Lieblingsfarbe braun-weiß-rot
Seit Anfang des Jahres hat das Fanladenteam auch wieder eine weibliche Mitarbeiterin namens Elin, die das schwere Erbe von Cathrin gutgelaunt angetreten ist. Das da ein Full-time-Job auf sie zukommt, bekam der Übersteiger beim suutjen Gespräch Ende Januar schon mit, da neben ihr auch das Telefon nicht geschwiegen hat. Wie die Frau mit dem ansteckenden Lachen an die Stelle gekommen ist, wo sie den Fanladen in ein paar Jahren sieht und was sie sich von den neuen Fanräumen vor allem verspricht erfahrt ihr jetzt...
ÜS: Ja, dann stell dich doch mal vor!
Ich bin Elin, die neue Mitarbeiterin im Fanladen, 24 Jahre alt und gerade dabei mein Sozialpädagogik-Studium mit der Diplomarbeit abzuschließen. Ich habe mein Studium-begleitendes Praktikum schon im Fanladen gemacht und bin dadurch ein bisschen in diese Materie hier reingerutscht.
ÜS: Und wie waren die ersten Tage?
Also angefangen hab ich ja am 2.1. und das war erstmal ganz schön viel für mich. Ich hab mich erstmal eingelesen, war auf verschiedenen Treffen, hab alle kennengelernt und so weiter...
ÜS: Und mit Cathrin ausgetauscht...
Genau, das haben wir zwischendurch gemacht. Sie hat mir auch einen super Leitfaden geschrieben, wo ich immer alles nachlesen kann. Und auch jetzt steht sie für Fragen immer bereit.
ÜS: Und die Kollegen?
SUPER! Stefan kannte ich ja schon aus der Praktikumszeit und...
In dem Moment klingelt das Telefon...
ÜS: ...da ist er!
Haha, ich geh mal kurz ran, okay? Hallo Stefan! Äh, kann ich Dich kurz stören? Ja! Und zwar...
ÜS denkt sich: Wer stört denn hier wen? Kurze Pause...
ÜS: Okay, weiter geht´s!
Ja, wo war ich stehengeblieben?
ÜS: Äääääh...
Na die hier, meine Kollegen!
ÜS: Genau!
Also Stefan und Carsten kannte ich ja schon aus der Praktikumszeit, Justus nur vom sehen.
ÜS: Und Heiko?
Als ich Praktikum gemacht habe waren im Team Daniela, Heiko, Cathrin und Stefan als Honorarkraft, der als einziger bis heute übriggeblieben ist.
ÜS: Wurde nach Cathrins Abgang speziell eine Frau gesucht?
Ja! Für die Arbeit mit den Mädchen- und Frauenteams wäre es blöd wenn... tut mir leid!
Das Telefon klingelt erneut...
ÜS lachend: Och, kein Problem! Nochmal Pause...
Sorry! Ja und dann habe ich mich beworben.
ÜS: Und du hast jetzt den Kiezkick von ihr übernommen?
Genau, das Mädchen-Kiezkick betreue ich jetzt, welches ich vorher auch noch gar nicht kannte, weil ich im Praktikum eher im U16-Bereich tätig war, was ich auch weiterhin tue. Das war für mich ganz neu.
ÜS: Wie lange ging das Praktikum eigentlich? Und wie bist du daran gekommen?
Das ging über 2 Semester jeweils 2 Tage pro Woche bzw. über 3 Semester, aber eines davon habe ich im Ausland gemacht. Mich haben so viele Bereiche interessiert in der sozialen Arbeit und ich fand das hier spannend, weil das so vielseitig ist. Dazu gehört Stadtteilarbeit, Jugendarbeit und so weiter. Ich steckte vorher auch gar nicht so drin in der Materie hier. Klar war Fussball und der FC St.Pauli immer Thema im Umfeld und auch als Kind war ich immer mal im Stadion, aber nie in der aktiven Fanszene. Ich hab auch keine Dauerkarte, das war alles ganz neu. Und das fand ich spannend, hab angerufen, mich mit dem Team hier getroffen und bin dann ins kalte Wasser geworfen worden.
ÜS: Das werden hier einige...
Hast du die Antwort schon öfters bekommen?
ÜS: Ja, bei Cathrin war´s aber noch krasser, weil die damals als neue Mitarbeiterin in der Thadenstraße gleich am ersten Tag von einem männlichen Besucher nach Spielernamen aus der Saison 1990-91 oder so gefragt wurde, um zu testen wie viel sie denn überhaupt weiß und dann erst mal auflief. Das wäre dann meine Abschlussfrage gewesen, hehe, aber gut. Hast Du schon jetzt irgendwelche Ziele die du mit deiner Arbeit anviesierst?
