"Em nome da torcida e de todos os fans do St. Pauli esperamos que setas "bem-vindo". Desejamos a voce e ao nosso time muitos gols e muitas victorias. Faca com que a arte do futbol brasileiro brilke no time marrom e branco."So stand es in der Nr. 1 des MR! zu lesen. Leonardo Manzi, ein Brasilianer am Millerntor. Nach drei Jahren der Ankündigung scheint es nun so weit zu sein: Leo geht!
Was bleiben wird, sind die Erinnerungen an den wohl legendärsten Publikumsliebling, den dieser Verein jemals auf den Rasen geschickt hat. Dies mag sich jetzt alles sehr tragisch anhören, so finster wie eine Grabesrede, doch irgendwie kommt dieses Gefühl der Situation sehr nahe. Der FC St. Pauli gibt mit Leonardo Manzi einen weiteren seiner raren charismatischen Identifikationspunkte ab. Leo geht! Fast schon sagenumwoben war sein Erscheinen im Jahre '89 bei unseren Club. "Ein Brasilianer kommt zum FC", hörte mensch die Menge raunen. "Vom FC Santos soll er kommen", wurde aus der anderen Ecke getuschelt. Erstaunte Blicke, kurzes Nachdenken, ein tiefes Stöhnen und ein sehr leises Flüstern: "Da spielte doch der Pelé." Die Gerüchteküche brodelte, Geschichten wurden gesponnen und wieder verworfen und was blieb, war die Hoffnung auf den kometenhaften Aufstieg eines brasilianischen Jungstars am Millerntor. Das zunächst die CBF die Freigabe verweigerte, auch das schien ein gutes Omen zu sein und die ersten Auftritte des neuen Spielers lösten höchstens ein leises "Geduld, das wird schon" aus. Und dann der Tag des Spieles gegen Köln. In der 83.min schießt Leo, unser Leo, sein erstes Tor, reißt sein Trikot fast vom Leib, schöner noch als einst Aguilera bei der 1:0-Führung der Urus gegen die BRD bei der WM `86, und springt Helmut direkt in die Arme. Diese Szene werde ich mein Lebtag nicht ve rgessen, denn wo erlebst Du heute schon noch ehrliche fast kindliche Freude über ein geschossenes Tor. Und deshalb um so trauriger: Leo geht! Die meisten von Euch kennen den Rest der Geschichte. Trotz dieses Traumstarts und trotz aller Hoffnung, Leo wurde nie der Star, den alle in ihm zu sehen hofften, zumindest nicht auf dem grünen Rasen. Doch das Millerntor wäre nicht das Millerntor, wenn fußballerische Qualitäten jemals Einfluß auf den Beliebtheitsgrad eines Spielers gehabt hätten. Leo ward von Beginn an, wurde ständig und wird bis heute geliebt, gefeiert und fast vergöttert. Warum? Was für eine Frage! Weil es Leo ist. Und weil nur Leo so spielt wie Leo. Kaum einer verstand es wie dieser Herr, so schnell eine gelbe Karte zu bekommen. Kaum eingewechselt, rannte er wie eine Rakete hinter dem ballführenden Spieler her, setzte nach wo keiner mehr nachsetzte und kam leider oft den Bruchteil einer Sekunde, den entscheidenen, zu spät. Gequältes Aufstöhnen im Stadion. Dann wieder versiebte er einige Chancen und die Menge fluchte. Doch o Wunder. Nächstes Spiel, nächstes Glück. Kaum läuft das Spiel nicht so wie gewünscht, hallt es durch das nicht ganz so weite Rund: Leo, Leo. Und sollte der Trainer (welcher auch immer) tatsächlich auf die flehende Forderung eingehen, so war schon beim Warmlaufen heitere Freude zu verzeichnen und das Spielchen ging von vorne los. Doch damit ist es jetzt vorbei. Leo geht! Die gelben Karten hat er sich größtenteils abgewöhnt, den Einsatz dagegen nie heruntergeschraubt. Wohl einer der Gründe, warum niemand Leo etwas nachtragen konnte, neben seiner scheinbar immer positiven Ausstrahlung, die so schön in dieses Stadion paßte und die wir sehr vermissen werden. Leo geht!
