Und dann passierte der Eklat. Auf die Frage, was er den während seines Auslandsaufenthalts als Fußballtrainer gelernt hat, schloß Uli Maslo sein Statement mit dem Satz "Ich bin stolz, Deutscher zu sein". Mein Nachbar, der sich in diesem Jahr erstmals dazu entschlossen hatte, "stolzer Dauerkartenbesitzer" zu werden, bedachte mich mit einem Blick, zu dem die Bildunterschrift "verrratene Freunde schauen Dich an" nicht schlecht gepasst hätte. Ich schickte eins der seltenen Stoßgebete meines Lebens irgentwo in den sommerlichen Sternenhimmel und hoffte, einer akkustischen Täuschung erlegen zu sein, was sich leider nicht bewahrheitete. Tja, und grausam wie das Leben nun einmal ist, wurde mir dann auch noch die zweifelhafte Ehre zuteil, Herrn Maslo um eine Erklärung zu ersuchen.
| ÜS: Es geht um Ihre Aussage "Ich bin stolz, Deutscher zu sein". Was war damit gemeint? UM: Also, das war eine Sportsendung, wo es um Fußball ging und ich wurde gefragt: Was haben Sie im Ausland gelernt? Dazu hab ich Stellung genommen. Ich hatte mich mit ausländischen Trainern und Systemen auseinanderzusetzen. Da konnte man einiges lernen.Ich bin an Golf von den Medien immer schlicht und einfach als "der Deutsche" dargestellt worden, weil ich der einzige deutsche Trainer war, der sich mit ausländischen Trainern messen mußte. Es sind dort auch die Erfolge der deutschen Nationalmannschaft unwarscheinlich hoch eingeschätzt worden, das hat meine Arbeit erleichtert, weil ich nun mal den deutschen Fußball vertreten habe und mit unserer Art Fußball zu spielen, erfolgreich war. Als wir Weltmeister wurden, hat man die deutsche Mannschaft gefeiert, weil sie einen guten Fußball spielte. Ich bin auch unterstützt worden in meiner Glaubwürdigkeit, unser System zu vertreten. Und in diesem ZUsammenhang hat man mich immer dann, wenn wir Erfolg hatten, als "den Deutschen" herausgestellt, weil ich die Landesmeisterschaft gewonnen hatte oder zweimal auch Pokalsieger war. Da wollte ich rüberbringen, daß ich gelernt hatte, stolz zu sein, Deutscher zu sein, aber nur im Zusammenhag mit Fußball. Das hat nichts mit Nationalismus zu tun und schon gar nichts damit, wie das hier einige Leute verstanden haben wollten. Ich distanziere mich ganz klar von diesen Dingen. Ich muß auch sagen, es tut mir ein bißchen leid, daß ich es im Fernsehen nicht so rüberbringen konnte, wie ich es eigentlich vorhatte.
War Ihnen nicht klar, das dies ein Propagandasatz von Rechtsradikalen und Rassisten ist?
Verstehen Sie die Reaktionen der Fans?
Das heißt, daß Sie sich vom Inhalt dieser Aussage distanzieren?
An dieser Stelle fiel mir auch der Rest des samstäglichen Statements wieder ein, der durch den deutschen Stolz etwas ins Hintertreffen geraten war.Sie haben am Samstag auch gesagt, der Verein müsse seriöser werden, damit St. Pauli andere Sponsoren anzieht. Sie hatten das aufs "Freudenhaus-Image" bezogen.Nein, also ich möchte mal eins klarstellen, es ging mir darum, wie unsere Arbeit im sportlichen Bereich abläuft und gewürdigt wird. Ich hatte das Gefühl, man würdigt nicht, was wir sportlich tun. Man meint immer, wir sind der Verein, der nur Parties feiert. Daß wir hier hart arbeiten und mit begrenzten Mitteln versuchen in der 1. Bundesliga zu bleiben, das ist nicht gewürdigt worden. Daß wir ein Verein sind, der gerne feiert und daß ich gerne feier, das ist doch klar. Aber der sportliche Erfolg gibt den Anlaß zum feiern. Ich wehre mich dagegen, daß wir immer nur als die Party-Macher dargestellt werden. Es kommt nicht raus, daß wir 4 neue Spieler eingebaut haben, daß wir auf Sparflame kochen müssen und trotzdem mithalten müssen mit den großen. Feiern? Solln wir! Ich bin der erste, der feiert. Aber dafür müssen wir sportlich seriös arbeiten.