Also erst einmal muss ich natürlich hier ankommen und mich einarbeiten, das neue Team muss zusammenwachsen. Klar, laufende Projekte wie die U16 und Kiezkick müssen weitergehen und sollen auch ausgebaut und neu beworben werden. Mit jemand neuem kann natürlich auch immer etwas frischer Wind reingebracht werden und wir wollen versuchen, dass wir noch mehr Kinder aus´m Viertel dazu bekommen und vielleicht für die U16 nochmal Flyeraktionen starten. Solche Dinge wollen wir auf jeden Fall auffrischen und für mich wäre es schön, wenn die Fahrten nach Auschwitz wieder stattfinden würden. Da bin ich letztes Mal selber mitgefahren und finde es sehr, sehr wichtig dass der Fanladen das weiterhin anbietet! Dafür setze ich mich gerne ein. Vielleicht auch eine U16-Fahrt in den Ferien!? UND was ich mir auch wünschen würde ist, dass mehr junge Leute aus dem Viertel den Weg in den FL finden würden! Das Kiezkick-Projekt hat ja schon Angebote für diese Kinder und Jugendlichen, aber es wäre schön wenn die auch einfach mal zum Kickern oder so vorbeikommen würden und dass hier nicht nur ein Treffpunkt für Fußballfans bleibt!
ÜS: Da ist der Respekt wohl noch ziemlich groß, weil die das hier sehen und nur auf Fußball beziehen...
Das denke ich auch und das sollten wir denen nochmal nahe bringen, so dass sie merken: Och, hier sitzen auch ganz nette Leute drin, da kann man sich ruhig mal reintrauen.
ÜS: St.Pauli-Fan bist du also eher durch dein Umfeld geworden, oder gab irgend etwas den Ausschlag?
Nee, so´n Erlebnis gab es leider nicht, aber in meinem Umfeld waren halt viele St.Pauli-Fans. Ich bin auf einer sehr linken Schule gewesen und der Verein war immer präsent, aber mich hat es nie regelmäßig ins Stadion gezogen. Sympathisantin war ich aber auf jeden Fall immer!
ÜS: Worauf freust du dich denn am meisten?
Am allermeisten? ...kurze Pause... Leute kennenlernen und die U16-Arbeit. Da freue ich mich schon sehr drauf, weil mir das im Praktikum auch sehr viel Spaß gemacht hat. Ein paar kenne ich ja auch noch aus der Zeit, aber es sind auch ganz viele neue mit dabei. Am Freitag fahre ich mit denen nach Osnabrück und da sind sehr viele Namen auf der Liste, die ich noch nicht kenne. Das finde ich sehr spannend die alle kennen zu lernen.
ÜS: Okay, und wovor hast du den größten Respekt bei dieser Arbeit?
Überlegt länger... Ich hab Respekt vor Situation wo es vielleicht eskaliert oder zu Gewaltausschreitungen kommt, weil ich in solchen Situation nie war. Dort richtig zu handeln und einen kühlen Kopf zu bewahren, da fehlt mir noch die Erfahrung. In der Situation kenne ich mich als Fanladen-Mitarbeiterin noch nicht.
ÜS: So schlimm ist das ja nicht. Wir wehren uns ja (meistens) nur...
Genau. Natürlich! grinst!
ÜS: Bist du schon in Kontakt getreten mit Leuten? USP ist z.B. viel hier, oder Fanclubs?
Also viele kenne ich schon. Ich hab seit Beginn auch im Raval gearbeitet und während der Praktikumzeit viele kennengelernt. Bei den Milchschnitten bin ich seit Mai letzten Jahres auch selber Mitglied.
ÜS: Wenn die Saison erst mal losgeht, wird das ja auch noch mehr werden.
Genau. Neue Gesichter, alle Namen merken – das wird schwierig, aber gut!
ÜS: Selbst hast du aber nie gespielt?
Auch erst seit Mai. Die Milchschnitten spielen ja selber einmal die Woche!
ÜS perplex: Was? Einmal die Woche sogar?
Jaha! Jetzt im Winter nicht, weil der Platz jetzt immer dunkel ist, aber sonst einmal die Woche. Maler-Michi und Dennis von den Skins trainieren uns immer donnerstags Abends.
ÜS: Da sind wir ja mal gespannt auf die nächsten Turniere!
Hohohohoho! (Dschingis-Khan-Lachen)
ÜS: Hast du auch schon Kontakte zum Verein gehabt? Hat sich schon wer selber mal vorgestellt?
