fand Ende November ’94 in Frankfurt vor der DFB-Zentrale eine Demo statt, zu der ca. 200 Fans von 26 Vereinen erschienen. Damals sagte der DFB, er sei gar nicht Schuld an dieser Entwicklung, weil die UEFA die betreffenden Bestimmungen erläßt. "Gut, so steigen wir der UEFA auf’s Dach" war die Losung und anläßlich der Auslosung zur 2.Runde im Europa-Cup wurde nach Genf mobilisiert. Bei unserem FC St.Pauli klappte es so, wie es überall hätte laufen sollen: Bei einer Sammlung im Sonderzug nach Leverkusen kamen 1.200,-DM (und 26 Pesetas) zusammen (Vielen Dank an die SpenderInnen!), so daß die St.Pauli-Fans, die sich in die Schweiz aufmachten, dafür 2 Tage Urlaub nehmen mußten und auf’s Heimspiel gegen Stuttgart verzichteten (im Nachhinein nicht allzu tragischer Verlust), nicht auch noch die Reisekosten tragen mußten. Der Überschuß von 644,-DM wurde in den Fan-Laden-Topf gesteckt, aus dem die U16-Fahrten gesponsert werden.So machten sich Donnerstag morgen um 7:00h 7 St.PaulianerInnen und 1 in HH wohnender Schalker auf die weite Reise. Gegen 18:00h trafen wir bei Thomas und Erich in Mülenen bei Bern ein, die uns für die Nacht Obdach gewährten. Vielen Dank nochmal für die fürstliche Bewirtung. Nach einem Kneipenbesuch (in dessen Verlauf der Schalker alle Vorurteile bestätigte!) fielen wir todmüde in die Kojen, um früh am Morgen ein bezauberndes Bergpanorama zu genießen. Nach weiteren zwei Stunden waren wir in Genf, wo vor dem Tagungshotel der UEFA direkt am Genfer See schon einige Fans warteten. Durch die Vermittlung der französischsprechenden Berner (auch hier nochmal vielen Dank für die geleisteten Vorarbeiten wie polizeiliche Anmeldung etc.!) konnten wir uns mit der Polizei über das weitere Procedere einigen: Vor dem in einer kleinen Seitenstraße gelegenen Haupteingang des Hotels durften 6 Leute die 4-sprachige Presseerklärung an die eintreffenden Journalisten und Funktionäre verteilen. Transparente waren sowohl an der Uferpromenade als auch direkt vor dem Eingang befestigt worden. Später wurden noch Solidaritätsbotschaften verlesen und von uns St.Paulianern wie schon in Frankfurt ein selbstgedichtetes Lied vorgetragen. Nett war auch, daß 3 Leute von Raith Rovers zu uns rüberkamen, uns in unserem Kampf viel Glück wünschten und kleine Präsente verteilten, wogegen sich das Fanzine "Zoff" nach einem neuen Namen umsehen sollte, da derjenige welcher aus Italien sich weigerte, ein Flugblatt anzunehmen.
Vollkommen unerwartet kamen dann noch zwei UEFA-Angestellte rüber und machten das Angebot, daß eine 3-er Delegation sich um 14:00h mit dem Generalsekretär der UEFA, Herrn Aigner, zu einem "Gedankenaustausch" zusammensetzen könnten. Bernd aus Mannheim, Rainer aus Köln und Sven aus St.Pauli wurden dann reingeführt und erzählten diesem Herrn Aigner, aus welchen Gründen wir die Entscheidung seiner Organisation nicht so prickelnd finden, wobei man sich in Erinnerung rufen sollte, daß es genau dieser Aigner war, der sich damals in Frankfurt mokierte, indem er meinte, daß sei Quatsch, denn im Theater käme ja auch niemand auf die Idee, stehen zu wollen. Nun, als Sowieso wird es auf den nächsten Treffen der an der Vorbereitung beteiligten Personen wie Fanbeauftragten-Tagung und BAFF! heiß zur Sache gehen, wenn Genf nachbereitet wird, da sich etliche Leute als lausige Großmäuler herausgestellt haben. Eine Wertung der Genf-Aktion kann daher auch nur unter Vorbehalt gezogen werden: Es war sicherlich nicht so toll wie in Frankfurt, aber wir sind zumindest zur Kenntnis genommen worden. Die Berichterstattung in den deutschen Medien war regional unterschiedlich. Während im Ruhrgebiet beispielsweise recht große Artikel erschienen, war im Hamburger Blätterwald das Schweigen im Walde Trumpf. Hätten wir Aigner eine symbolische Ohrfeige verpaßt, wär’ein Aufmacher auf Seite 1 gewiß gewesen! So traurig. Ok, nach 14stündiger Heimreise waren wir am Sonnabend morgen um 6:00h wieder am Millerntor, wobei uns unterwegs die Gewißheit ereilte, daß wir beim Heimspiel gegen Stuttgart wohl nicht allzuviel verpaßt hatten. |
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