Wir möchten auch lieber Tore feiern als Niederlagen. Was jedoch irritiert, ist die Sache mit den Sponsoren. Viele Leute haben das Gefühl, St. Pauli arbeite daraufhin, daß in der nächsten Saison die Deutsche Bank auf den Trikots wirbt und das Image dann nicht mehr passt. Da stellt sich doch die Frage, ob sich nicht auch Sponsoren finden, die mit unserem Image leben können.
Aber dazu muß man nicht das Image ändern.
Unser Image ist ja nicht nur feiern, sondern auch, daß der Verein was gegen Rassismus und für die Integration nicht-Deutscher im Stadion getan hat. Das wird vom Verein gegenüber der Öffentlichkeit ja auch gerne benutzt.
Und die Fans? Sind die dann noch wichtig?
So, das wäre geschafft und nun ist es wieder soweit, einen unbequemen Schlußsatz zu Papier zu bringen, einen jener, die uns irgentwann noch mal alle an den Galgen bringen werden. Das mit dem bösen Satz scheint so recht und schlecht geklärt zu sein. Bleibt noch die Aussicht auf "Seriösität", in welcher Form auch immer. Es leuchtet schon ein, eine Profi-Mannschaft kostet Geld. Das muß von irgentwoher kommen. Die Dauerkarten sollen billig bleiben, die Stehplätze da wo sie sind und die Getränkepreise moderat (vielleicht sollte mensch im Zuge der Professionalisierung die ausreichende Flüssigkeitsversorgung im Stadion nicht ganz ignorieren). Einnahmen durch Live-Übertragungen am Montag sind hoffentlich kein Thema mehr. Da müssen andere Quellen her. Verschiedene Modelle streiften die Phantasie und verschwanden wieder. Vielleicht sollte man den Fans die Möglichkeit geben, pro Saison für einen bestimmten monatlichen Beitrag Patenschaften zu erwerben und Anteile an der Mannschaft zu pachten. Einen ganzen Spieler müßte mensch sich dann natürlich teilen, der wäre sonst zu teuer. In Anbetracht der Tatsache, daß wir mit den rhetorischen Fähigkeiten der St. Pauli-Coaches noch nie maßloses Glück hatten (mensch erinnere sich an Seppo "das Wort") möchte ich mich um das Vorkaufsrecht für die Zunge des Mannes auf der Trainerbank bewerben, egal, wie der gerade heißt. So teuer kann die schließlich nicht sein. SABO-TonHier der O-Ton aus dem Aktuellen Sportstudio vom 12.08.1995.Steinbrecher: "Das Beispiel (Pagelsdorf in Ostdeutschland) zeigt aber, daß es nicht nur die Dinge sind, die auf dem Trainingsplatz passieren, die wichtig sind für’n Trainer, um sich einzufühlen und um zusätzliche Erfahrungen zu machen ... auch Herr Maslo hat zusätzliche Erfahrungen gemacht. Sie waren 10 Jahre, um mal die Parallele zu ziehen, wenn auch ’ne ganz andere, nicht mehr in Deutschland und haben da eine ganz andere Welt kennengelernt."Maslo: "Ja, ich war acht Jahre im arabischen Golf, habe in Bahrain, Qatar acht Jahre gearbeitet und habe dort auch sehr viele Erfahrungen gemacht, Erfahrungen gemacht, im fußballerischen Bereich, weil ich mich mit anderen Trainern, mit anderen Systemen auseinandersetzen mußte, aber auch menschliche Erfahrungen d.h. ich war mit meiner Familie dort unten, man lernt eine andere Kultur kennen, einen anderen Kontinent, andere Leute, das ist alles anders, wie man damit umgeht, wie man da zurechtkommt und dann auf einmal lernt, auch Deutschland aus der Distanz zu sehen. Also, ich habe gelernt, dort mit den Leuten zu leben, aber dann Deutschland auch mit anderen Augen zu sehen und ich habe immerhin acht Jahre dort gelebt und vorher schon mal sechs Jahre im Ausland gespielt, ich kann mir also ein Bild machen, was es heißt, Deutscher zu sein und ich habe dort unten sicherlich gelernt zu sagen: Deutschland ist eins der schönsten Länder der Welt und ich bin stolz, Deutscher zu sein. Das habe ich dort gelernt." (spontaner, heftiger Applaus)
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