Ich bin letztens mit Stefan bei der Sicherheitsbesprechung auf der Geschäftstelle gewesen und dann haben wir mal eine Runde gedreht und ich hab mich allen vorgestellt.
ÜS: Und die waren auch alle supernett?
Eigentlich waren sie alle ganz nett, ja.
ÜS: Auch schon den Präsi kennengelernt?
Äh, nee, der war nicht da.
ÜS: Wie sieht denn dein Arbeitstag jetzt aus? Wann geht´s für dich los?
Das ist ja das schöne an dem Job, dass ich nicht jeden Tag den gleichen Arbeitsablauf hab. Es gibt natürlich feste Geschichten wie freitags U16, donnerstags Kiezkick und so wo ich jetzt immer bin. Dann teilen wir die Tresenschichten immer unter uns auf, also ein bis zweimal die Woche und ansonsten gibt´s natürlich Büroarbeit, Flyer ausdrucken, Briefe schreiben, die Sachen unten im Keller halt. Aber das kann ich mir im Prinzip selber einteilen, ob ich jetzt die ganze Nacht hier sitze und schreib, morgens um 7 Uhr oder erst um Elf. Der Tag geht hier ja nicht erst um 15 Uhr los, wenn der Laden aufmacht, was einige vielleicht denken. Die Teamsitzung dauerte heute morgen z.B. 4 Stunden, was gerne mal passiert.
ÜS: Allgemein zum Thema FC St.Pauli, dem Verein, der Geschichte der Fanszene. Der Fanladen allein hat ja schon eine sehr große Geschichte. Was wünscht du dir noch für die Zukunft? Was sollte sich hier noch mehr entwickeln, sowohl untereinander als auch auf den Stadtteil bezogen? Du hast die Materie ja sowohl von außen als jetzt auch von innen kennengelernt...
Also ich hoffe dass der Fanladen als Institution immer bestehen bleibt! Durch mein Praktikum ist mir auch erst richtig bewusst geworden, was für eine Wichtigkeit er in der Fanszene und dem Drumherum hat, zumindest für den aktiven Teil. Wo sehe ich den Fanladen in ein paar Jahren? Ich hoffe einfach dass er immer Anlaufstelle bleibt und wir immer erster Ansprechpartner für alle Fans bleiben! Eine Veränderung würde ich mir, wie gesagt, bei der Wahrnehmung der Jugendlichen aus dem Viertel wünschen, dass wir auch mehr von ihnen angenommen werden. Und es wäre natürlich schön, wenn wir irgendwann Fanräume-technisch vielleicht andere Büroräume bekommen würden! So Fenster wären schon schön... lacht!
ÜS: Also du siehst da keine Probleme mit dem Umzug des Fanladens in die Nähe des Vereins? Es werden ja ab und an Stimmen laut, die das ganze Fanräume-Projekt etwas kritischer sehen, weil eben die Autonomie ein bisschen flöten geht. Hier ist man ein wenig abseits vom Verein, dort aber in angepachteten Räumen und deshalb vielleicht auch besser zu kontrollieren...
Diese Gedanken kann ich natürlich nachvollziehen, aber dadurch ändern sich ja die Schwerpunkte unserer Arbeit nicht und von daher auch nicht die Zielgruppe. Ich denke eher dass dadurch vielleicht zusätzlich noch andere den Weg zu uns finden werden und daran muss man ja auch immer denken.
ÜS: Das sehen wir ähnlich! Apropos, den Übersteiger kennst du?
Ja, aber auch erst seit der Zeit hier im Fanladen. Dann war ich aber ein Semester lang in Schweden wegen meinem Auslandspraktikum und hab euch nicht so verfolgt.
ÜS: In Schweden?
Ja, ich bin halbe Schwedin.
ÜS: Ah, daher der Name!
Genau! Aber der Nachname ist deutsch, der ist Wagner, ganz klassisch... muss lachen!
ÜS lacht mit: Gaaanz deutsch. Okay, das wären eigentlich die Sachen die wir alle wissen wollten. Ansonsten steht hier nur noch Schwachsinn... murmelt... Lieblingfarbe, Wohnort...
Was, Lieblingsfarbe?
ÜS: Hast du eine?
Braun-weiß-rot natürlich! lacht
ÜS: Hast du sonst noch irgendetwas, was du auf jeden Fall sagen wolltest? N´flotter Spruch oder auch dein Lebensmotto, haha?
lacht laut Nee, aber vielen Dank für´s Gespräch!
ÜS: Wir haben zu danken!
Das Interview führte Stemmen
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