Im Nachhinein hört sich das alles an, als hätten wir hier einen unbedarften Fußballspieler jahrelang
durchgefüttert, doch erstens war dem nicht so und zweitens: Na und,
Leo war es wert. Doch da waren natürlich Momente, die diesen
Spieler vielleicht auf Jahrzehnte unbezahlbar machen für diesen
Verein. JedeR denkt jetzt an das Tor gegen Hannover am 6.6.'93. Ja, ich
weiß, den hätte auch meine Oma reingemacht (so der ständige
Nörgler), aber hätte Großmama Nörgler in dieser Minute an
diesem Tag auch genau an der Stelle gestanden, und was ist mit den
anderen neun Toren, die Leo in dieser besagten Saison geschossen hat?
Unbezahlbar ist Leo aber auch, weil er einem gewissen Zeichner so viel
Inspiration geschenkt hat und weil über seine Person (so bitter und
scheiße und für uns nicht nachvollziehbar das für seine Person
auch war) ein gewisser Dieter S. als ........(Pfeifton) geoutet wurde
und Leos zunächst gezeigte Offenheit in diesem Fall zumindest
einigen (wenn auch viel zu wenigen) Personen im Stadion die Augen
geöffnet hat. Noch viel unbezahlbarer ist er aber, weil er aus
Brasilien kommt, womit wir bei ein, zwei persönlichen Worten
wären. Daß ich im Bezug auf Fußball bei dem Wort Brasilien leicht
jegliches rationales Denken ausschalte und unter gewissen
Adrenalinüberschüssen leide, dürfte einigen bekannt sein.
Daß ich aber schuld bin an Leos Weggang, weil ich nach 5 Jahren meine
Brasilienfahne dieses Jahr zu Hause gelassen habe, ist hoffentlich nur
ein Gerücht. Vielmehr ist es so, daß ich in den letzten Jahren
verzweifelte Diskussionen um Leos fußballerische Qualitäten habe
führen müssen. So schwachsinnigen Argumenten wie
"allgemeine Unfähigkeit", "schlechtester Brasilianer
aller Zeiten" und "der kann doch nichts" habe ich mich vehement
entgegengestellt. Irgendwie war es immer so, daß bei Leo höhere
Maßstäbe angesetzt wurden als bei anderen Spielern. Ein Stockfehler
bei ihm entsprach ca. sieben bei den anderen, ein Fehlpaß zehn bei den
braun-weißen Kollegen. Dagegen wurden gute Spiele (z.B. gegen Hannover
letztes Jahr und viele andere mehr) gleich wieder vergessen,
glänzende Pässe bei Kontern einfach ignoriert. Falsche Maßstäbe hin, falsche Maßstäbe her, es hat einfach Spaß gemacht und deswegen jetzt schon fast tragisch: Leo geht! So wie es zur zeit durch die Postillen geistert, scheint er nun doch zum VfL 93 zu wechseln, um dort dann den ewigen Traumsturm Manzi/Ottens wieder aufleben zu lassen. Der FC sollte aufpassen, daß nicht bald auch die Fangemeinde den Standort wechselt, um dem im Vergleich zu anderen Stadien völlig abgedrehten, weil fast nie an der Leistung festgemachten, Starkult auch weiter fröhnen zu können. Aber mit ein bißchen Glück spielt dieses Borgweg-Dreamteam im nächsten Jahr gegen unsere Amateure und auf die Stimmung dürfen wir wohl richtig gespannt sein. So, schluß jetzt mit dieser Eloge an einen einzelnen Spielern, auch wenn kaum einer dies so verdient hat.
Danke Leo! |
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