Gegen Montagsspiele und die Gesamtscheiße:
Heute 20 Minuten Supportboykott!
Wie bereits bei unserem Auswärtsspiel in Freiburg wird heute in den ersten zwanzig Minuten geschwiegen. Dies soll ein öffentlichkeitswirksamer Protest gegen Montagsspiele und fanfeindliche Anstoßzeiten werden und kann sicherlich nur gelingen, wenn Ihr alle mitmacht. Dazu rufen neben dem Fanclubsprecherrat, USP auch wir vom Übersteiger auf.
Die ständig zunehmende Kommerzialisierung unseres Fußballs geht schon seit Jahren in eine Richtung: Mehr Kohle und das um jeden Preis. Dabei interessiert sich keiner für die Belange von uns Fans. Die Spieltage werden zerstückelt und finden an Terminen statt, zu denen berufstätige Fans oft nicht anreisen können. Unsere heutigen Gäste aus Kaiserslautern sind nur hier, weil sie sich zwei Urlaubstage genommen oder sich einen gelben Zettel von Dr. Holiday besorgt haben. Dies wäre definitiv nicht nötig, wenn diese Partie, wie es sich für ein Fußballspiel gehört, am Wochenende nachmittags stattfinden würde. Verstärkt wird diese Problematik durch extrem kurzfristige Datierungen und auch diese Ansetzung stand gerade einmal einen Monat vorher fest. Wie soll man da im Vorfeld Einfluss auf die Arbeitspläne in seiner Firma nehmen, sich günstige Bahntickets besorgen oder andere private Termine planen können? Die Fans vom 1. FCK werden ein Lied davon singen können, sie spielen heute zum achten Mal in dieser Saison an einem Montag.
Doch auch die Fans der Heimmannschaften leiden unter dem Montag. So hat bei uns nicht jeder das Glück in Hamburg wohnen zu dürfen und daher ebenfalls einen weiteren Weg ans Stadion und wieder zurück. Andere müssen länger arbeiten oder wollen nach dem Spiel eigentlich noch ganz gerne in eine Kneipe. All diese Probleme sind der DFL bekannt und wurden des Öfteren kommuniziert wie beispielsweise bei der Diskussionsrunde mit Vertretern der DFL, DSF, dem FC St. Pauli und verschiedenen Fangremien nach den Protesten bei unserem Montagsspiel gegen 1860 München (siehe ÜS88). Dort sprachen die Fanvertreter auch die verschärfte Problematik bei weiteren Distanzen zu einem Auswärtsspiel an. Die DFL hörte zu und ihr war es scheißegal. Sie legte ein wenig später unser Spiel beim SC Freiburg auf einen Montag...
Jetzt liegt es an uns unseren Forderungen mehr Nachdruck zu verleihen. Wenn die beiden Klischee Kult Vereine St. Pauli und Kaiserslautern aufeinander treffen erwartet jeder ein Feuerwerk der Emotionen. Herrscht aber beim Match „Freudenhaus Millerntor“ gegen „Hölle Betzenberg“ Stille, wird man nur schwer der Frage ausweichen können was da eigentlich los ist. Für Aufklärung werden die sicherlich zahlreichen Spruchbänder vor der Südkurve sorgen, an denen die DSF-Kameras auch schon gegen Sechzig München nicht vorbeikamen.
Proteste gegen Montagsspiele gab es am Millerntor schon seit dem St. Pauli an diesem Termin spielt. Ich erinnere da nur an Spiele wie 1994/95 gegen Düsseldorf oder 2000/01 gegen Gladbach. Bei beiden Partien ärgerten Fans aus der Gegengerade mit Heliumballons an langen Bändern die Kamerateams über ihnen. Leider bröckelt der Widerstand in letzter Zeit und einige Leute spielen lieber am Montag zu späten 20:15 als freitags bereits um 18 Uhr. Da mag ja was dran sein, denn jeder von uns hatte bereits immense Probleme pünktlich um 18 Uhr zum Anpfiff im Stadion zu sein. Doch nur, weil immer mehr beschissene Anstoßzeiten kommen, dürfen wir nicht weniger dagegen demonstrieren. Ganz im Gegenteil! Und das was wir jetzt haben ist sicherlich auch noch nicht das Ende aller Schikanen. Da werden noch wesentlich dümmere Ideen kommen, solange die Fans alles schlucken. Wie wäre es denn mit einem Montagsspiel um 18 Uhr im Vorprogramm des 20:15 Spiels? Die 12:30 Uhr-Debatte sollte uns jedenfalls zu denken geben. Die Argumente gegen Montagsspiele sind auch nicht auf den einen Wochentag fixiert, sondern es geht darum sich generell für fanfreundliche Anstoßzeiten einzusetzen. Dabei ist der Montag traditionell mit Protesten besetzt und das Montagspiel für Fans so etwas wie der 1. Mai für Arbeiter. Außerdem profitieren die Proteste von dem verstärkten Medieninteresse und man kann mit dem DSF genau diejenigen ärgern, die diese Schweinerei letztendlich fordern und finanzieren.
Und bitte kommt mir nicht damit, dass solche Aktionen dem Verein schaden würden. Seit über zehn Jahren steht nach jedem unserer Proteste gegen Montagsspiele für maximal eine Woche die Drohung im Raum, dass es fortan nur noch Montagsspiele von anderen Vereinen geben könnte und unser Club somit an Wettbewerbsfähigkeit einbüßen würde. Mal davon abgesehen dass noch zu diskutieren wäre, ob das nun der Supergau oder ein Segen wäre, darf man dieses Gelaber irgendwann auch nicht mehr ernst nehmen. Darüber hinaus haben wir St. Paulianer ja auch kein Copyright auf die Parole „Scheiß DSF“. Fans vieler anderer Zweitligisten wie Freiburg oder auch unsere heutigen Gäste vom 1. FC Kaiserslautern protestierten bereits gegen Montagsspiele. In Nürnberg schwieg das Frankenstadion zu Saisonbeginn bei Montagsspielen für 20 Minuten, im Breisgaustadion gab es bei unserem Auswärtsspiel einen gemeinsamen Stimmungsboykott mit den Freiburgern. Heute ist das Millerntor dran.
Unsere Mannschaft ist bereits aufgeklärt und wird die Proteste nicht auf sich beziehen.
Darum: 20 Minuten Maul halten – 70 Minuten durchdrehen.
Voran St. Pauli!
tb
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