Mit Hilfe der (Fußball-) Glücksgöttin zwei Punkte gegen die Fortuna!Montag, 1. Mai 1995, 20.15 h, zuhause vor der Glotze. Die gar schröckliche Erkältung, die mich schon in der Nacht von Samstag auf Sonntag schüttelfröstelnd erwischt hatte, läßt meine gerötete Nase immer noch anständig tropfen. Soeben habe ich, nach mit Teekochen überbrückter Werbepause, ein zweites Mal vor'm Fernseher Platz genommen und mich via Fernbedienung ins Nürnberger Frankenstadion gebeamt. Unser aller Lieblings-Fernsehsender ist ja mal wieder live vor Ort ...
Nicht mal zehn Minuten später, das Spiel fing gerade an, interessant zu werden, sehe ich leider nur noch schwarz.
Bildausfall! Waren jetzt ein paar übereifrige Aktivisten der Brigade
"DSF-freies Fernsehen" dafür verantwortlich, oder war es doch nur
eine "gewöhnliche" Panne auf dem Weg Nürnberg - Satellit -
Hamburg? Zwei Kannen Tee, unzählige Taschentücher und
zwischenzeitliches Abfeiern vor dem ARD-Videotext (1:0!!) später
endlich wieder Farbe statt schwarz auf Kanal 14. Aha, es ist doch der
Satellit gewesen. Hab' ich mir doch beinahe schon gedacht! Viva Telekom!
Trotzdem denke ich mir kurz vor'm Sprung ins Bett, daß vier Unentschieden in den letzten vier Spielen, mit gerade mal
zwei erzielten Toren, doch ein bißchen wenig sind, um sich auf den
Aufstiegsplätzen festzusetzen. Glücklicherweise klauen sich unsere
Aufstiegs-Nebenbuhler ja auch so manchen Punkt untereinander. Samstag, 6. Mai 1995, vormittags, zuhause am chreibtisch. Bevor ich zum Oberligaspiel H/R vs. St. Pauli (A) aufbreche, noch ein paar Zeilen zum heutigen Spiel gegen den SC Fortuna Köln. Die Karnevalisten aus der Südstadt sind sowas wie das Synonym für Zweitligafußball. Irgendwie schon immer dabei, jedenfalls in den letzten 21 Jahren. In der Saison 1985/86 hätte es fast mal für die Bundesliga gereicht, "Kobra" Wegmann und sein damaliger Verein Borussia Dortmund hatten aber nach drei Spielen Relegation knapp die Nase vorn, konnten diese auch in der folgenden Saison in die BL hängen. Die dezimierte Rumpftruppe der Fortuna im dritten Spiel war damals einfach zu schwach und kam auf neutralem Boden gehörig unter die Räder. In der Saison 1991/92 rettete der Lizenzentzug von Blau-Weiß 90 den sportlich bereits abgestiegenen Fortunaten den Klassenerhalt. Den Meisten unter Euch dürfte auch noch bekannt sein, daß das DFB-Pokalfinale im Jahre 1983 eine rein "kölsche" Angelegenheit war, bei der der FC nur knapp (und unverdient) mit 1:0 geinnen konnte. Soviel zur Historie des Vereins; kommen wir zurück in die Gegenwart. Die Truppe von Trainer Hannes Linßen (wurde gerade wieder von der Figaro-Academy zum wiederholten Male mit dem Award für die beste Trainer-Frisur in der 2.BL-Kategorie ausgezeichnet) hat es wieder einmal nicht geschafft, ans Tor zur Bundesliga zu klopfen, braucht aber in diesem Jahr wohl nicht - wie zuletzt - bis zum letzten Spieltag daruf zu warten, daß seine Mannschaft den Fahrschein für die 2.Klasse löst. Als Anführer des zweiten Tabellendrittels haben die Kölner wohl nichts mehr zu befürchten, daß sie den FSV Frankfurt in die Regionalliga begleiten müssen. Die für den Klassenerhalt noch notwendigen Punkte werden sie noch einspielen. Natürlich nicht hier am Millerntor! Denn am Millerntor sind sie - ähnlich den Meppenern - ein immer wieder gern gesehener Gast, konnten die Braun-Weißen doch in den letzten Jahren zu Hause immer einen doppelten Punktgewinn gegen den SC auf der Haben-Seite verbuchen. Kein angeblicher Jä germeister-Flaschenwurf an den Kopf des Kölner Keepers, der nebenbei bemerkt den Kölner Präsidenten (Patriarchen) "Jean" Löring auf St.Pauli nicht gerade beliebter machte, konnte daran was ändern. Auch in den letzten beiden Heim-Begegnungen gegen den heutigen Kontrahenten konnten knapp (1:0; 3:2) gewonnen werden. Gute Spiele waren die Partien allerdings keine. Eher aufregend wegen der knappen Spielergebnisse. Unterschätzen darf die Mannschaft St.Paulis die Kölner aber auf keinen Fall. Gerade in den letzten Wochen hat sich das Team zu einem echten Favoriten-Schreck gewandelt, Wolfsburg und Rostock werden ein Lied davon singen können... Zu den gefährlichsten Spielern in den Reihen der Fortunaten gehören sicherlich der Ghanaer Akonnor, Antoine Hey, Jörg Lipinski und Roy Präger. Auf Matysik-Vertreter Junghans, eines der noch existierenden Torwart-Fossile schlechthin, war in letzter Zeit auch Verlaß. Aufpassen ist für St.Pauli also angesagt. Die Konterstärke der Fortunen dürfte bekannt sein. Denn alles andere als ein Sieg gegen die Kölner ist für den erhofften Aufstieg zu wenig. Jetzt, wo wir fünf Spieltage vor Beendigung der Saison so langsam zum Endspurt ansetzen müssen, um die vor uns liegenden Läufer noch zu überholen und nicht wie im letzten Jahr am Ende auf dem undankbaren vierten Platz ins Ziel zu kommen und bei der Medaillenvergabe leer auszugehen. Dem sollten sich "unsere" Kicker inzwis chen bewußt sein. Das Spiel in Nürnberg spricht auf jeden Fall dafür. Wenn es da überhaupt etwas zu bemängeln gab, dann die ungenügende Chancenauswertung. Mit Chancen, die normalerweise für zwei Auswärtssiege reichen, konnte beim Club gerade mal ein Remis gerettet werden. Absolute Konzentration im Abschluß ist also oberstes Gebot.
Hoffentlich sind die Verträge für die nächste Saison inzwischen unter Dach und Fach. Damit die Herren Scharping,
Sawitschew und Co. wieder dem Fußball statt dem schnöden
Mammon ihre Aufmerksamkeit schenken. Jetzt ist es langsam mal vorbei mit
schwarzen Löchern und Formkrisen. Jetzt zählen nur noch Tore. Tip: Da wir uns im Moment auf unsere "Mister Zuverlässig" in der Abwehr (Thomforde im Tor natürlich eingeschlossen) verlassen können, werden wir heute knapp, aber auch in der Höhe verdient, mit 1:0 gewinnen.Und das nicht nur um "unserem" Ex-Trainer Michael Lorkowski, der ja in der Mopo den Tip abgab, daß St.Pauli auch im nächsten Jahr zweitklassig sein wird, Lügen zu strafen. Der Fußballgott hat Lorkos VfB Lübeck ja schon in Osnabrück bestraft.Tschüß Euer Käpt'n Braunbär |
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